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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-10-14 · Heft 42 (14.10.1862) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 42 (14.10.1862)
Date
1862-10-14
Page
Seite 598 (sequence 8)
Language
German
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SY8 ' Daß^ die Hälfte der Stadtverordneten -jüdischen Glaubens ist, ist' wohl nicht so unnatürlich, wenn man die Wirtschaft. hier vor 1848 und ferner.berücksichtigt, daß die Juden hier mehr als die Hälfte der Communal-Steuern bezahlen. Daß die jüdischen Stadtverordneten indeß keinen üblen Gebrauch von ihrer Majorität machen, geht daraus hervor, daß einer ihrer ersten Beschlüsse darin bestand, fortan nur richtige Haushaltsetats zu .genehmigen, was . leider bisher nicht der Fall gewesen. Nun zur Bürgermeisterwahl.' Dieselbe sollte bekanntlich schon am 22. v. Mts. stattfinden, wurde indeß durch das tumultuarische Benehmen einiger Stadtverordneten, von . welchen einer den ungesetzlichen Antrag auf Eröffnung der Sitzung durch den Magistrat gestellt, unterbrochen, so daß die zu diesem Behufe anberaumte Sitzung aufgehoben werden mußte. Während nun der Stadtverordnetenvor-- steher an demselben Tage dem Herrn Kreis-Landrath anzeigte, die Wahl sei durch die bekannten Scandalmacher gestört, daß sie deshalb am nächsten Mittwoch stattfinden werde und gleichzeitig um polizeiliche Hülfe bat, setzten zwei Stadtverordnete auf der Straße vor der lieben Straßenjugend ihr im, Sitzungslocal begonnenes tumultuarisches Benehmen fort, und der eine Stadtverordnete, welcher in diesem Jahre Commandeur der Schützengilde ist, drohte bei dieser Gelelegenheit öffentlich mit Antreten der Schützen und Todtschießen der Judenhunde. Diese Drohung und nicht die Bürgermeisterwahl hat den Austritt der jüdischen Schützen zur Folge gehabt. Erst einen Tag, nachdem dem Landrath von Anberaumung der Sitzung Kenntniß gegeben, verreiste der christliche Stadtverordnete; es ist also auch unwahr, dem Vorsteher sei vor Anberaumung der Sitzung bekannt gewesen, ein christlicher Stadtverordneter sei verreist. Die Versicherung, daß unter den Bewerbern tüchtigere Männer als der Gewählte sich befanden, von solchen Stadtverordneten zn aeceptiren, welche es nicht verschmähen, in Begleitung der lieben. Straßenjugend und Stadttrommel öffentlich Scandal zu machen, scheint nicht gerathen zu sein. Die letzte Unwahrheit des Einsenders ist die: der Gewählte besorge unter Aufsicht und Verantwortlichkeit des Dr. Kuhnt und nicht in Gemeinschaft mit demselben die Magistratsgeschäste. .Es ist hier kein Geheimniß und dem Einsender wohlhekannt, daß einen Tag nach dem-Tode des früheren Bürgermeisters Magistrat und Stadtverordnete die;.Vertretung des Bürgermeisters dem Rathmann Chon allein übertrugen und daß dieses der Kreislandrach einer an ihn. gesandten Deputation gegenüber, weil Chon ein 'Jude ist,' nicht genehmigen wollte. Nur hierdurch veranlaßt unterschreibt auch der Beigeordnete Dr. Kuhnt die von Cohn erlassenen Verfügungen, und das nennt der unbefangene Berichterstatter Aufsicht und Controlle. . Daß der Gewählte; einem Examen .sich wird, unterwerfen müssen, war demselben vor der Wahl von dem Herrn Kreis-Landrath bereits mitgetheitt, daß aber von vornherein keine. Aussicht auf Bestätigung einesÄudeuvorhanden war, geht daraus, hervor, daß nicht einmal die Vertretung einem Juden anvertraut werden sollte. In welchem Grade der Gewählte das . Vertrauen der hiesigen Bewohner besitzt,'wird dem Einander durch die wenigen Unterschriften, welche unter der Petitiost gegen die Bestätigung zu erlangen waren, hinlänglich' bekannt sein.; ' Zum Schluffe erlaube ich mir noch einen'früheren Bericht von hier; den Christen, oder den.hiesigen Vertretern sei eine jüdische Katzenmusik gebracht, für unwahr zu‘ erklären. Ist mit dieser Katzenmusik' der' Straßenlärm am 23. v. M. gemeint, , so hat er'von demselben- Christen hergerührt, welcher Tags zuvor die zwei Stadtverordneten bei Trommelschlag an ihre Bürgerpflichten errinnert hat. D. B. Kochern a. d. Mosel, 28. 'September. (Privatmitth.) Bei der Offenheit, mit welcher Herr Oberrab. Kahn seine Ansichten in Nr. 40 d. Bl. aus einander setzt, wird es in seinem Sinne sein, wenn wir bemerken, daß er auch factisch dieselben zu verwirklichen sucht. So bemühte er sich, die öffentliche Elementarschule der Jsraelitengemeinde zu Offenbach a. d.' Glan, allerdings vergeblich, zu einer Privatschule' umzuwandeln; hingegen-gelang es ihm, die Bildung einer öffentlichen Schule für die israelitische Gemeinde in Hottenbach zu vereiteln.. . Berlin, 1. October. Haus der Abgeordneten vom 30. September. Verhandlungen über den Etat des Ministeriums der,geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten. .! .!; -

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