Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1862)
- Date
- 1862-10-21
- Page
- Seite 608 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Gewissensfreiheit untergehen, und man müsse blind' sein, um dies nicht zu sehen. Mit dem Untergang der päpstlichen Herrschaft würde eine Aeta der fürchterlichsten moralischen und socialen Unordnung hereinbrechen und der Erdball mit Blut überschwemmt werden. Und nach diesen Schreckbildern versichert Herr C., er glaube „an den göttlichen Fortschritt der Civilisation und der moralischen Ideen, an die Entwicklung der Principien der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und allgemeinen Duldung." Wie sich ein solcher Glaube mit all' den Schrecknissen vereinigt, dir er an den Abzug des Papstes aus Rom knüpft, läßt Herr C. freilich in Ungewißheit. Die göttliche Vorsehung, von der er so viel spricht, erscheint ihm ohnmächtig ohne die von französischen Bajonnetten aufrecht erhaltene Staatsgewalt des Papstes. Diese göttliche Vorsehung ist so arm an Hülfsmitteln, daß ihr ganzes mühsames Werk der Jahrtausende zusammenbricht und in Blut ersäuft, wenn der Papst nicht mehr in Rom gebietet. Jedermann weiß es ja, daß die Entwicklung der Freiheit, Brüderlichkeit und Toleranz an das Staatszep- 1er des Papstes gebunden ist, und wer es nicht weiß, der kann es von Herrn Cohen in Paris erfahren. Also nun wissen wir, woher Herrn C.'s Eifer! Das Judenthum geht zu Grunde, wenn der Papst nicht in Rom regiert. Freilich existirte das Judenthum Jahrtausende vor den Päpsten, freilich besteht es in den Ländern des Islams, des Buddhaismus, des Lamaismus und selbst des Fetischismus, das genirt aber Herrn C. nicht in seiner angstvollen Besorgniß. Wir wurden hinzufügen, freilich florirt das Jüdenthum in allen protestantischen Landern beider Erdhälften, aber Herr Qu steht ja ohne den Kirchenstaat den ganzen Protestantismus zerfallen; und wenn chie Thorah> die Propheten und der Talmud dem Judenthume eine ewige Dauer zuschreiben, so haben diese heiligen Schriften das Geheimniß des Herrn C. entweder gar nicht gewußt, oder es. diesem eifervollen Juden Vorbehalten, es an's Licht zu ziehen. Schade, daß noch kein Papst gewußt hatdaß seine Staatsregierung die Stütze des Judenthums und. des Protestantismus sei, sondern daß alle Päpste vermeinten, diese müßten vor ihrer Herrschaft verschwinden. Wenn nun Herr C. vor das Christenthum tritt und ihm zuruft, daß Christenthum, Katholicismus, Papstthum und Kirchenstaat ein und dasselbe seien, und nur durch den letzteren exiftirten, mit ihm fallen würden, so dürfte er es nicht übel nehmen, wenn ihm geantwortet würde: Schweig, Jude, das verstehst du nicht! Zahllose Katholiken haben es ausgesprochen, daßdas Papstthum erst recht selbstständig und religiös weisevoll sein würde ohne den Kirchenstaat- und daß ein von französischen Soldaten geschützter Regent erst recht unfrei sei, aber Herr C. weiß es besser,' und schimpft seine Gegner Revolutionäre. Millionen von Christen haben behauptet und selbst mit ihrem Blute besiegelt, daß das Christenthum, das mindestens ein halbes Jahrtausend vor dem Aufkommen der Päpste existirte, mit dem Papsithum nicht identisch sei, aber Herr <£. weiß es besser, und schimpft seine Gegner Revolutionäre. Ihm ist Luther der Vater der Revolution und die Reformation die volle Revolution, durch welche er also die göttliche Vorsehung schon halb entthront sieht. Doch genug von der Capucinade des Herrn Cohen ii? Paris. Wir hätten uns in der Thal nicht so lange damit beschäftigt, wenn er nicht in seiner Eigenschaft als Jude dabei in den Vordergrund getreten und sogar die Existenz des Judenthums zu Hülfe gerufen hätte. Wir wollen wünschen, daß er seinen Fehlgriff einsehe und sich nicht noch weiter in die Ärrgänge einer trügerischen Sophistik verliere. Pariser Briefe. -^mi Ü6 t0U8, mni cke ptzr80NN6. Mit diesem Spruche erlaube ich mir Ihnen einen Fall vorzuführen, der das passendste Seitenstück zu Ihrer treffenden Bemerkung im Volksblatte No. 39 bilden kann. Bei Gelegenheit der Verleihung eines Ordens von päpstlicher Seite einem Israeliten, der in Diensten des römischen Stuhls war, sagten Sie,- esist nicht so befremdend, daß der Papst einen Juden decörirt, als daß. ein Jude für den Papst das Schwert zog; wir haben hier einen andern Juden, der seine Feder dem Papste geliehen und die geistige Waffe dem römischen Stuhle angeboten. Wer der päpstlich e Soldat ist, weiß Ich-nicht; Wer der p ä p st - li che Journalist, kann ich Ihnen mittheilen. Es ist nichts weniger als ein Cohen, >und der sich nicht wenig zu Gute darauf thut, dem Stamme Ahrons entsprössen zu sein; er ist Mitglied des \ ü d i s che n Cönsistoriums' in Paris; er ist der Redacteur en Chef der Verite Tsraßlite; er ist der Verfasser des Buches Les Deicidos, welches dem Katholicismus nicht geringe Stöße verursacht hat!! Und was und wo hat denn der gute Mann für den Papst geschrieben? Man nehme zur Hand die Zeitung Ia Kranes, welches das Organ für die Aufrechthaltung der weltlichen