Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1862)
- Date
- 1862-10-14
- Page
- Seite 599 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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599;, Zu Tit. 21. (Zuschusse zu Gymnasien. und Realschulen) hat -die Commission folgenden Antrag gestellt: T)aS Haus', wolle. beschließen,. die - Staatsregierung aufzufordern, im Hinblick auf Art 21. und 24. der Verfassung, soweit nicht die Satzungen specieller Stiftungen entgegen stehen, den confessionellen Charakter der höhern Unterrichtsanstalten unter steter Pflege des konfessionellen Religions- und theologischen Unterrichts zu beseitigen." — Abg. Schulz (Borken) gegendiesen Antrag, weil derselbe weder genügend, vorberathen noch correct genug gefaßt sei. Bei der Berathung des Budgets hätte nicht an einen so weit greifenden Antrag gedacht werden sollen. Wäre der Antrag als selbstständiger Antrag eingebracht worden, so würde niemand daran gedacht haben, ihn der Budgetcommission zu überweisen; es .fehle bei demselben, jeder Zusammenhang mit dem Budget und eine genügende und gründliche. Berathung desselben wäre in der.Commission gar nicht möglich gewesen, denn die Staatsregierung, die von einem solchen Anträge keine Ahnung gehabt, hätte barüBer tit^t bartegen; können. Wäre dies geschehen» .so würde, die Commission wahrscheinlich zu einem -andern Beschlüsse-gekommen sein. Der Antrag sei aber, auch nicht gerechtfertigt. Wie man aus der Verfassung eine Folgerung auf den confessionellen Charakter der Lehranstalten ziehen könne, sei ihm völlig unbegreiflich. Die Entscheidung hierüber könne nur in dem verheißenen Unterrichtsgesetze getroffen werden^ Durch eine Vermischung des confessionellen Charakters werde man keine toleranten.Schüler erziehen; diese würden gleichgültig werden gegen ihre Confession und nm durch ihre Gleichgültigkeit tolerant erscheinen. Die Schulen hätten.die. Aufgabe, gM Menschen zu erziehen, und dies könne von-der religiösen Erziehung nicht getrennt werden. Durch den Commisstonsantrag würde man den Schülern den besten Halt ihrer Sittlichkeit und ihres religiösen.Glaubens rauben. Die Commission habe keine Veranlassung zu ihrem Anträge; Klagen über den confessionellen Charakter der Lehranstalten seien noch nicht laut geworden. Er bitte deshalb die Entscheidung über diese Frage bis zur Berathung des Unterrichtsgesetzes auszusetzen. — u - (Schluß folgt.) - Frankreich. Paris, 24. September,. (Privatmitth.) -Die vielen Freunde, und Verehrer des; Herrn Senior Sachs in Paris , wird es freuen, zu erfahren, daß nach den Pariser Zeitungen .unter den vor Kurzem ausgezeichneten und Preisen gekrönten Alumnen der Lycees ganz besonders auch der Sohn des genannten Gelehrten, Namens Benjamin,:hervorgehoben ist. —. Die „K. Z." läßt, sich von hier aus schreiben: „Unter den Redactoren der »,France" befindet sich auch ein Herr Cohen, Mitglieddes israelitischen Consistoriums von Paris,, also ein Jude. Derselbe ist ein eifriger Gegner der Einheit Italiens, da sie ein französisches Interesse und die Bedingungen der. religiösen Unabhängigkeit des Katholicismus verletze. Die „France" widmet.demselben einen Artikel, um zu: beweisen, daß sie eine; gute Sache, vertheidige, da: selbst ein Jude dafür einstehe. Die Beweisführung der „France" will natürlich Nichts sagen, und gehört in das - Reich der Phrasen, welchem dieses Blatt so vielen Tribut zollt. Der Umstand beweist Nichts weiter, als was die ganze Welt schon wissen könnte, daß nämlich in unserer Zeit Juden in den Reihen aller Kämpfenden zu finden, woraus denn die Schlußfolgerung lauten sollte — was aber in der Regel nicht geschieht — daß die Juden auch auf dem politischen Gebiete keine Solidarität für einander haben. Wenn ein Jude (Benjamin) Kriegsminister der amerikanischen Südstaaten, d. i. der Sklavenstaaten, ein anderer (Rosenkranz) einer ihrer besten Generäle ist; wenn , vor Kurzem ein Jude in Berlin die päpstliche Medaille als früher päpstlicher Soldat zugeschickt erhalten hat, so kann auch ein anderer Jude für den Papst die Feder führen. Eine andere Frage ist es aber, ob diese Herren dabei im wahren- Geiste des Judenthums handeln, und sich von diesem in ihrem Thun und Treiben beherrschen lassen. Daß ein französischer Jude von politischem Standpunkte aus die Einheit und Erkräftigung Italiens als seinem Vaterlande nachtheilig ansehen und sie daher bekämpfen kann, ist eine schr natürliche Sache; daß aber ein Jude die weltliche Herrschaft des Papstes, welche selbst nach der Meinung von Millionen Katholiken mit der Unabhängigkeit der kacholischen Kirche durchaus nicht identisch, wohl aber mit Gewalt : und Willkürherrfchast, mit Priesterverwaltung und Inquisition gleichbedeutend ist, eine Herrschaft, unter welcher 5000 Juden im 42