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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-04 · Heft 45 (4.11.1862) · p. Seite 641

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 45 (4.11.1862)
Date
1862-11-04
Page
Seite 641 (sequence 5)
Language
German
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641 gesische schule im engsten Sinne des Wortes; der ganze Unterricht ist auf dey confessionellen Geist gebaut, und aller Lehrstoff von ihm ganz factisch durchdrungen; die bekannten Regulative haben dafür gesorgt, daß auch der Lehrstoff zumeist aus christlichem Bibel- und Gesangbuchstoffe besteht. Dieser Richtung folgt nun auch der Volksschullehrer größtentheils; die Gesinnung der Schüler wird derartig eine confessionelle, eine gegen alle anderen Religionsparteien gesonderte und abstoßende, daß jüdische Mitschüler darunter hart leiden. Aus diesen Thatsachen ergeben sich drei bedeutungsvolle Motive, um die jüdische Elementarschule geradezu zur Nothwendigkeit zu machen. 1. Erhalten die jüdischen Kinder in der christlich confessionellen Volksschule eine resp. streng katholische oder streng evangelische Erziehung, und zwar in der Regel vom pietistischesten Standpunkte. Wie dies jüdische Aeltern und jüdische Gemeindevorsteher da, wo eine jüdische Elementarschule bereits vorhanden, oder eine Möglichkeit ist, vertreten wollen, wie sie es rechtfertigen könnten, ihre Kinder dem aus der Schule und dem Hause nothwendig entspringenden Widerspruch und Zwiespalt auszusetzen, sehen wir nicht ab. 2. Erkennen wir es freudig, daß unter den obwaltenden Umständen, deren Veränderung in noch einer langen Zukunft gar nicht vorauszusehen ist, gerade die jüdische Elementarschule die völlige Freiheit hat, Lehrstoff und Methode im Geiste der Zeit und nach den Bedürfnissen der Zeit zu gestalten, und dem Zwange der Regulative nicht unterworfen ist. 3. Äst es zuletzt wahrlich nicht ohne Bedeutung, unsere zarte Jugend vor vielfachen Zurücksetzungen und Verhöhnungen zu bewahren, ihnen die bitteren Empfindungen zu ersparen, welche in ihren Seelen durch die schlechte Behandlung Seitens ihrer Mitschüler und durch die Schmähungen, die sie so oft aus Judenthum und Juden aus dem Munde der Lehrer vernehmen müssen, hervorgerufen werden. Daß die Errichtung von Religionsschulen ein nothwendiges Auskunstsmittel an den Orten ist, wo keine jüdische Elementarschule besteht, ftr.ner, daß sie dringliches Bedürfniß an der Seite von Bürger-, Gewerbs- und Handelsschulen sowie von Gymnasien sind, die als öffentliche Unterrichtsanstalten auch von der jüdischen Jugend besucht werden, haben wir oft genug ausgesprochen. Niemals haben wir aber verhehlt, daß der religiöse Unterricht in diesen Religionsschulen immerfort mangelhaft bleiben wird, da einerseits die denselben zu Gebote gepellte Zeit nur eine sehr karge, und andererseits, weil sie eben nur°Nebenschulen sind, die Disciplm und naMentlich die Regelmäßigkeit des Schulbesuches sehr schwierig aufrecht zu erhalten ist. Die jüdische Elementarschule hat daher immer den Vorzug, den Religionsunterricht mit den übrigen Doctrinen organisch verbinden zu können. Aus diesen Ueberzeugungen heraus haben daher die größeren Gemeinden, z. B. Berlin, Hamburg u. A. die jüdischen Gemeindeschulen nicht blötz erhalten, sondern auch neue begründet, deren Schülerzahl z. B. in Berlin mit jedem Semester in großen Maßen zunimmt, so daß immerfort neue Parallelklassen hergestellt werden müssen; zugleich hat man aber daselbst auch Religionsschulen hergerichtet, um den Bedürfnissen der Schüler zu genügen, welche die Elementarschule nicht besuchen, und bereits in höhere Unterrichtsanstalten hinaufgerückt sind. Der einzige stichhaltige Einwand, den man hiergegen erhebt, ist, daß durch den Besuch der christlichen Schulen vieles Eigenthümliche der jüdischen Kinder in Sprache und Benehmen verwischt werde, was in unserer Zeit höchst wünschenswerth sei. Wir schlagen allerdings diesen Umstand nicht gering an. Allein da Sprache und Benehmen doch aus dem Hause stammen, in ihm zumeist genährt werden, die Einwirkung der Schule in dieser Hinsicht nur eine schwache ist, und es vielmehr besonders auf das Leben nachdem die Schule verlassen worden, ankommt, und in diesem-erst die rechten Bedingungen wahrer Bildung und Entwicklung liegen, so dünkt uns das Resultat noch sehr problematisch und gegen die hervorgehobenen Mißstände unzulänglich. Vielmehr kann hieraus nur der nachdrücklichere Eifer entspringen, die jüdische Elementarschule von allen derartigen Unzukömmlichkeiten zu säubern und müssen die Lehrer um so mehr ihre Bestrebung dahin richten, bei ihren Schülern eine reine Aussprache und Ausdrucksweise und ein angemessenes Betragen zu erwirken. Ohne hiermit den Gegenstand erschöpft zu haben, werden diese Bemerkungen doch wohl eine gründliche Erwägung und Prüfung bei besonnenen Männern Hervorrufen, indem wir noch einmal hinzufügen, daß specielle und locale Gründe uns unbekannt sind. Pariser Briefe XII. Mieux vaut mourir ä honneur, qu’a honte vivre. Ein kleiner Spaziergang im jüdischen Viertel, denn ein solches haben wir auch hier, ist schuld daran, daß

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