Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1862)
- Date
- 1862-10-07
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
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m sowohl, als.Befreiung von lästiger, Polizeim ä ßiger Beaufsichtigung von Seiten der geistlichen Inspectoren und beanspruchen ein Lell-grrvernmeut. Die israelitischen Lehrer sind in dieser Richtung anders gestellt, da sie von der Kirche, schon emancipirt sind, und die christlichen Geistlichen nur als Schul - Experten, nicht aber als Theologen die Schule beaufsichtigen. Die israelitischen Lehrer haben in einer besonderen Versammlung eine Bitte an die gesetzgeberischen Faetoren berathen und eingereicht, die in Beziehung auf das Schulbeaufsichtigungswesen keine Aenderung in den bestehenden Gesetzen wünscht, weil die israelit. Schule Voucher Kirche schon getrennt ist. — Die ökonomische Besserstellung der Lehrer wird nicht ausbleiben, wenigstens hat der Herr Chef des Cultdepartement, Herr v. Golther, in dieser Richtung schon einleitende Schritte gethan und die Volksvertretung wird bereitwillig ihm entgegenkommen. — Mit dem Volksschutlehrer-Verein ist ein Unterstützungs-Verein, für Lehrer und ihre Angehörigen verbunden, der sich auch auf die israelitischen Lehrer erstreckt. In Anbetracht aber, daß. viele israelitische Lehramtscandidaten nur Vorsänger und nicht Lehrer , sind, haben die-israelitischen Lehrer in obenerwähnter Versammlung einen Unterstützungs-Verein, gegründet und sobald die Statuten von den königl. Behörden genehmigt sind, wird er seine Wirksamkeit beginnen. Herr Waisenvater und Seminarlehrer Liebmann in Eßlingen ist als Vorstand des Vereins gewählt und ist ihm ein engerer und weiterer Ausschuß beigegeben worden. — Die Synagogenrestaurationen sind jetzt bei uns ziemlich allgemein -und mit ihnen geht die Reform des gottesdienstlichen Cultus Hand in Hand. Ob aber mehr religiöser Sinn und jüdisches Gefühl in die restaurirten Bethallen einziehen wird, ist eine Frage, die die. nächste Zukunft lösen wird. Es dürfte sich Jedem, der die Zeitrichtung näher beobachtet, die Befürchtung aufdräu gen, daß nicht das gesteigerte religiöse Interesse, sondern der Hang nach glänzender Repräsentation nach Außen architektonischen Prunk an den Gotteshäusern liebt. Wäre es die Davidische Bescheidenheit, die nicht im Cedernhause wohnen und die Bundeslade unter Teppichen weilen lassen wollte, dann wäre es zu rühmen; aber solche königliche Demuth ist keine Eigenthümlichkeit unserer Zeit. Wo ist mehr eine häusliche Andacht, wo mehr ein religiöser: Anschauungsunterricht, durch die lebendige That, die Religion den Kindern vor die Augen und ins Herz zu führen, zu fin- - den? — Durch Gebetabkürzungen, Chorgesang und Orgelton, durch glänzende Architektur und kunstvolle Ornamentik wird dem Judenthume nicht aufgeholfen, wenn nicht H aus und Schule die Religion und gute Sitte pflegen. Es ist eine Ueberhebung der Enltusbeamten, wenn sie meinen, durch Predigt und neue Gebetordnung könnte das Judenthum regenerirt werden. Unser Judenthum ist in ein Dilemma gekeilt, zwischen die Scylla des Materialismus und die Charybdis der Blasirtheit; wo ist der Steuermann, der es in das richtige Fahrwasser leitet? — In solchen Fällen läßt der Talmud das Problem ruhen, bis Elsas der Tischbi wiederkommt; wir wollen es auch der Leitung der Vorsehung überlassen. — Stuttgart hat jetzt auch eine israelitische Töchterpension,, die sehr gerühmt wird.. Diese Schnellbleiche für die Töchter Israels ist jetzt auch bedeutend in Schwung gekommen; was sonst gerade die Zierde in Israel, das gemüthliche Familienleben und die Häuslichkeit seiner Frauen, war, das gehört jetzt nicht mehr zum guten Ton. Sobald die Mädchen die Schule verlassen, werden sie in.die nächstgelegene Stadt entsendet, um Bildung zu studiren; man lernt tanzen, feine weibliche Handarbeiten fertigen, etwas Salon-Manieren, gehobenes Selbstbewußtsein, V er ach tu n g des Köhlerglaubens .und. noch andere noble Passionen, dann kehrt man als Dame comme il faut in Glaoöhandschuhen nach Hause und. beglückt ein neu etablirtes Haus mit der. zarten Hand und X-Tausenden.Das Salomonische Biederweib ist eine rusticale; Landpommeranze, die spinnt,, in den Acker, geht, und Weinberge pflanzt, da sind.Frau Munt und Madame Meyering^— siehe jüdisches Volksblatt Nm 36 und 37 — besser erzogen, sie reichen dem Dürftigen uicht die Hand, denn man hat es ihnen in der Pension gesagtdaß es höchst unschicklich ist, Einem vom niederen Stande, der nicht zur traute-voiee gehört, die Hand zu geben. Wir stnden das Hauptübel im gegenwärtigen Judenthum in dem Umstande, daß die Mütter nicht mehr das religiöse, gemüthliche Element in der häuslichen Erziehung! beachten und die Aufklär er ei. jede gute, alte Sitte verabscheut. — Die Hälfte der Württembergischen Räbbinate „sechs" sind seit kurzer Zeit mit Ausländern besetzt worden und zwar: Buchau, Buttenhausen, F r eud en th al, Le h re n st ei ns fel d, Ob er d o rf und Weikershe| m.; So viel wir hören, sind alle diese Herren gern in Schwaben und haben sich rasch natio-