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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-30 · Heft 40 (30.9.1862) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 40 (30.9.1862)
Date
1862-09-30
Page
Seite 564 (sequence 2)
Language
German
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564 daß einige von diesen Männern, die mit dem wärmsten Eifer begonnen hatten, .wenige Jahre darauf sich taufen, ließen, während die Anderen stA dem spätexeWEntwicke-J lungsgange sdes Judenthumserhielten, auf diesenmit-, wirkten und'sich von ihm erheben ließen. Bei den Er-? steren war eben von vornherein eine nichtjüdische Anschauung, eine pantheistische vorhanden gewesen, so daß sie aus persönlichen. Motiven den Uebertritt vollzogen, ohne dem Christenthume um einen Schritt näher zu treten, als sie vorher schon vom Judenthume entfernt waren, während von den Letzteren noch jetzt einige zu den ehrenwerthesten und gefeiertesten Gliedern unserer Glaubensgenossenschaft gehören. Von diesen, damals meist jungen Männern nennen wir Gans, Di*.,Juris und später Professor in Berlin, Lehmann, noch jetzt Redacteur für das „Magazsn der Literatur des Auslandes", Zunz, Jost,. Lazarus Bendavid, Ludwig Markus (aus Dessau, bedeutender Polyhistor und Philologe, gest. in Paris), Moses Moser, Heinrich Heine. Sie bildeten einen „Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden", der eine großartige Organisation in verschiedenen Abtheilungen, z. B. für Handwerke, Landbau u. s. w. anstrebte und vom Jahre 1822 an eine „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums" herausgab, von der aber nur drei Hefte erschienen (1823). Der Verein fand die nöthige Unterstützung.nicht, und auch die Zeitschrift mußte wegen Mangels an Absatz eingehen. Daß aber darum die Wirksamkeit des Vereines keine vergebliche war, sondern der an sich richtige Gedanke fortlebte, erwies die Ausführung desselben in der verschiedenartigsten Weise ein Jahrzehend später und so fort. Bei Denen, welche die Idee des Vereines mit großem Feuer aufgefaßt, aber eben nur von äußerlichen Momenten getrieben, mußte dieser Eifer bei dem geringen Anklang in weiteren Kreisen desto schneller abkühlen, und so war gerade Gans der Erste, welcher dem Vereine Valet sagte , und, um eine Professur in Berlin zu erlangen, sich taufen ließ. Wir haben unter den oben Genannten auch Moses Moser aufgeführt, der, wie Mendelssohn, als Buchhalter in Berlin lebte. Er war einer der edelsten und werktätigsten Männer, dabei von sehr umfangreichem Wissen, lange Jahre Vorsteher der „Gesellschaft der Freunde", und hat u. A. einen bedeutenden Antheil an der Uebersetzung der Mischna unter der Redaction von Jost, sowie er auch in der angeführten ^Zeitschrift unter der Chiffre r. die Recension des „biblischen Orients" von Bernays geschrieben. In den Journalen jener Zeit hat er viele Beiträge und Kritiken anonym . - f riy- . gegeben. Zu der Zeit, wo der Gedanke zu jenem Vereine gefaßt und verwirklicht ward, studirte HeinrichHejne (geb. den -13. December 1799 zu Düsseldorf) .zu Berlin, und -gehörte jenem aE jßt HDtHbeHitU e|nett Band Gedichte, sowie "Tragödien 1822 veröffentli^^und noch mehr mußte seine Persönlichkeit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Bon Berlin ging er 1823 nach Lüneburg, wo seine Eltern ^damals wohnten^ und spätermach GöttingeN, wo er Jurisprudenz studirte und als Dr. juris 1825 promovirte. Von seiner Abreise von Berlin an bis 1836 führte er einen lebhaften Briefwechsel mit Moses Moser (namentlich bis 1829). Diese Correspondenz liegt jetzt gedruckt vor uns. (Leipzig 1862.) In der That^ haben diese Briefe weder einen geschichtlichen, noch ästhetischen Werth; sie können, eigentlich nur Denjenigen interessiren, welcher aus dem Leben und der Persönlichkeit Heine's ein Studium macht; denn selbst über die Männer, mit denen er hier in Berührung kommt, spricht er sich nur in Heine'scher Weise aus, so daß daraus eine Erkenntniß derselben nicht vermittelt wird. Dennoch haben diese Briefe einiges besondere Interesse für uns, da sie die Stellung Heine's zum Judenthume charakterisiren und auf die für die Entwickelungsgeschichte des neueren Judenthums nicht unwichtige Zeit einige Schlaglichter werfen. Man hat bereits hie Bemerkung gemacht, daß Heine in diesen Briefen als 23jähriger Mann merkwürdiger Weise schon ganz fertig erscheint. Es ist keine Jugend mit ihrer eigenthümlichen Phase, die sich hier kundgiebt, und vielleicht stand der leidende Heine in seinen letzten Lebensjahren der jugendlichen Stimmung näher, als der. studirende Jüngling in Göttingen. Aber so wichtig , diese. Bemerkung auch uns scheint, so muß man sie dahin ergänzen, daß der fertige Heine eben darin bestand, daß Nichts in ihm fertig war und wurde. In ihm waren die opponirtesten Gegensätze, die widerstreitendsten Elemente vorhanden, kamen in ihm weder zum Kampfe, noch zu einer höheren Einigung, sondern vertrugen sich neben einander, kamen im wechselnden Spiele nach einander zum Vorschein und zur Geltung,. und dies war in ihm als Jüngling wie als Greis fertig. Gewiß war dies für Heine wie für die Welt ein großer Verlust, dessen Ursache jedoch in seiner Anlage, gefördert durch feinen Lebensgang, .zu suchen ist. Er war von der Natm auf bedeutende Elemente angelegt, hatte aber von ihr nicht die geniale Kraft erhalten, eines dieser Elemente durch Bekämpfung und Ueberwindung der. anderen zum Siege zu. bringen. Wäre dies gewesen, so hätten wir sicherlich in ihm eines der bedeu-

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