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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-23 · Heft 39 (23.9.1862) · p. Seite 557

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 39 (23.9.1862)
Date
1862-09-23
Page
Seite 557 (sequence 11)
Language
German
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557 den,; daß durch den genannten Rentier N. - C. -bisher das Bürgermeisteramt längere Zeit zur vollkommenen Zufriedenheit der Vorgesetzten Behörde — provisorisch verwaltet worden.— In Warschau ist, in Folge der Geständnisse und Enthüllungen Rzonca's, unter den conscribirten Verschworenen leider! auch ein Jude, Namens Schmiedeberger, mit verhaftet worden. — Nach einer neuen Verordnung der dasigen Regierung dürfen Juden fortan zu Gewerks-Aeltesten und zu Schiedsamtsverwaltern gewählt werden. — Das Gerücht, daß den Rabbinern Meisels und Dr. Jastrow die Rückkehr nach Polen erlaubt sei, soll sich nicht bestätigen. Aus der Mark, im September. (Privatmitth.) Sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum beging zu Berlin am 20. v. M. der Rentier F. S. Zeller, welcher der erste Jude ist, der daselbst nach dem Edict von 1812 das Staatsbürgerrecht erworben hatte. Die neueste, zu Gunsten der Orgel dem Gemeinde- Vorstände überreichte Petition soll mit mehr denn 1600 Unterschriften bedeckt gewesen sein. Cottbus, 5. September. (Privatmitth.) Zu unserem aus 425 Mitgliedern bestehenden Turnvereine gehörend Juden. Einer derselben, der Herr A. Kurniker wurde neulich zu einem der beiden Vertreter unseres Vereins bei dem Bezirksturnfeste zu Frankfurt ä. d. O. erwählt. Schon seit längerer Zeit bekleidet der Religionslehrer und Chorleiter an der hiesigen jüdischen Gemeinde, der Herr Emil Breslaur das Amt eines Singwarts bei dem Turngesangvereine. Die Concerte, welche dieser Verein von Zeit zu Zeit giebt, gehören zu den besuchtesten unserer Stadt, und das neulich zum Besten der Hinterbliebenen des Componisten Marschner von Herrn E. 33.: veranstaltete Concert brachte bei dem geringen Entree von L'/r Sgr. eine Netto-Einnahme von 25^/2 Thlr.*) — Oesterrelchischer Kaisexstaat. Prag, 23. August. (Die Judenfrage im Prager Scharfschützen-Corps.) Die Blätter haben - *) Auch aus der Pfalz erhielten wir neulichst eine Notiz über die Liedertafel, deren Dirigent ein Jude ist, und welche sich bei dem Provinzialgesangfeste besonders auszeichnete. Die Re da c t i o n. jüngsthin die Nachricht vön einem Conflicte gebracht, der im Schoße des Prager Scharfschützencorps bezüglich des Eintrittes« eines Bürgers israelitischer Consession in dasselbe ausgebrochen sei. Der Jncidenzsüll involvirt ganz unzweifelhaft eine Principienftäge, die nämlich, ob in Prag einem Bürger israelitischen Glaubens der Genuß der hiesigen bürgerlichen Gerechtsame unverkürzt zustehe oder nicht, und ich glaube.es daher nicht unterlassen zu sollen, Ihnen auf Grund authentischer Daten das Thatsächliche desselben, manche frühere Darstellung berichtigend, mittheilen zu sollen. Die Statuten des genannten Corps verfügen in ihrem §. 6/ daß das Privilegium zu diesem Vereine „den Prager Bürgern" ertheilt sei, und daß deshalb in der Regel nur Prager Bürger in dasselbe ausgenommen werden. Zur Aufnahme in dasselbe ist nach §. 7 dieser Statuten weiter nichts erforderlich, als daß derjenige, der Prager Bürger ist, seinen Namen und den Tag seines Beitritts in das Dereins-Jncorporationsbuch eigenhändig einschreibe, und gleichzeitig die nach §.11' vorgeschriebene Jncorpörationsgebühr erlege. Dem Ermessen des Bereinsausschusses bleibt lediglich die Aufnahme solcher Personen anheimgestellt, die diese Eigenschaft, nämlich das Prager Bürgerrecht, nicht besitzen. Weitere Aüfnahcksformalitäten giebt es nicht, weitern Einfluß auf die Aufnahme hatder Ausschuß nicht. Der in Rede stehende israelitische Prager Bürger — der bekannte Gewerbs^ mann und Industrielle Hr. A. Kapper — ist Hausbesitzer in der Altstadt Prags, und es wurde ihm mittelst Decretes vom 4. Juni 1861 Z. 28703 vom Prager Stadtrathe das Prager Bürgerrecht ertheilt. Ausgestattet mit dieser Qualität erklärte er im Juni v. I. an dem geeigneten Orte seinen Beitritt zu dem Prager k. k. priv. Scharfschützencorps, und es erfolgte auf Grund dessen und ohne allen Anstand seine Inkorporation in dasselbe. Er bezahlte gleichzeitig die vorgeschriebenen Jucorporationsgebühren zur Schützencasse und zürrr Unterstützungsfonde, die Jahresablösung für das laufende Jahr und den Betrag für Drucksorten und Stiftung, zusammen im Belaufe von 5 fl. 20 kr., und es erfolgte hierauf sub. b'vl. 1006 seine Einreihung in die erste Compagnie des Corps. Bei jedem andern Prager Bürger würde diese Erfüllung der statutenmäßigen-Aufnahmsbestimmungen vollkommengenügt haben, und die überwiegende Mehrzahl' der Mitglieder des Corps ist auch der Meinung, daß sie nicht minder bei dem israelitischem Bürger genüge. Anderer Ansicht jedoch war 39**

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