Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1862)
- Date
- 1862-10-07
- Page
- Seite 587 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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58? es ihren Kindern zu ermöglichen, arbeitsame und nützliche Menschen, zu werden. . In ihrer ersten - Sitzung hat die Commission folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Jede Gemeinde in den beiden Rheindepartements soll den Unterhalt ihrer Armen, der umherwandernden und der nicht umherwandernden, auf sich nehmen; 2) jede Gemeinde soll erklären, welche Opfer sie sich auflegen will, um zu dem großen Werke der Verrichtung der Bettelei beizutragen-, 3) die Vereinigung dieser Opfer soll eine Centralkaffe bilden, welche zur Unterstützung der Gemeinden gestimmt ist, die zu schwach sind, die Unterhaltungskosten ihrer Armen selbst ganz und gar erschwingen zu können. Wir hoffen von ganzem Herzen, daß diese so nützliche Unternehmung mit Erfolg gekrönt sein wird; die Bettelei war bis jetzt die Klage und Schande der israelitischen Elsässer; nicht zum ersten Male versucht man es, sie zu entfernen. Schon vor dreißig Jahren wurde Aehnliches angestrebt; wenn die Folgen den Erwartungen nicht entsprochen haben, so wissen wir doch, daß auch damals wenigstens theilweise Erfolge erzielt worden sind; der Mängel an Beharrlichkeit allein verhinderte die Vollendung des Werkes. Wir hoffen, daß die Consistorialverwaltungen des Ostens in ihrer Hingebung an die Interessen ihrer Glaubensgenossen dieses Mal ein Werk bis an's Ende zu führen wissen werden, das so nothwendig und dazu jetzt unter den glüÄLchsten Verhältnissen unternommen ist. Vor dreißig Jahren freilich scheiterten die Anstrengungen der elsäsflschen Consistoricn an der ununterbrochenen Einwanderung von armen herumwandernden Deutschen, Polen und Russen, die Intoleranz und Verfolgung aus ihrem Vaterlande vertrieb, und, welche ein besseres Schicksal unter den hochherzigen und gastfreundlichen Gesetzen Frankreichs suchten. Diese Einwanderung ist'mit den Ursachen, die sie bewirkten, verschwunden. Andererseits hat sich auch die Moralität der ärmeren Israeliten im Elsaß seit dieser Zeit gehoben, besonders haben ausgezeichnete Elementarschulen und die Schöpfung der Arbeitsschulen in Straßburg und Mühlhausen, dazu beigetragen; es würde also heutzutage leichter sein, die bezweckten Maßregeln in's Werk zu setzen. Die Sache wird ihre Schwierigkeiten . Haben; denn die Armuth ist groß unter den elsässer Juden; eine Präfecturaluntersuchung hat ergeben, daß im . Departement Bas-Rhin es (verhaltnißmäßig?) mehr.Arme unter den Israeliten als unter den Christen bei der Consesstonen im Departement gäbe. Aberwirhaben Vertrauen in den Eifer und die Hingebung der Männer, die dieses schöne Werk unternommen haben; .es ist ihrer uneigennützigen und verdienstlichen Anstrengungen werth; der Erfolg wird gewiß ihre Mühen belohnen." — (Wir erinnern unsere Leser an unseren Leitartikel' in Nr. 39, in welchen wir die Beseitigung der Bettelei in ganz ähnlicher Weise, wie sie im Elsaß jetzt angestrebt werden soll, als einen der Zielpunkte für Provinzialverbände israelitischer Gemeinden aufstettten, und es ist gewiß ein Zeichen für das Bedürfnis daß die französischen Consistorien und wir, unabhängig von einander, zu gleicher Zeit dieses Projekt behandelten. Möge es auch zur That werden! Die Redaction.) * Belgien. Brüssel, 21. September (Privatmitth.) Erlauben Sie mir, an Jhte Bemerkung in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes, betreffend den jüdischen Bürgermeister in Lacken, anknüpfend, Hiermit rnitzutheilen, daß außerdem noch viele unserer Glaubensgenossen hier sehr ehrenvolle Posten bekleiden. Ich glaube Ihre verehrten Leser zu interessiren, wenn ich folgende Namen erwähne: Die Herren Bischoffsheim, Senator, wie Sie unlängst meldeten: Stadtrath von Brüssel, dabei einer der Direktoren der National-Bank und eine der ersten Finanzcapacitäten; Herr Joseph Oppenheim, Banquier, Provinzial-Rath von Brabant, Direktor einer Eisenbahngesellschaft, Mitglied des israelitischen Consistoriums; dessen Schwiegersohn, Herr Errera, Gmeral-Consul des Königs von Italien, und Sohn des verewigten Abraham Errera aus Venedig, dessen' Biographie Sie im „Volksblatte".mittgeheilt; Herr Lambert, Consul von Hessen-Darmstadt, Repräsentant des (Pariser) Hauses Rothschild, häufiger Tafelgast des Königs Leopold; Herr Levy-Prino, Consul der Hohen Pforte u. s. w. Eine besondere Erwähnung aber verdient unstreitig Herr Lassen, der ehrenwerthe Präsident des israelitischen Consistoriums, ein ächter Biedermann, ein Vater der Armen und Bedrängten, welcher der allgemeinsten Achtung genießt, so namentlich auch in der hier so zahlreichen deutschen Colonie wegen seinen patriotischen