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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-10-07 · Heft 41 (7.10.1862) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 41 (7.10.1862)
Date
1862-10-07
Page
Seite 579 (sequence 3)
Language
German
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m siehst daraus, daß die Japaner das eivilisirteste, ur- Lanste Volk auf der Erde sind. Ja, ich möchte sagen, das christlichste Volk, wenn ich nicht zu meinem Erstaunen gelesen, wie eben diesem Volk nichts so sehr verhaßt und zum Gräuel ist, als eben das Christenthum. Ich will ein Japaner werden. Es ist ihnen nichts so verhaßt, wie das Kreuz. Ich will Japaner werden." — Der letzte Brief der Zeit nach, nämlich aus Avignon, vom 8. November 1836 schließt mit den Worten: „Ich schreibe Dir diese Zeilen aus Avignon, der ehemaligen Residenz der Päpste und der Muse Petrarca's; ich liebe diesen ebenso wenig wie jene; ich Haffe die christliche Lüge in der Poesie ebenso sehr wie im Leben." Wir geben diese Worte, wie sie Heine niederschrieb. Von dem Jahre 1827 an gerieth der Briefwechsel ins Stocken, der nur 1829 noch einmal in einigen Fluß gerieth und mit einem Briefe aus Paris 1831 und aus Avignon 1836 schließt. Letzterer hat nur noch den Zweck, den alten Freund um eine bedeutende Summe anzuborgen, und der kurze Brief aus Paris spricht sich folgendermaßen aus: „Ich klage nur über die Götter, die mich so lange Zeit im Irrthum ließen über die Art, wie Du mein Leben und Streben begriffest. Du hast letzteres nicht verstanden, und das ist es, was mir Kummer gemacht. Du verstehst es noch nicht, hast nie mein Leben und Streben verstanden, und unsere Freundschaft hat daher nicht aufgehört, sondern vielmehr nie existirt. Wir verlangen von einem Freunde nie Beistimmung, sondern Verständniß unserer Handlungen, er mag sie loben oder tadeln je nach seinen eigenen Principien, aber immer soll er sie verstehen, ihre Nothwendigkeit begreifen, von unserem besonderen Standpunkte aus, wenn auch der feinige ganz verschieden ist." — Diese Aeußerungen nach einer so vieljährigen und erprobten Freundschaft, welcher Moser viele Opfer gebracht hatte, müssen überraschen. Es geht aber aus mehreren früheren Andeutungen hervor, daß Moser mit der Handlungsweise und den Schriften Heine's in den letzten Jahren vor 1831 nicht zufrieden war und seine Hoffnungen auf ein großes und consequentes schöpferisches Schaffen und Streben Heine's getäuscht sah. Ein wirkliches Verständniß seiner selbst mochte Heine selbst wohl nicht aufgegaugen sein. Zeitvngsnachrichte«. Deutschland. Aus Bayern, 15. September. (Privatmitth.) Bei der in Praxis getretenen neuen Gewerbeordnung ist nicht übersehen, daß unseren bayerischen Israeliten zu allen Gewerben und Plätzen Zutritt gestattet ist. Oertliche Hindernisse können nur mit besondern Verhältnissen motivirt werden. Schon wird eine Bewegung der Bevölkerung verspürt. Dem abolirten §., „daß die Zahl der Juden in der Regel vermindert werde" zum^Trotz haben schon auswärtige Israeliten das Jndigenat erhalten; der Drang nach den Städten und commereiell vortheilhaftern Lagen wird stärker, und ahmen die kleinern Orte den größern in der Ausnahme von Israeliten nach. So hat Weiden, ein Städtchen in der Oberpfalz, den ersten Israeliten ohne Weigerung zugelassen. Doch giebt es auch conträre Beispiele: Amberg sieht, wie Throl, Gefahr für die Integrität des Glaubens und der Seligkeit, wenn ein Monotheist sich einbürgern würde, und hat daher abgelehnt. Errant, qüi tabulas novas a Catilina expectant. In die alte ausschließende Staatsdienstordnung ist eine neue Bresche gelegt. Nicht nur wurden zwei Israeliten als Notare und der junge Gutmann als Advocat in Bamberg angestellt, sondern wurde auch, was mehr ist, unser europäisch bekannter Prosector Dr. Herz als Professor honorarius bei der medicinischen Facultät Erlangen habilitirt. Der verdienstvolle Gelehrte, über welchen seine Patienten nur eine Klage haben: daß er für seine Wunderkuren entweder gar kein oder nur sehr geringes Honorar annehmen will, hat sein ganzes Leben nicht blos zum Tribut der Wissenschaft gemacht, sondern auch trotz Verlockung und Druck der Fahne seines Glaubens Treue bewahrt. Hamburg, im September. (Privatmitth.) Soll man sich freuen oder es bedauern, daß die extremsten Anstöße zur geistigen Freiheit fast immer von Juden ausgehen? Hier haben wir wieder einen Fall. Wenn hier Jemand Bürger werden will, hat er ein Formular auszufüllen, auf dem eine — nach Sinn und Buchstaben unserer Verfassung ganz nützlöse — Rubrik die Angabe der Religion des Aspiranten betrifft. Diese Angabe verweigerte ein junger^ hier geborener Chemiker, Dr. Wahlwill, dessen Ettern zu unserer Ge- 41*

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