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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-10-07 · Heft 41 (7.10.1862) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 41 (7.10.1862)
Date
1862-10-07
Page
Seite 580 (sequence 4)
Language
German
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58Ö rneinde zahlen. . Hierauf: Bedenken des Actuars, des committirten Senators, 'und wie man erwartet, auch Weigerung der Annahme von Seiten des Senats. Nun wird der Betreffende an unser Parlament (Bürgerschaft) recurriren; vermuthlich zuerst ohne Erfolg. So-schwer hält es, in der Praxis das sogenannte Christliche vollständig vom Politischen zu trennen! Und wenn nun Jemand erklärter er sei ein Freigemeindler, ein Karäer, ein Sociniaüer, ein Sadducäer,- ein Buddhist, ein Spinozist u. s. w., da hätte unsere ehrbare Bürgerschaft gar über diese Confessionen ein Urtheil abzugeben! Sonderbar, daß. die Welt noch immer nicht dahin gelangt ist, das alte bekannte Dictum eines jüdischen Rabbi: „Dem Kaiser, was des Kaisers und Gotte-, was Gottes ist" ins Leben zu bringen! Und wenn noch die Wahrscheinlichkeit vorläge, daß eine bedeutende Zahl sich als religionslos melden würde! Aber das ist so. wenig hier als anderswo der Fall: wozu denn, um nichts Und wieder nichts wohlfeile Märtyrerkronen schaffen? . Unter, dem Titel: „Rom (?) und Jerusalem, die. letzte Nationalitätsfrage" ist von Herrn M. Heß ein drolliges Büchlein im Styl einer französischen Eintagsbroschüre erschienen. Der geistreiche Verfasser, wie es scheint, einem augenblicklichen Eindrücke folgend, . erwartet wohl schwerlich eine deutschernsthafte Besprechung, zumal da er jeden seiner Sätze hinterher selbst wieder umwirst. Er theilt die Juden in jüdisch-patriotische, nämlich die gern in Palästina wohnen , möchten, und in unpatriotische oder neumodische. Jene sollen nämlich nach Judäa, nicht etwa aus religiösen Gründen oder Gefühlen, nicht etwa um neue Opferaltäre zu bauen und zur Sühne unserer Sünden Blut von Farren und Böcken an deren Wände zu spritzen, nicht es bequemer bei der Auferstehung zu haben, nicht etwa, um eine Rothschild-Fould'sche Monarchie zu errichten, nicht etwa, um die Immanenz Gottes, oder die Prophetie, oder den Ausbau des mündlichen Gesetzes wiederherzustellen, Gott bewahre! Sie sollen blos vom Nil bis zum Euphrat Colonien als Etappen für die Franzosen bilden, wenn diese von Aegypten aus das treulose Albion in Ostindien angreifen wollen!. Denn Jerusalem, um das natürlich Griechen und Lateiner wegen des' heiligen Grabes vor wie nach katzbalgen müssen, liegt zu sehr aus dem Wege. Indessen gewährt das Schriftchen eine ganz interessante Lectüre entre la poire et le fromage, und es ’ ist rein mälitiös, wenn Matt es einem jüdischen Versuch nennt, auch einmal in Raten und Nationalitäten zu „machen". Also hat sich der gute Herr Riehl in seiner zweiten Auflage wieder einmal auf dem alten Nößlein getummelt, das alte Testament erkläre „die Arbeit" für profan und das neue Testament erkläre sie für heilig.' Welch eine nutzbringende Untersuchung für die heutige Bolkswirthschaftslehre! Wie reimt sich aber diese „Heiligkeit" mit einem System, das nur gestattet, für den heutigen und nicht auch für den morgenden Tag zu sorgen, und das die nichtarbeitenden Lilien auf dem Felde als beneidenswerthe Geschöpfe darstellt? Und setzt nicht dagegen der Gott des alten. Testaments den ersten Menschen gleich in einen Garten, „um ihn zu bearbeiten und zu bewachen?" Aber unter uns gesagt, ich fürchte, das heutige christliche Leben hängt mit noch viel loseren Faden an dem neuen Testamente als das jüdische an dem alten. Ein Bürger, der in Athen bestraft wurde — so erzählt Plutarch im Lykurg — weil er nicht arbeitete, wurde von den Spartanern als ein wahrer „Freiheitsfrennd" belobt und belohnt. Und doch waren beides die besten Hellenen und sogar Jndogermanenl - ■1 In der hiesigen Gesetzgebung geht es langsam vorwärts. Die Vormundschafts-Ordnung hatte einen alten Paragraphen, daß bei Bestellung jüdischer Vormünder der jüdische Gemeindevorstand erst um ihre Zulässigkeit zu befragen sei.: Dieser zwecklose Paragraph ist erst jetzt cassirt worden , und die Aufhebung des separaten jüdischen Erbrechts wird nächstens folgen. Es ist hier durch einen Todesfall eine Klausrabbinerstelle vacant geworden. Jebenhausen (Württemberg), im September. (Privatmitth.)' Der Volksschullehrer-Verein von Württemberg, ein Verein von mehreren Tausend Lehrern in Württemberg, der eine eigene Zeitschrift herausgiebt, hielt seine Jahresversammlung im vorigen Monate in Canstadt ab und mag dieselbe von circa 800 Lehrern besucht gewesen sein. Die meisten israelitischen Lehrer sind Mitglieder dieses Vereins und haben auch mehrere an den Verhandlungen in Canstadt Theil genommen. Die Verhandlungen drehten sich um die Besserstellung des Lehrerstandes in Bezug auf seine staatliche Stellung und um die Gehaltsaufbesserung. Die Masse der Lehrer wünschen Trennung von der Kirche nicht

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