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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-10-28 · Heft 44 (28.10.1862) · p. Seite 622

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 44 (28.10.1862)
Date
1862-10-28
Page
Seite 622 (sequence 2)
Language
German
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die wir allerdings zum Theil aus der Hülle der speciellen Gesetze herauszuziehßn ^aben, eine Operation, ,welche^ die CglyMpMp -HrG-OuEDEhG MrHeutungen üud Schlußfolgerungen^ ^t genug potzahm^ Wir wissen uns dabei weit entfernt von jenem bormrten Pietismus, der den Buchstaben der Bibel als unumstößliches Gesetz hinstellt, und zur Beschönigung der' beschranktesten Vorurtheile unh niedrigsten Leidenschaften, mißbraucht. Um was es sich gegenwärtig, wie seit langer Zeit, auf dem europäischen Conünente handelt, das ist der Militärstaat und der Verfassungsstaat, der erstere gleichbedeutend mit dem Absolutismus und concret ausgesprochen in den großen stehenden Heeren, während der Ber-. fassungsstaat die bürgerliche Freiheit in gesetzlicher Ord-. nung enthalt, und aus der Volksbewaffnung oder dem Volksheere beruht. Diese Frage beschränkt sich nicht etwa gegenwärtig aus Preußen: sie ist dieselbe in Frankreich, Oesterreich und Rußland, sie ist dieselbe in Italien, wo sie nackt zwischen dem Papste, dem das große stehende Heer von Frankreich geliehen ist, verdeckt dem turiner Hofe einerseits und der italienischen Nation andererseits steht. Man verstehe uns hierbei nicht falsch. Dem Geiste unseres Blattes gemäß iss es uns um ein objectives Verständniß zu thun. Wir stellen uns bei den großen geschichtlichen Erscheinungen niemals ganz und gar auf eine Seite, um von hier aus das Verdammungsurtherl gegen die andere zu schleudern.-Die Inhaber der absoluten Macht, welche sich diese bewahren wollen, und hierzu den großen Apparat von Werkzeugen, den sie zu Gebote haben, benutzen, haben für sich eine gewisse Berechtigung auS ihrer aus der Geschichte erwachsenen Stellung. Um so weniger aber haben sie das Recht, die Verkünder und Träger der ihnen entgegenstehenden und entgegenwirkenden Grundsätze als Sünder und Verbrecher zu behandeln. Die großen stehenden Heere haben sich nicht blos in principieller, sondern auch in materieller Weise für die Völker lästig und endlich gefährlich bewiesen. Es ist dies immer der Gang der Vorsehung innerhalb der Menschenwelt, daß ein großes Princip zuerst ideal erscheint, theoretisch sich Bahn bricht, als Gedanke und geistiges Bedürfniß sich Geltung verschafft,, dann aber auch sich materiell fühlbar macht, bis die ideale und reale Nothwendigkeit sich untrennbar verschmolzen haben, und so . die Frucht am Baume des Lebens reif geworden. So lange ein großes stehendes Heer, in seinem Geiste und seiner Instituirnng vom Volt getrennt, besteht,' so lange kann von einer dauerhaften constitutionellen Verfassung, von den GarantieeA, welche sie der bürgerlichen Freiheit gewährt)^, nicht die RedEsein. Nicht blos F daß . jenes zu aller^Zeit-die, Waffe Hergiebt, um die Verfassung zu verletzen oder ganz niedeHüschlagen, wozu die Conflicte niemals ausbleiben, nicht blos, daß ein großes stehendes Heer ftüher oder später zu. Plänen der Einwirkung aus änder^ Staaten, zum Kriege führt > ja > nöthigt; sondern es wird schon an sich auf den Geist eines Theiles des Volkes so wirken, daß dieser von einem constitutionellen fteiheitllchen Staatsleben gar keinen Begriff hat, und so auch die oberen Werkzeuge nicht fehlen, um jenes zu stören öder zu zerstören. Das Beispiel hierfür giebt England, welches stets nur ein kleines stehendes Heer, das in der Masse des Volkes verschwindet, besaß, und . dessen militärische Hauptstärke glücklicherweise nur in der Marine besteht, die auf das Innere keinen Einfluß üben kann. Aber abseitens dessen ist die Erhaltung großer stehender Heere finanziell und nationalökonomisch eine sich immerfort steigernde Bürde, welcheden Ruin des Finanzwesens und eine immer fühlbarer werdende volkswirthschaftliche Beschädigung herbeiführt. Und. dies ist dann die Achillesferse, welche eine unheilbare Wunde für den gewaffneten, mit Schwert und Geschoß gerüsteten Mann empfängt. Die Frage liegt uns daher ganz nahe: wie sieht der Mosaismus diese Verhältnisse an? Und mit Recht sagen wir ganz nahe. Denn die großen Kriegerkasten in Aegypten und in Indien, die großen stehenden Heere in Persien und Syrien, die Legionen Roms brachten schon dasselbe Loos über die alte Welt und ihnen unterlag wiederholt, wenn auch mehreremal nach schwerem Kampfe, das kleine Judäa. Ja in diesem selbst ging diese ganze Frage über die Bühne, und brachte Jerusalem zü seinem ersten Falle. Es sind nur einfache Worte, welche uns aus der Thorah selbst hierüber entgegenklingen. Da Israel gestattet wird, nach der Entwicklung seines staatlichen Lebens einen König über sich zu setzen, da wird es als Bedingung aufgestellt: „Nur (p-i) mehre er sich Rosse nicht, und nicht führe er das Volk nach Aegypten zurück, um viele Rosse zu erwerben" (5 Mos. 17, 16.). Die Reiterei war aber vorzugsweise der Haupttheil der ägyptischen Heere, steht hier daher für Heer überhaupt, in: ihrer Erwerbung, liegt der Charakter des stehenden und abgesonderten Heeres, der nationalen Heerverfassung Israels gegenüber. Von dieser Seite her stellte dann auch Schemuel dem Volke, das einen König habew wollte,

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