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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-04 · Heft 45 (4.11.1862) · p. Seite 638

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 45 (4.11.1862)
Date
1862-11-04
Page
Seite 638 (sequence 2)
Language
German
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..•rjj-- ... 3 ii i 3 if Königs. *) Für die priesterliche Gewalt wählte er den Stamm Levi an Stelle.der. eigentlich dazu bestimmten,. Erstgeborenen DsraeliteHda Mes^ nicht - als geeigrMbewiHrt haOn,**)Eund in %m dieWauntte^ Ahron mit einem Hohenpriester an der Spitze. Neben ' diesen beiden aber constatirte er die Prophetie***) als die von Gott berufene und begeisterte Intelligenz, für welche auch ^zukünftig dief'Träged jmb- Mrkzeuge^ nicht fehlen würden, f) Es lag "nun nicht in 'der Absicht und Ansicht Moses, die Obliegenheiten, Pflichten und Rechte dieser drei Gewalten sorgfältig durch genaue Gesetze, festzustellen, sie dadurch zu Linden, und der Lebensentwichelung des Volkes auf diese Weise unübersteigliche Hindernisse oder eine Ausartung in Kasten zu schaffen. Da er vielmehr das ganze eigentliche Leben Israels , in der Hin-, gebung an die Erkenntniß Gottes und an den Geist und die Bestimmungen des Gesetzes wußte, setzte er voraus, daß die drei Gewalten, sobald sie von jenen Momenten durchdrungen wären, die Einigung und den Frieden von selbst darin finden, bei etwaigem Abfalle aber von jenen in genauen und sorgfältig abgemessenen Abgrenzungen doch nur die Quellen, um so heftigerer Befeindung und Ausschreitung haben würden. Es genügte daher, diesen Gewalten neben einander Dasein zu geben, und ihr eigentliches Gebiet anzuweisen, die genauere Begrenzung *) 5 Mos. 17, 14 ff. **) Der Gedanke / die Erstgeborenen jeder Familie im Volke mit dem priesterlichen Charakter zu bekleiden und mit den priesterlichen Verrichtungen für die Familie zu betrauen, und sie damit zu Trägern der Gotteslehre und des Gesetzes zu machen, ist ein erhabener, mächtiger und von unermeßlicher Tragweite — aber er setzte voraus, daß das ganze Volk bereits von der Gotteslehre durchdrungen gewesen, daß die Hingebung an dieselbe schon in allen Stämmen .und Kreisen zu finden, . und darum stellte er sich bei der ersten Veranlassung — dem „goldenen Kalbe" — als unausführbar dar. Dennoch wurde wenigstens der Gedanke festgehalten, so daß die Erstgeborenen fortwährend als eigentlich Gottes gelöst werden sollten. ***) 5 Mos. 18, 15. , . . , - f) Wenn die weltliche Macht zur Monarchie führte, das Priesterthum einen aristokratischen Anstrich hatte, so blieb die Prophetie wesentlich demokratisch. Sie bewegte sich innerhalb des Volkes, ging stets aus demselben hervor, stützte sich auf dasselbe/ und vertrat dessen Interessen. Wünschte doch Moses,- daß das ganze Volk Propheten seien, und verkünden mehrmals die Propheten, daß dereinst der prophetische Geist sich über Alle ergießen werde. J s n re aber der zukünftigen Entwickelung zu überlassen. Die weltliche Gewalt schnürte er deshalb in keine fest^monarchrs^e/sEligarchische^oder demoAatische Verfassung, ein, sondevKbchrüubete nu^in sicherer Weise die aßjgemeijie« Principien der Gleichheit Aller, mit Vermeidung jeder Aristokratie und der persönlichen Freiheit, und unterstellte jene in allen religiösen Fragen und cultuellen I MgerhZiMDikKrüHen H>yeprophetischen Instanz. Z)en Priestern nahm er jede materielle Macht, indem er ihnen,, wie dem ganzen Stamme Levi, den Stammesantheil,, an Grund und Boden entzog, sie durch das Land zerstreute, ihnen nur kleine Mittelpunkte gewährte, sie in Rechtssachen in keinerlei Weife bevorzugte, sie von den Gaben des Volkes abhängig machte und dem geistigen Uebergewicht der Propheten unterwarf. Diese endlich stellte er nur als eine freie Bewegung des göttlichen Geistes hin, durch die Macht der Wahrheit und das Feuer des Enthusiasmus wirksam, frei an Motiven und mit freier Autorität, also nur mit geistiger Obherrschaft und ohne alle materielle Mittel, darum jedoch von großem Gegengewicht gegen jede selbstische Ueberhsbüng einer der beiden anderen Gewalten. Gerade dieses Verfahren . sicherte.. de^Hbstchte». h.eS Gesetzgebers den dauerndsten Bestand, ohne der Freiheit des Volkes zu nahe zu treten, und jene Despotie und Tyrannei hervorzurufen, die in den übrigen Völkern des Morgenlandes.'Knechtschaft und Erniedrigung, Verdumpfung und Verknöcherung der ^großen Masse geschaffen. Wenn Moses, wie es in der Natur'der Sache lag, wahrend der Züge durch die Wüste bis zu seinem Tode die weltliche Oberleitung und die Prophetie behielt, und nur die cultuellen Verrichtungen den Priestern überließ, so mußte dasselbe auch bei seinem Nachfolger Josua behufs der Eroberung des Landes stattfinden. 'Nach dessen Tode aber traten die drei gespaltenen Gewalten gesondert neben einander auf. Die weltliche Macht lag zuerst in den Händen der „Aeltesten" und ging dann, wie die Zeiten es tmt sich brachten, auf die einzelnen erstehenden „Richter" über.*) Die beiden anderen, sowohl die priesterliche als die prophetische,**) bestanden weiter, aber bei der Zerfahrenheit der Zustände und der Rohheit des Lebens nur in schwachen Maßen. Mit dem Richter Eli sehen wir den seltenen Fall eintreten, die weltliche und priesterliche Macht in einer Person vereinigt zu finden, wiedenn *) S. Nicht. 2, 7. 16. Ruth 1, 1. **) Vgl.- ö B. Nicht. 2, 1/17, 7. 10.

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