Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1862)
- Date
- 1862-11-04
- Page
- Seite 639 (sequence 3)
- Language
- German
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m auch dessen Söhne als Feldherren und Priesters mit der Bundeslade in den Kampf ziehen. Um so zutreffender ist, es, daß alsbald noch neben Eli Samuel als Prophet auftritt, und,, wenn auch noch Jüngling, die Bereinigung jener beiden Gewalten in Eli bekämpft, und «deren Vererbung verneint. In Samuel selbst erkennen wir dagegen die Vereinigung der weltlichen und prophetischen Gewalt. Aber auch diese wurde verworfen, und Samuel selbst hat in seinem Alter die weltliche Macht auf einen König übertragen, während er nicht minder durch die Gründung von Prophetenschulen den Bestand der Prophetie sicherte, sie zu einem concreten Stande entwickelt, indem er sie zugleich zu einer eigentlichen Gelehrsamkeit ausbildet. Nicht zu übersehen ist dabei, daß Samuel den Uebergriff Saul's in die priesterlichen Rechte heftig rügt und bekämpft.*). Von da ab sehen wir denn auch ganz concret die weltliche Macht des Königs neben dem Priesterstande und den Propheten bestehen, welche letztere theils geschulte Jünger, theils frei begeisterte Männer waren/ Während wir daher nur einmal einem Eingriff der Priester in die weltliche Herrschaft bei dem Sturze der grausamen Athalja begegnen, sehen wir während des ganzen Bestandes des Königthums, selbst schon unter David, die Propheten die Verirrungen des Königs und seiner Großen, der Priester und des Volkes mit einer beispiellosen Energie bekämpfen, die höhere Politik Israels vertreten, die Gotteslehre und das Gesetz , im Bewußtsein erhalten und so Israel über den liefen Sturz, .dem es entgegen ging, hinüber retten. Während.des babylonischen Exils ruhete. selbstverständlich.die weltliche** ***)) und priesterliche Macht, während die Prophetie das Volk in die Verbannung begleitete, bei ihm , beharrte, und es in das Land der Väter zurückführte, wie wir am Iocheskel, an der Gestalt und Wirksamkeit des Daniel und am zweiten Jesajas sehen.*"-*) Sobald aber Jerusalem wieder restaurirt war, erscheinen die drei Gewalten wieder in ihrer Sonderung. Die weltliche Macht zuerst von Abkömmlingen des Davidischen Hauses repräsentirt, die Priester und Leviten schon *) 1 Sam. 13, 11. , ' **) Aus Iocheskel; 8, 1. ersieht man übrigens, daß die exilirten Juden in Babylonien Gemeinden bildeten, an deren Spitze „Aelteste" standen, sowie aus Kap. 34, das die letzteren ihre Stellung zur Bedrückung der . ihrer Obhut Anvertrauten mißbrauchten. ***) Der zweite Jesajas ist bekanntlich der Prophet, welcher die in. Kapp. 40—66 enthaltenen Reden versaßt hat. -;i *;■ an dem aüfgerichtewn Altar, bevot noch der Eempelöatt beendet war, in Function getreten, die Propheten in ihrer alten Wirksamkeit. Die' Letzteren gingen nun aber vollständigin einen Gelehrtenstand über, wie Vieser seine Concentration in der „großen Versammlung" und dann im Sanhedrin fand und in der genauen Kenntniß des Gesetzes und der «Traditionen und in der weiteren scharfsinnigen Auslegung und Entwickelung beruhete. Das'Sanhedrin gewann allerdings als höchster Gerichtshof auch einen bedeutenden weltlichen Einfluß, während diese an sich unter der Obherrschaft der Perser, Aegypter und Syrer nicht erheblich sein konnte. Eine stärkere Entfaltung erhielt sie aber wieder durch die makkabäischen Freiheitskriege, und trat Hierselbst wieder als Königthum*) auf, und zwar, da die Hasmonäer priesterlichen Geschlechtes waren, vereinigte « sich die Krone und der hohe priesterliche Kopfbundauf einein Haupte. Gerade dieser.Umstand aber fachte den furchtbarsten Bruderzwist in per Hasmonälschen Familie ander die Römer in das Land brachte, und die Kraft des Volkes schwächte. So ging unter der Römerherrschaft die weltliche Macht in die Hände der Fremden über, neben welchen, nur das Sanhedrin eine beschränkte Gewalt besaß, während das Priesterthum nur vegetirte, der Gelehrtenstand aber, der sich stets frisch aus allen Schichten des Volkes recrutirte, den wesentlichsten Einfluß auf dieses übte. Mit der: Zerstreuung der Juden in die Länder ging dennoch die alte« Institution der drei Gewalten nicht verloren, sondern blieb bis auf den heutigen Tag bestehen. Nachdem in-den «Patriarchen eine kurze Zeit der Glanz weltlichen Ansehens und die Wirksamkeit der jüdischen Intelligenz'vereinigt war, «in Babylonien aber zwischen dem weltlichen Oberhaupt der Juden dem Resch-Gluta und dem Gelehrtenstande oft bittere Kämpfe stattgefunden,' bildeten sich« in allen Ländern dieselben Normen für die Judengemeinden. Die weltlichen Vertreter und Verwalter waren die Vorsteher der Gemeinden, der Gelehrtenstand. bildete das Rabbinerthüm zw einer Art geistlichen Amtes, während die Priesterschaft, an sich ganz . bedeutungslos , doch sorgfältig in der Abstammung und in einem « Schatten von Function und Recht gewissenhaft erhalten wurde. Wir sagten eine Art geistlichen Amtes, da «dem Rabbinergewisse Functionen und Rechte beige- ‘ *) Mit Hintenansetzung der Rechte des Davidischen Geschlechts! 4b*