Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1862)
- Date
- 1862-10-07
- Page
- Seite 578 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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inesgenoffen mehr weihen würde. Aber dennoch halte ich es unter meiner Würde und meine Ehre befleckend, wenn ichum ein Amt in Preußen anzunehmen, mich taufen ließe. Im lieben Preußen!!! Ich weiß wirklich nicht, wie ich mich in meiner schlechten Lage helfen soll. Ich werde noch aus Aerger katholisch und hänge mich, auf. Doch auch dieses fatale Thema breche ich ab, da ich Dich in einigen Monaten persönlich spreche, will ich die Besprechung desselben bis dahin verschieben. Wir leben in einer traurigen Zeit, Schurken werden zu den Besten, und die Besten müssen Schurken werden. Ich verstehe sehr gut die Worte des Psalmisten: Herr Gott, gieb mir mein täglich Brot, daß ich deinen Namen nicht lästere!" — Erst ein Brief aus Hamburg vom 14. December 1825 zeigt uns, dass der Uebertritt Heine's vor Kurzem geschehen war. Aus dem Kreise, welchem er in Berlin angehört hatte, und welcher die Cultur und Wissenschaft des Judenthums zu fördern und die Rechte der Juden eifrigst zu verfechten sich zum Lebensziel gesetzt hatte, war Gans, vorher der eifrigste der Eiferer, zuerst geschieden, nachdem er, gestützt auf das Gesetz vom 11. März 1812, lange Zeit mit dem preußischen Ministerium um die Erlangung einer Professur oder doch nur Privatdocentur an der Berliner Universität gerechtet hatte. Er hatte sich aus Familienrücksichten in Paris taufen lassen, und erhielt dann sogleich, was das Ziel seines Ehrgeizes war. Nun schreibt Heine: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Cohn versichert mich, Gans predige das Christenthum, und suche die Kinder Israel zu bekehren. Thut er dieses aus Ueberzeugung, so ist er ein Narr; thnt er es aus Gleißnerei, so ist er ein Lump. Ich werde zwar nicht aufhören, Gans zu lieben, dennoch gestehe ich, weit lieber wär's mir gewesen, wenn ich statt obiger Nachricht erfahren hätte, Gans habe silberne Löffel gestohlen." Er fährt fort: „Es wäre mir sehr leid, wenn mein eigenes Getauftsein Dir in einem günstigen Lichte erscheinen könnte. Ich versichere Dich, wenn die Gesetze das Stehlen silberner Löffel erlaubt hätten, so würde ich mich nicht getauft haben. Mündlich mehr hiervon. Vorigen Sonnabend war ich im Tempel, und habe die Freude gehabt, eigenohrig anzuhören, wie vr. Salomon gegen die getauften Juden loszog, und besonders stichelte, „„wie sie von der bloßen Hoffnung, eine Stelle (ipsissima verba) zu bekommen, sich verlocken zu lassen, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden."" Ich versichere Dir, die Predigt war gut, und ich beabsichtige, den Mann diese Tage zu besuchen. — Cohn zeigt sich groß gegen mich. Ich esse bei ihm am Schabbes, er sammelt glühende Kuggel auf mein Haupt, und mit Zerknirschung esse ich dieses heilige Nationalgericht, das für die Erhaltung des Judenthums mehr gewirkt hat, als alle drei Hefte der Zeitschrift (für Wissenschaft des Judenthums von Zunz). Indessen hat es auch größeren Absatz gehabt." — Zur Ehrenrettung Gans' bemerken wir übrigens, daß diese Nachrede über ihn von Heine selbst in einem späteren Briefe als völlig unwahr bezeichnet wird, und blieb Gans bis zu seinem Tode seinern innern Ueberzeugung trotz seiner Beweglichkeit treu. Bekanntlich wurde Gans später der kräftigste Träger der liberalen Grundsätze in Berlin und sein frühzeitiger Tod als ein großer Verlust für diese bedauert. Einige Zeit daraus macht er die ironische Bemerkung: „Ich werde jetzt ein rechter Christ; ich schmarotze nämlich bei den reichen Juden." Am 9. Januar 1828 schreibt er: „Ich bin jetzt bei Christ und Jude verhaßt. Ich bereue sehr, daß ich mich getauft Hab'; ich seh' noch gar nicht ein, daß es mir seitdem besser gegangen sei, im Gegentheil, ich habe seitdem nichts als Unglück." — „Ist es nicht närrisch, kaum bin ich getauft, so werde ich als Jude verschrieen. Aber ich sage Dir, nichts als Widerwärtigkeiten seitdem." — Einige Monate später drückt er mit tiefem Gefühle seine wehmüthigen Erinnerungen an die Zeit aus, in welcher er mit Moser, Gans, Zunz u. s. w. für die Zwecke des Vereins geschwärmt,'und fahrt dann fort:, „Du hattest damals auch einige sehr gute Gedanken über Judenthum, christliche Niederträchtigkeit der Proselytenmacherei, Niederträchtigkeit der Juden, die durch die Taufe nicht nur Absicht haben, Schwierigkeiten fortzuräumen, sondern durch die Taufe Etwas erlangen, Etwas erschachern wollen, und dergleichen gute Gedanken mehr, die Du gelegentlich einmal aufschreiben solltest. Du bist ja selbstständig genug, als daß Du es wegen Gans nicht wagen dürftest; und was mich betrifft, so brauchst Du Dich wegen meiner gar nicht zu geniren.", — „Ich dachte diese Nacht: mit welchem Gesicht würde wohl Gans vor Moses treten, wenn dieser plötzlich auf Erden wieder erschiene? Und Moses ist doch der größte Jurist, der je gelebt hat, denn seine Gesetzgebung dauert noch bis auf heutigen Tag." — Später aus Paris schreibt er: „Da 'mal die Rede von Büchern ist, so empfehle ich Dir Gollarnin's Reise nach Japan. Du er-