Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1862)
- Date
- 1862-09-23
- Page
- Seite 558 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226350--20652-3249731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
358 der Ausschuß. Er glaubte dem Eintritt eines Israeliten in das privilegirte Corps, wenn er auch die statutenmäßige Qualification besitze, entgegen sein zu sollen, erklärte , sich in einer seiner Sitzungen, u. z. längst nach der erfolgten Aufnahme und wiewohl das Recht hiezu statutengemäß ihm gar nicht zusteht, gegen dieselbe, verweigerte,, gleichfalls vollkommen unberechtigt, dem neuaufgenommenen israelitischen Mitglieds die Ausfertigung des Diploms und verbot, da die Statuten keinerlei sattsames Motiv zu. dieser Verweigerung boten, dem Kassier wenigstens die Annahme der weitern Quartalzahlungen von Herrn A. Kapper, um auf diesem Auswege, gewaltsamer Weise den. Fall des §. 12 der Statuten herbeizuführen, welcher die Ausstreichung jenes Mitgliedes verfügt, das die jährlichen Quartalleistungen ordnungsgemäß nicht einhält. Der Versuch des Ausschusses, die Aufnahme des Herrn A. Kapper für ungültig zu erklären, weil er seinen Namen nicht.eigenhändig eingetragen, scheiterte an dem notorischen Factum , daß gerade die am heftigsten gegen denselben eifernden AMchußmitglieder sich in der nämlichen Lage befinden, folglich konsequenter Weise gleichfalls zum Austritt verhalten werden müßten. Herr A. Kapper ist gesonnen, die Lösung der in seiner Person an den Tag getretenen Principien frage mit allen gesetzlichen Mitteln und nötigenfalls selbst bei dem Landtage und an den Stufen des kaiserlichen Thrones nachzusuchen. Seine quartalmäßigen Zahlungen will er in Hinkunft unter Hinzuziehung eines Notars leisten und die Ablehnung derselben, durch den Kassier notariel constatiren lassen. Auf den Ausgang dieses Principienfalles darf man mit einigem Recht gespannt sein. Es fragt sich hier einfach, ob Willkür den Vortritt vor dem klaren Rechte haben solle, ob ein Jude, der Bürger ist, dies im vollsten Sinne des Wortes oder nur im theilweisen sei, endlich, ob Staatsbürger, die das Porte-Epöe des Kaisers und den Degen des Staatsbeamten tragen, die im Stadtrathe, im Landtage und im Reichsrathe tagen, , nicht fähig sein sollen, in den Reihen des loyalen Prager Scharfschützencorps einen Platz zu finden. (Wanderer.) Könighof (Böhmen), 5. September. Man schreibt dem „Tagesboten": Der Pöbel hat hier einen Exceß gegen die Juden verübt. Anlaß hierzu gab ein Gerücht von einer angeblichen Vergiftung eines Burschen durch einen ^jüdischen Kaufmann. Der Pöbel zog vor die Häuser der. Juden und begann die Fenster einzuschlagen. Die Bürger derStadteilten, wenn auch erfolglos, zum Schutze der Bedrohten herbei, . und erst nach vieler Bemühung gelang es dem intervenirenden Bürgermeister die Rotte zur Ruhe und Ordnung zu bringen, zu deren ferneren Aufrechthaltung eine Militärabtheilung aus Josephstadt requirirt wurde. Aus Oberungarn, 31. August. (Privatmitth.) Eperies, die Hauptstadt des Saroser Comitates, ist eine jener Städte, die, auf ihre Privilegien sich, stützend, trotz dem Drange freiheitsbewegter Zeiten, und ungeachtet des lauten Anpochens des Humanitätsgefühles lange zauderten, und erst in den letzten Decennien zwar unter manchen harten Bedingungen*) endlich dennoch ihre Thore unseren Glaubensgenossen erschlossen. — Obwohl es auch heute noch nicht leicht geht, sich hier das Jncolat zu verschaffen, bemerkt man dennoch ein zunehmendes Anwachsen der Gemeinde, so daß sich jetzt circa 120 Familien hier befinden mögen, die sich unter der umsichtigen und segensvollen Leitung des Hrn. Leo Holländer im Geiste unserer vorgeschrittenen Zeit beinahe zur tonangebenden Gemeinde des nördlichen Ungarns bildeten. Hr. H. ist bekanntlich ein warmer Förderer jüdischer Interessen, da er schon oft in früheren Zeiten nämlich für unsere Sache eingestanden, und auch in der letzten Zeit nicht aufhört, für uns muthvoll das Wort zu . führen, wie er dies bei Gelegenheit der Abhaltung ungarischer Landtage, wo er für die Annahme der blos unbedingten Emancipation stimmte, es genugsam bewies. Durch sein Bemühen ist die einige Jahre vacant 'gewesene Rabbinatsstelle vor zwei Jahren besetzt worden. Die Wahl des Rabbiners Herrn Dr. Mayer Austerlitz ist eine glückliche zu nennen; denn dieser achtbare, zwar noch junge Mann macht seinem Stande Ehre, und besitzt mit vollem Rechte die Sympathien Aller. Seine Tempelvorträge sind erbauend und belehrend; die in den beiden Gymnasien studirende Jugend genießt seinen vortrefflichen Religionsunterricht, dem er mit seltenem Fleiße obliegt, und jede seiner freien Stunden wendet er der seit mehr als vier Jahren in Blüthe bestehenden, von dem verdienstvollen und *) Vor etwa 40 Jahren mußten die drei Familien Markus Holländer, Moses Grosman und Mayer Janovitz für diese Erlaubniß die Stadt mehrere Jahre mit dem nöthigen.Fleische versehen.