Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1862)
- Date
- 1862-10-21
- Page
- Seite 609 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m des Papstes ist, vom 25, September d. I. und lese den Artikel, überfchrieben ,,1a polilique anglaise en Italien undgezeichnet I. Cohen; daselbst behauptet Hr. Cohen, daß die' Einheit Italiens nur eine Mazzinistische Idee ist, daß England Rom für-Italien haben und den Katholicismüs Zu Gründe richten wolle, daher es die Politik Frankreichs wäre,-Rom immer für den Papst zu behalten; dies in Kürze die Essenz des Artikels. Es ist meine Sache nicht, die Anhaltbarkeil dieser Ideen zu beweisen, und ist Ihr geehrtes Blatt auch nicht für politische Streitigkeiten geeignet; was ein Jude über hierarchische Regierung denkt oder wenigstens denken soll, ist allbekannt. Wenn nicht einige Orthodoxen, die mit der Gleichstellung der Juden unzufrieden, lieber traditionell das mP verziehen/ eine Regierung, die Kinderraub fördert, nicht wegwünschen und lieber ein Ghetto sehen, wo man einen anlegen kann, wird es, glaub' ich, wenigegeben, die nicht den re galantuomo schon gerne im Capitol sehen möchten. Wenn aber H. Cohen glaubt, daß es Frankreichs Vortheil ist, Rom nicht äufzugeben, so ist ihm dies als Franzosen verzeihlich; daß er aber in einem spätern Aufsätze das Judenthum erschüttert sieht, wenn die weltliche Macht des Papstes aufhört, dagegen müssen wir alle protefiiren. Die Zeitung!e lemps, redigirt von dem geistreichen und liberalen H. Nefftzer,/bemerkte den Abend nach dem Erscheinen des päpstlich-cohnischeu Artikels, daß die France fast täglich einen Widerspruch zu Tage fördert; manchmal wären dieselben ernsthaft, diesmal war der Widerspruch sehr spaßig; „ein Mitglied des jüdischen Consistoriums und der Verfasser dev Dci'cides vertheidigt die weltliche Macht des Papstes." Hierauf antwortet Herr Cohen in der No: vom 30. September mit einem langen Briefe, sehr schön und geistreich geschrieben für Jedermann, der nicht zum Judenthume gehört. Bevor wir etwas weniges über diesen Brief sprechen; will ich nur beiläufig bemerken, daß der erste Aufsatz des H. Cohen gerade am ersten Tage i-."n erschienen; während die Eltern des kleinen Mortara bittere Thränen in der Synagoge über den Raub ihres Kindes vergossen, während der kleine Mortara wahrscheinlich selbst inbrünstig um seine baldige Befreiung betete, während H. Cohen auf der Consistorialbank in der Synagoge das jüdische Conststorium repräsentirte, und während man in der Veril.6 eine moralische Anrede vom Redacteur I. CoheN unter den französischen Juden verbreitete/ las man m den Lesecabinetm und Kaffeehäusern die eifrige Philippica für die weltliche Macht des Papstes von I.' Cohen. Piele werden über die Identität dieser beiden Namen erstaunt gewesen sein, und mancher wird an ■prp'p nna gedacht haben. Welcher krasse Widerspruch! das heißt einen wirklich zu seinem Vergnügen difsentiren! H. Cohen hat aber das Sprichwort: Chia bella posla alterca, la veritü non cereä vergessen. — Um nun auf die Antwort des H. Cohen zurückzukoünnen, müssen wir vorausschicken, daß Guizot, der Präsentant ist, ebenfalls eine starke Brochure zu Gunsten der weltlichen Macht des Papstes geschrieben. Darauf gestützt, sagt H. Cohen, es wäre Zeit, daß man in der politischen Polemik nicht Religionsbekenntnisse mengen sollte, da Guizot ebenfalls den Papst vertheidigt hat. .H, Cohen vergißt aber, daß Guizot nie eine veriuS proiestante rcbigixte, und auch nie gegen die Gottheit der Stifterer der christlichen Religion geschrieben. Es ist sicher, daß es nie der lemps oder andern liberalen Blättern eingefallen wäre, in dem Journalisten den Juden anzugreifen, wenn dieser nicht mit sich selbst im Widerspruche wäre.. Ein Sprichwort sagt: Chi col fuoco i fa star 1-acqua per forza, fa che o .questa svapora; o quel si srnorza. Hören Sie, wie sehr der Katholicismüs unserem Redacteur der Veritö israMe, am Herzen gewachsen ist; ich will nur die eine Stelle aus diesem langen Briefe geben, „Tausende meiner katholischen Mitbürger erschrecken über den Gedanken, daß das Oberhaupt der Kirche gezwungen sein könnte, die ewige Stadt, zu verlassen, und mit dem Pilgerstabe in der Hand unter der modernen Gesellschaft hereinzuwandern." (Könnte nicht schaden; das Oberhaupt würde etwas von.der modernen Gesellschaft lernen.).... „Die Revolution von 93 wie auch Luther wollten; dem Katholicismüs den Gnadenstoß geben. Ja, die katholische Religion und vielleicht das ganze Christenthum ist in Gefahr bei der italienischen Krisis; und ich begreife .die Gemüthsbewegung aller aufrichtigen Katholiken bei -diesen schrecklichen Ereignissen." „Nun> wenn die Revolution-den Sieg davon trägt,. so giebt es keine Sicherheit, mehrfür irgend eine Religion. Nachdem der Katholicismüs besiegt sein wird, kommt das Judenthum daran, der Protestantismus selbst wird angegriffen werden, und die Göttin Vernunft' wird unter Todesstrafe Allen ausgedrungen werden." (Wenn der Papst nicht römischer König, ist das Judenthum in Gefahr! Wenn das Aufhören von Mortara-Geschichten und des Ghetto dem Judenthume gefährlich wird, hat das Mitglied des jüdischen Consistoriums , Recht.) H: Cohen ist zwar gnädig genug zu sagen, daß