Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1862)
- Date
- 1862-10-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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26, Jahrgang. A l 1 g e m eine 41> Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Br. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 7. October 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in i*/a bis 2 Bogen, Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngt. Vierteljährig 22 ’/a Ngr. Inserate werden mit l1/^ Ngr. für die Pctitzeile oder deren Ranin berccknet. Bcilagcgcbührcn betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 1/2 Bvgcn 3 Thlr., für Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpe» ' dition für beide Letztere hat sich das Äönigl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. I n h a l 1. Leitende Artikel: Heine's Briefe an Moses Moser. (Schluß.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Bayern, Ham- ' bürg. Jebenhausen, Büdingen. Preußen: Nakel, Frankfurt an der Oder, Posen, Aachen. O est e r r e i ch i sch e r K a i - serstaat: Krakau, Gr. Becskcrek, Seinlin, S. A. Ujhely. Frankreich: Parisi B e l g i e n: Brüssel. A m e r i k a: Chicago.^ Donaufürssenthümer: Aus dcu Donaufürftenthünlern. Leitende Artikel. Bonn, 28. September. - Heines Briese an Moses Moser. (Schluß.) Wir stehen jetzt an dem Uebertritt Heine's zum Christenthume, und hierfür bieten uns die vorliegenden Briefe vielfache Aufschlüsse. Sie zeigen uns, daß Heine aus einer dem Iudenthume und der religiösen Ueberzeugungstreue längst entfremdeten Familie stammte, daß er die Conversion aus dem Motive, ein Amt im Staatsdienste oder doch eine öffentliche Carriere zu erreichen, vollbrachte, wozu, ihn damals mehr als seine Lust sein ihn erniedrigendes und doch seinen Bedürfnissen nicht genügendes Berhältniß zu seinem Oheim, dem reichen Salomon Heine, besonders antrieb, und endlich, daß er niemals wirklich Christ geworden, ja daß er sogar das Christenthum haßte. . Wir müssen uns hier zuvor eine Bemerkung gestatten. Wenn wir im Folgenden die Beweisstellen aus den Briefen Heine's zusammenstellen, so geschieht dies.nicht, um Heine etwa zu rechtfertigen oder nur:zu entschuldigen, auch nicht, weil wir dergleichen Aeußerungen liebten, sondern weil wir hiermit abermals einen Beweis für die von uns so oft aufgestellte.These haben,'daß alle erzwungenen oder erkauften Conversionen der Kirche, zu welcher die Proselhten geführt werden, außerordentlichen Schaden thun, daß diese sich damit nur innerliche Feinde schafft, welche das kirchliche Gebäude untergraben helfen. Nachdem er Berlin verlassen und in Hamburg mit Sal. Heine die unangenehmsten Erörterungen über die ferneren Unterstützungen, welche er von diesem erhalten sollte, gehabt hatte, dann wieder nach Lüneburg zu seinen Eltern gereist war, schreibt er von dort aus den 27. September 1823: „Du siehst mich daher, trotz meiner Kopfleiden, in fortgesetztem Studium meiner, Juristerei, die mir in der Folge Brot schaffen soll. Wie Du denken kannst, — kommt hier die Taufe zur Sprache. Keiner von meiner Familie ist dagegen, außer ich. Und dieser ich ist sehr eigensinniger Natur. Aus meiner Denkungsart kannst Du es Dir wohl abstrahiren, daß mir die Taufe ein gleichgültiger Act ist, daß ich ihn auch symbolisch nicht wichtig achte, und daß in den Verhältnissen und auf die Weise, wie er bei mir vollzogen werden würde, auch für Andere keine Bedeutung hätte. Für mich hätte er vielleicht, die Bedeutung, daß ich-mich der Verfechtung der Rechte meiner unglücklichen Stam-