Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1862)
- Date
- 1862-10-21
- Page
- Seite 611 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Euch seines Volkes ist — er ziehe Hinauf, so würden, wie früher unter Esrah, nur Wenige ihr liebgewordenes Vaterland verlassen, um auf'Gräbern und Trümmern sich ein neues Vaterland zu gründen. Welcher Nationalitätsstreit würde aber unter den aus den verschiedensten Ländern zusammengekommenen Einwanderern entstehen, zwischen dem aristokratischen Engländer und dem demokratischen Amerikaner, dem bedächtigen Deutschen und dem frivolen Franzosen? Und geben die Zerwürfnisse, der nur in gemeinsamen Elend zusammenlebenden Orientalen, Polen und Deutsche, die sich in Jerusalem als eine sephärdische-rüssische und deutsche Gemeinde constituirt haben, nicht ein trauriges Bild von einem jüdischen Staate, der aus so ungleichartigen Völksstämmen zusammengesetzt würde? Oder sollte etwa nur für unsere orientalischen Brüder, die noch in ihrem an Leidensgeschichten so reichen Mittelalter leben und in Folge ihrer Leiden auf messianische Zeiten hoffen, die Nationale Wiedergeburt erstrebt werden? Dann müßte aber, erst die Wiederbelebung von Innen heraus anfangen und sie zu abendländischer Cultur, zur Führung eines modernen Staatslebens erst herangebildet werden; daß dies aber erst mit der Umgestaltung des ganzen Orients möglich ist, lehrt unsere Geschichte; denn wir sind nie, unsere reinen Religionsbegriffe abgerechnet, an Wiffenschaft und Bildung unserer Zeit vorausgeeilt, wir standen immer nur auf der Culturstufe der Völker, unter denen wir lebten. Würde nun aber dieses Ziel auch erreicht werden, so wäre wiederum die Wechselwirkung, daß auch unsre orientalischen Brüder sich mit der abendländischen Cultur die abendländische Richtung und das moderne Geistesleben aneignen, und sie wie gegenwärtig die Juden in Algier ihre sehnsüchtigen Blicke nicht mehr nach Jerusalem und den Tempelräumen richten würden. Die Fragechingegen ob und wie ein jüdisches Staatsleben mit den Institutionen des Rabbinismus bestehen könne, können wir um so mehr auf sich beruhen lassen, da der Vers, selbst zugiebt, daß die starren Formen des orthodoxen Judenthums von Innen heraus naturgemäß zersprengt werden würden. Und in der That, wie der Rabbinismus Mittel und Wege fand für die handeltreibenden Juden, so manche mosaische Verbote umgehen zu können, wie z. B. das Zinsennehmen*) und. die Forter- *) ES ist bezeichnend für die Richtung der Neuorthodorie, daß sie zuweilen gegen das Haartragen der Frauen und sonstige Allotria Capueinerpredigten halten, aber noch: Hebung der Gelddarleihen nach dem Erlaßjahre, so wird er sicherlich ähnliche Mittel ersinnen, die den Ackerbautreibenden und dem modernen Staate hinderlichen Gesetzezu beseitigen. Wenn wir hier gegen das Nationalitätsprincip des Verf/s und seine Schlußfolgerungen aufgetreten sind, so wollen wir aber keineswegs verkennen, daß die in's Leben getretene Gesellschaft jüdische Ansiedlungen in Palästina zur Beförderung des'Ackerbaues und der Industrie zu gründen, ersprießlich und ausführbar sei; aber, einzig und allein als Mittel, um unfern orientalischen Brüdern, die in den verkümmerten Asiatischen und Berberftaaten allem Elend und Druck unterliegen, einen freien Zufluchtsort zu verschaffen und den alten Ansiedlern im heiligen Lande einen selbstständigen Wirkungskreis anzuweisen, damit sie nicht wie bisher im mönchischen Müßiggang vom Bettelbrod sich erhalten müssen. R. K. B o n n, den 2. October. Angekommen: Alterthumer der Prager Jofefstadt, israelitischer Friedhof, Alt-Neu- Schule und andere Synagogen. Mit vierzehn Abbildungen. Herausgegeben von David I. Podiebrad, Custos des alten israelitischen Friedhofs zu Prag. Verfaßt und zum Theile nach gesammelten Daten des Herausgebers bearbeitet von Benedikt Foges, Volksschul-Oberlehrer. Prag, 1862. (Wir werden Mehreres daraus mittheilen.) Premier avertissemeiit par Alexandre Weill. Paris, 1862. — Wörterbuch der deutschen Sprache von Dr°. Daniel Sanders. Leipzig, 1862. '22. Lief. (Reicht von Rappuse bis Reisen.) Das Parlament der Volksgetränke. Nachklänge zum ersten deutschen Nationalfchützenseste von Dr. Leopold Stein. Frankfurt a/M., 1862. — Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft B. XVI. Heft 4. Leipzig, 1862. Uns interessiren in diesem Hefte einige'Aufsätze von Geiger: Neuere Miltheilungen über die Samaritaner; der Baal in den hebräischen Eigennamen; der roVri, Bartholomäus, Ptolemaus; dann von R e d s l o b über die Namen DamaSk und Damast. — Jüdische Klänge, Gedichte von Bernhard Löwenstein, Rabbiner zu Bütschowitz, Brünn, 1862. — Gruß an die Naturforscher und Aerzte von L. A. Frankl. Carlsbad, 1862. — Habsburg's Zukunft, Predigt am Geburtstage des Kaisers, von vr. G. niemals gegen die Uebertretüng dieses Verbotes ihre Stimme'erhoben hat.