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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-10-28 · Heft 44 (28.10.1862) · p. Seite 623

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 44 (28.10.1862)
Date
1862-10-28
Page
Seite 623 (sequence 3)
Language
German
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die Gefahr vor, indem er als die nothwendige Folge die Aufstellung eines mächtigen Heeres mit Militäraristokratie und allen den Wirkungen gegen Verfassung und durch Steuerdruck klar und beredt schilderte (1 Schem.8, 11— 18.). So zählte denn auch David schon-das Volk aus militärischen Motiven, und Schelomeh besaß bereits eine Reiterei von 12,600 Mann. In ganz bestimmter und erkennbarer Weise organisirte aber Moscheh die Volksbewaffnung, und setzte das Volksheer als Gegensatz zu den großen stehenden Heeren Aegyptens und der asiatischen Dynastien ein. Durch das Gesetz wurde jeder Israelit vom 20sten Lebensjahre an kriegspflichtig, und dauerte je nach der Tüchtigkeit des Mannes die Kriegspflicht, igkeit, deren Endziel durch eine Zahl nicht angegeben wird. Zu diesem Zwecke waren die Stämme in Rotten von je 1000, diese von je 10050 und 10 Mann mit ihren Anführern getheilt, und darüber Listen geführt. Hieraus ging auch hervor, daß die Verwandten im Kampfe zusammenstanden. . Brach ein Krieg aus, .so wurde je nach dem Bedürfniß an Streitkräften eine gestimmte Zahl aus der Masse der Kriegspflichtigen von jedem. Stamme gestellt, wofür sich mehrere Beispiele in der Schrift finden. Nach Beendigung des Krieges wurden sie nach Vertheilung der Beute in ihre Heimath entlassen. Diese nationale Heeresverfaffung erhielt sich bis selbst in die spätere Zeit der Könige, wenn auch die vielfachen Kämpfe nothwendig machten, daß sich allmälig ein kleines stehendes Heer aus dem Bolksheere heraus entwickelte. Wir haben also allerdings auch in diesen wenigen Zügen eine scharfe Ausprägung der Principien. Dem Militärstaate und den abgesonderten großen stehenden Heeren gegenüber das staatliche Verfaffurrgsleben,. die allgemeine Wehrpflicht und das Volksheer als Princip, in der bestimmten Gestattung und mit vollem Bewußtsein der Conflicte und Schäden, welche aus dem ersteren fließen müssen. — Wer SaMspruch gegen Saruch Spinoza. Wir haben im „Jahrbuch für. die Geschichte der Juden und des Judenthums" Band H. S. 189 ff. eine Lebensskizze Spinoza's, des großen Begründers der neuern Philosophie, gegeben, und darin motivirend dargestellt, wie er sich den Satzungen! der Synagoge entfremdete, und deswegen der Bannfluch gegen ihn geschleudert wurde. Dieser wurde ihm schriftlich, zügefertigt, und er antwortete in einer spanisch geschriebenen Abhandlung/ Beide Aktenstücke sind bis jetzt unbekannt geblieben. Bor Kurzem gab I. van Bloten, wie wir bereits mitgetheilt, mehrere unedirte Fragmente Spinoza's heraus ) als ein Supplement zu dessen sämmtlichen Werkem*) Es sind dies ein Traktat „über Gott und den Menschen, ein Traktat über den Regenbogen", Briefe und Collectomeen zu seinem Leben. In der letzteren Abtheilung theilt der Herausgeber auch den Wortlaut des Bannfluches in spanischer Sprache und mit lateinischer Uebersetzung mit, und geben wir ihn als ein für die Zeit und die Person bezeichnendes Dvcument in deutscher Uebertragung hier wieder. Der Bann, welcher im Heiligthume am 6. des Monat Ab 5416 (1656) ausgesprochen ist , gegen Baruch de Espinoza. Die Herren vom geistlichen Rache theilen Euch mit, da sie schon lange Zeit, indem sie die schlechten Meinungen und Werke des Baruch de Espinoza erkannten, durch verschiedenartige Mittel und Versprechungen versucht haben, ihn von seinen schlechten Wegen abzubringen; da aber Nichts bei ihm genützt hat, sondern sie im Gegentheile täglich mehr seine, schrecklichen von ihm ausgeführten und gelehrten Ketzereien und die von Hm begangenen entsetzlichen Werke erkannten; und da sie viele glaubwürdige Zeugen über diese Sache hatten, die in der Gegenwart des genannten Espinoza Zeugniß ablegten und aüssagten, und von denen er überführt wurde; so haben sie, nach einer über alles dieses angestellten Prüfung, in der Gegenwart der Herren Ehachamim mit ihrer Zustimmungbeschlossen, den genannten Espinoza in' den Bann zu thun und vom Volke Israel zu trennen, indem sie ihn thatsächlich in den Bann thun, mit folgendem : Bannflüche : Nach dem. Urtheil der Engel und Heiligen bannen, sondern, verfluchen und.verwünschen wir Baruch de Espinoza, mit Einwilligung des Kirchenrathes und der Zu- < stimmung dieser ganzen heiligen Gemeinde, in Gegenwart der .heiligen Bücher und der in jenen enthaltenen 613 ' Gebote, mit dem Banne, mit welchem Josua Jericho bannte,. mit dein Fluche, mit dem Elifah den Knaben ' fluchte- .und mit allen den Flüchen, welche in dem Gesetzbuche verzeichnet find: verflucht sei er am Tage, und ' verflucht sei er bei Nacht; verflucht sei er im Schlafe, und verflucht sei er beim Aufstehen; verflucht sei er beim *) Ad Benedicti de Spinoza opera , qiiae supersunt omnia, supplementum. Afnstelbdami 1862. 44*

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