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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-30 · Heft 40 (30.9.1862) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 40 (30.9.1862)
Date
1862-09-30
Page
Seite 566 (sequence 4)
Language
German
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566 dümmsten und schädlichsten und stockprügelwerthesten ist die saubere Idee, daß der Paria muthmaßt: seine Vorfahren haben durch eine blutige Mssethat ihren traurigen Zustand selbst verfchuldet. - Diese. Anspielung auf Christus mag Wohl manchen Leuten gefallen ■, besonders da ein Jude, ein Wasserdichter, sie aus spricht. (Iu n'oses xas mAl-inLerprölsr ostw expression-. ein Jude, ein Wasserdichter, Ihat. \yill not say a jew who is a walcrpoet, bet a jew who is not yet baplised, a. water-propyejewl)" Bemerkenswerth ist die Stelle aus seinem Briefe aus Göttingen.vom 25. Juni 1824: „Außerdem treibe ich viel Chronikenstudium und ganz besonders viel hisioria judaica. Letztere wegen Berührung mit dem Rabbi, und vielleicht auch wegen inneren Bedürfnisses. :Ganz eigene Gefühle bewegen mich,, wenn ich jene traurigen Annalen, durchblättere; eine Fülle dex Belehrung und des Schmerzes. Der Geist der jüdischen Geschichte offenbart sich. mir immer mehr, und diese geistige Rüstung wird mir gewiß in der Folge sehr zu Statten kommen. An meinem Rabbi habe ich erst geschrieben, meine Schmerzen haben mich auf . schlimme Weise darin , unterbrochen, und Gott weiß, ob ich ihn bald' undgut vollende. Bei dieser Gelegenheit merkte ich auch, daß mir Pas Talent des Erzählens ganz fehlt; vielleicht thue ich mir auch Unrecht, und es ist blos die Sprödigkeit des Stoffes. Die Paschafeier ist mir gelungen, ich bin Dir für die Mittheilung der Agode Dank schuldig, und. bitte Dich noch außerdem, mir das Caholach Manga und die kleine Legende Maasie ben Rabbi Leeser wörtlich: übersetzt zukommen zu -lasten. Auch die Psalmstelle im Nachtgebete: „Zehntausend Gewaffnete steh'n vor Salomon's Bette" mir wörtlich übersetzt zu schicken. . Vielleicht gebe ich dem Rabbi einige Druckbogen Illustrations auf englische Weise als Zugabe, und zwar originaler Ideenextract über Juden und ihre Geschichte. — Benjamin von Tudela, der jetzt auf meinem Tische herumreist, läßt Dich herzlich grüßen. Er wünscht, daß ihn Zunz 'mal bearbeite: .und mit Uebersetzung herausgebe. Die Uebersetzung und Bearbeitung vom französischen Dr. Witte, die ich vor mir habe, ist unter aller Kritik schlecht, nichts: als Schulknabenwitz. Ueber die Frankfurter Juden war mir der Schudt sehr nützlich; ich habe beide Quartbände ganz durchgelesen.Md weiß nicht, ob ich mich mehr. geärgert Aber den Rischus, der über jedes Blatt ausgegossen, oder ob. ich mich auch-: sirt habe über die Rindviehhaftigkeit, womit der Rischus? vorgebracht wird. O, wie haben wir Deutsche uns vervollkommnet! Es fehlen mir jetzt nur noch Notizen über die.spanischen Juden; int 15ten: Jahrhundert und besonders Kber ihre Akademien in Spanien! zw dieser Zeit, wo finde ich was? oder bester gesagt,. 51. Jahre, vor ihrer. Vertreibung.. Jntereffant ist es, daß dasselbe Jahr, wo sie vertrieben: worden, das neue Land ider Glaubensfreiheit,: mamlich Amerika, entdeckt worden." : .. .. Ueber die. damalige Stimmung Heine's giebt ein Brief vom 25. :October 1824 Zeugüiß: „Blutwenig habe ich diesen.Sommer.geschrieben. Ein. Paar Bogen an den Memoiren. . Verse gar keine. Am Rabbi wenig, so daß kauur Vs davon geschrieben ist. Er wird aber sehr, groß, wohl ein dicker Band, und mit unsäglicher Liebe trage ich das. ganze Werk in der Brust. Äst es ja doch ganz ausj der.Liehe hervorgehend, nicht aus eitel iRuhmgier. Im Gegentheil, wenn. ich: der Stimme, der äußern Klugheit Gehör^geben wollte,, so würde ich es gar nicht schreiben. Ich sehe voraus, wie viel ich dadurch verschütte und Feindseliges herbeirufe. Aber eben auch, weil es aus der Liebe hervorgeht, wird es ein unsterbliches Buch werden, eine ewige Lampe im' Dome Gottes, kein verprasselndes Theaterlicht. Ich habe viel Geschriebenes in diesem Buche wieder ausgelöscht; jetzt erst ist es mir gelungen, das Ganze zu? fassen, und ich: bitte nur Gott, mir gesunde Stunden zu geben,, es ruhig niederzuschreiben. Lächle nicht über dieses Gackern vor dem Eierlegen. Lächle auch nicht über mein langes Brüten; so ein gewöhnliches Gänseei (ich meine nicht Dr. Gans) ist .schneller ausgebrütet als das Taubenei des heiligen Geistes." — „Im Basnage*) habe ich wenig gesunden. Die schmerzliche Lectüre des Basnage ward Mitte des vorigen Monats endlich vollendet. Was ich speciell suchte, habe ich eigentlich nicht;darin gefunden, aber viel Neues entdeckte ich und viel neue Ideen und Gefühle wurden dadurch in mir aufgeregt. : Das Ganze des Buches ist großartig, und einen Theil des Eindrucks, den es auf mich gemacht, habe ich den 11. September in folgender Reflexion angedeutet: (An Edom!) Ein Jahrtausend schon und länger Dulden wir uns brüderlich, Du, Du duldest, , daß ich athme, Daß Du rasest, dulde ich. Manchmal nur, in dunkeln Zeiten/ Ward Dir wunderlich zu Muth,;*) Geschichte der-Juden, vor Jost's Werken das einzige brauchbare Gefchichtswerk über Juden.

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