Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1862)
- Date
- 1862-10-14
- Page
- Seite 597 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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597 etatsmäßige Lehrerstelle dem Dr. Jutroshnski zu übertragen und die Beschwerde wegen dessen noch immer verweigerten definitiven Anstellung beim Hause der Abgeordneten zu erneuern. Wie in Gollub seit zwei Wochen, so fungirt in Lobsens seit zwei Monaten ein jüdischer Bürgermeister, und zwar in der Person eines Herrn Nathansohn, welcher vorher schon durch einige Jahre den Bürgermeisterposten vertretungsweise verwaltet hatte. Nach einer neuen Verordnung der Warschauer Regierung ist es den Juden in Posen gestattet, Kroygüter (Domainen) zu taufen und Stempel-Distributionen zu übernehmen. — Den neuesten statistischen Nachrichten zufolge, befinden sich unter den kaum 10 Millionen Einwohnern ^ber 9 polnischen Gouvernements des Czaarenreichs 1^2 Millionen Juden. ’ Frankfurt a. d. Q, 28. September. (Privatmitth.) In Betreff des hiesigen „Colonisations -Vereins für Palästina" vergeht kein Tag, an welchem nicht neue Beiträge resp. Beitrittserklärungen — theils von Gemeinden, theils von Privaten — bei dem hiesigen General-Comitö einlausen. Seitens des letztere wird nächstens deb erste Rechenschaftsbericht; veröffentlicht werden. — Als neue Vereins-Mtglieder. von besonderer Bedeutung sind zu nennen: Herr Dr. N. Adler, Oberrabbiner zu London; Herr Dr. Schwarz, Rabbiner zu Cöln; HerrM. Heß; Herr, Dr. Moritz R a h m e r, Rabbiner zu Thorn; Herr Michael Lev h zu Jnowraclaw. Wie wir hören, so beabsichtigt Herr Rabbiner-Dr. Rahm er das von H. Kalischer in Thorn verfaßte Werkchen welches den Colonisationszwecken gewidmet ist und in diesen Blättern bereits besprochen wurde, ins Deutsche zu übertragen. Der berühmte Gelehrte Herr I. Finn in Wilna ist bemüht, von der russischen Regierung die Erlaubniß zu Sammlungen für unfern Verein zu erwirken. In Wien wird nächstens schon mit den Sammlungen begonnen werden. In der großen russischen Gemeinde Kowno interessirt sich der hochangesehene Rabbiner so sehr für die Sache, daß er die Einrichtung getroffen, cs solle jeder jüdische Hauseigenthümer 1 Procent des Miethertrages zum Col. - Verein abgeben. (Kann der Herr das' so verordnen?! Redact.) W. Königsbergin Pt:/1. Oktober. (Privatmitth.) Um dem' sich immerMehr erweiternden Bedürfnisse nach einem befriedigenden' Religionsunterrichte zu genügen, hat die hiesige Gemeinde'einen zweiten Prediger und Religionslehrer in der Person des Herrn Dr. Wolffberg, bisjetzt in Stettin, angestellt und predigte derselbe bereits an den verflossenen beiden Festtagen. Gollub, 30. Septembers ^Privatmitth.) Ueber die hiesigo'Bürgermeisterwähl sind in die öffentlichen Matter viele falsche, ja lügenhafte Berichte gekommen. Indem ' wir uns Vorbehalten , über die' Entscheidung der Regierung und event. der höheren Instanzen Ihnen seiner Zeit'Bericht zu geben, möge eine Erwiderung, die wir verschiedenen Provinzialblättern hatten zugehen lasten , einen Raum in der A. Z. d. I. erhalten, da sie geeignet' ist; einen rechten Einblick in die hiesigen Verhältnisse Mgewähren. Allerdings befinden sich die hiesigen Juden seit Jahren in die unangenehme Nothwendigkeit versetzt, soweit wie möglich die städtischen Aemter durch ihre Glaubensgenossen zu besetzen und zwar weil es im guten Gedächtniß derselben noch ist, in welcher Art vor dem Jahre 1848 — bis wohin kein Jude bei der städtischen Verwaltung war — der Holz- und später der hiesige Wäldverkäuf stattgefunden, — daß trotz dieser Verkäufe die Juden bei Uebernahme ihrer Aemter 'eine Schuldenlast von über 10,000 Thlr. und eine jährliche Communalsteüer, welche den dreijährigen Klassensteuersatz erreicht hat, angetroffen, dagegen in der kurzen Zeit, seit sie bei der Verwaltung sind, von der Schuld mehrere Tausend Thaler getilgt, mehrere Tausend Thaler züm Bau einer Brücke reservirt und die Kommunalsteuer bis auf beinahe die Hälfte ermäßigt haben, obgleich gegen 1848 die hiesige Bewohnerzahl sich um beinahe 150/0 vermindert und für die Schulen jetzt etwa 1000 Thlr. mehr ausgegeben wird. Daß die Juden bei den Wahlen bald mit den Polen und bald mit den Deutschen liebäugeln, ist eine lügenhafte Behauptung in jenem „-Eingesandt". Die Juden haben als Deutsche stets mit den Deutschen gestimmt, was aus allen seit 1848 hier stattgefundenen Wahlen hervorgeht, dagegen haben es die vier protestantischen Stadtverordneten für eine Ehrensache gehalten, wiederholt den Versuch zu machen, sich mit den polnischen Stadtverordneten gegen die Wahl eines Juden zu verständigen.'