Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-10-07 · Heft 41 (7.10.1862) · p. Seite 582

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 41 (7.10.1862)
Date
1862-10-07
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226352--20678-3249759
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

S8S nalisirt und acclimatisirt, obwohl die Mehrzahl Norddeutsche sind. - . Büdingen (Großherzogth. Hessen), 22. September. (Privatmitth.) Das „Fr. I." No. 260 schreibt d. d. Offenbach, 16. September Folgendes: „Viel Stoff zu allerlei Gesprächen giebt hier das räthselhafte Verschwinden des in Seligenstadt bei einem Schuhmacher in Arbeit gewesenen Sohnes eines hiesigen Israeliten. Der- Vater, eines Tages benachrichtigt, daß sein Sohn im Begriff stehe, zur katholischen Kirche überzutreten, eilte LU ihm, um ihn mit hierher zurückzunehmen; der Meister, bei dem er in Arbeit stand, wollte ihn jedoch nicht sofort freigeben, versprach aber, ihn in einigen Tagen zu entlassen. Dies geschah auch; der junge Israelit zog ab, kam aber'nicht nach Offenbach, sondern — verschwand! Seitdem sind Wochen vergangen, und noch hat sich keine Spur von ihm gezeigt; alle Nachforschungen blieben bis jetzt vergebens. Der katholische Pfarrer in Seligenstadt hat dem Vater erklärt, daß er seinen Sohn nicht kenne; bei der nach seinem Verschwinden' am dortigen Landgericht eingeleiteten Untersuchung ergab sich jedoch mindestens so viel, daß der junge Mann bereits seit einiger Zeit römisch-katholischen Religionsunterricht genossen hat." — In Düdelsheim, eine Stunde von hier, war letzthin Wahlmännerwahl zum Landtag. Beim ersten Wahlgang ging Herr Ehrmann, Israelit, als Wahlmann aus der Urne hervor; er wäre auch Sieger geblieben, wenn nicht der erste israelitische Vorsteher, Herr Joseph Dilsheimer daselbst dagegen gewirkt hätte, namentlich bei den Worten: >,Was, Ihr wollt einen Jud wählen!?" Einem ordentlichen Bauern, der ihn; den bemerkten D. als „Bürgermeister" begrüßte, entgegnete er: „Guten Tag, Jüdd!" — Sie zweifeln, geehrter Herr Redacteur?' — Buchstäblich wahr, aber traurig! — Dem Resultate der Wahlen nach erhalten wir eine liberale Kammer der Abgeordneten in! Darmstadt. Dieser fällt die s. Z. in d. Bl. erwähnte Petition des Büdinger Vorstandes, „das israelitische Religionsschulwesen betr.", zur Entscheidung anheim. Ist es den Herren Rabbinen des Landes Ernst, für das Judenthum durch Hebung der israelitischen Religionsschulen Etwas zu thun, so liegt ihnen die Pflicht ob, die israelitischen Gemeinden ihres Sprengels zum Anschluß an erwähnte Petition, wie s. Z. Sie, geehrter Herr Redacteur, in Pkeußen gewirkt, zu bewegen. Ich sage, die Herren Rabbinen, weil leider der Jndifferentismus in unserm Lande so groß ist, daß Man Ihr werthes Blatt auf dem Lande gar nicht, höchstens ausnahmsweise in Städten antrifft. Oder glauben Sie, ein anderes jüdisches Blatt sei heimischer? Gott bewahre! Wo der Jndifferentismus herrscht, hält man sich Llos politische, aber keine religiös bildende Blätter. Deshalb kann die jüdische Presse nicht direct auf die Gemeinden Hierlands einwirken, was nur indirect durch die jüdische Geistlichkeit geschehen kann, daher an die Herren Rabbinen vorbemerktes Ansinnen gestellt wurde. Ottensoser, Lehrer. Preußen. Rakel, 17. September. Wie in Gollub ist in dem benachbarten Städtchen Lobsens seit mehreren Wochen ein jüdischer Bürgermeister, Namens Nathanson, im Amte. Derselbe ist bereits seit einigen Jahren als stellvertretender Bürgermeister von der Regierung bestätigt, und da der Bürgermeister seit etwa sechs Wochen sich nicht im Amte befindet, so ist Nathanson in amtlicher Function des Bürgermeisters. Frankfurt an der Oder, 18. September. (Privatmitth.) Der Lehrer Wehl von hier hat unterm 24sten v. Di. an Einender beiden Abgeordneten hiesigen Wahlkreises, Herrn Kreisrichter Kuhlwein, ein Schreiben gerichtet und darin nicht nur seinen Anschluß an die, — Seitens der israelitischen Lehrer Alsbach, Treu und Steinweg überreichte — Petition kundgegeben, sondern den Adressaten auch noch besonders darauf aufmerksam gemacht, wie — nicht entsprechend einer Angabe in der Denkschrift*)/welche jene Petition begleitete, — die auf Grund des Judenreglements vom 1. .Juni 1833 gegründeten israelitischen Elementarschulen in der Provinz Posen durchweg öffentliche wären, ihre Lehrer nach kürzerem oder längerem Provisorio die definitive Anstellung erhielten, von der Regierung in jeder Beziehung geschützt würden u. s. w. u. s. w., — weshalb der Wunsch nur desto gerechter und billiger erschiene, daß man auch die jüdischen Schulen in *) Vergl. Mg. Z. d. I. No. 33.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.