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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-23 · Heft 39 (23.9.1862) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 39 (23.9.1862)
Date
1862-09-23
Page
Seite 556 (sequence 10)
Language
German
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556 ten ist dieses, Erkenntniß unterm 20. Juni 1862 von dem königlichen Appellationsgerichte, zu Stettin bestätigt worden. Kegen, dieses Erkenntniß hatten die Verurtheilten noch.die Nichtigkeitsbeschwerde eingelegt und. nicht blos Beschränkung der Verteidigung, sondern auch noch Verletzung des K. 102 des.Strafgesetzbuches' behauptet, weil ein jüdischer Gemeindevorsteher nicht zu den öffentlichenBeamten zu rechnen .sei.: Die Nichtigkeitsbeschwerde gelangte am 5. d. M. zur Verhandlung vor dem königlichen. Ober-Tribunale, wurde aber, dem Anträge des Vertreters, der General-Staatsanwaltschaft entsprechend, als unbegründet zurückgewiesen. Aus demPosenschen, 7. September. (Privatmitth.) In Posen. wird durch den neuen Prediger des Brüder- Vereins,. Herrn Dr* Perles, die Errichtung einer Religionsschule angestrebt, welche, sich indeß nicht blos auf die Kinder der Vereinsmitglieder beschränken, sondern vielmehr eine Anstalt.werden soll, in welcher Alle, die sich, melden und den festgesetzten Beitrag zahlen, Aufnahme finden..; In Lissa ist Seitens der Gemeindebehörden der Beschluß gefaßt worden, den, etwa schon ein halbes Jahrhundert erledigten Rabbinerposten nuymehr wieder zu besetzen i und-Mar mit einem Manne, der ebensowohl auf talmudischem Gebiete einheimisch, als auch den Anforderungen der Gegenwart^ Rechnung zu tragen versteht... Er soll, — obwohl in Lissa noch Beth-Din (Rabbinats-Collegium) besteht — poch nichtsdestoweniger in allen rituellen und kasuistischen Fragen gründlich entscheiden; aber auch einen guten deutschen Vortrag halten und, was Hauptsache ist, einen zeitentsprechenden, guten -Religionsunterricht ertheilen können. Was diesen letzten Punkt anbelangt, so ist — wie wir hören — schon dafür gesorgt, daß der aufzunehmende Gemeinde- Rabbiner am dasigen Gymnasium, das von jüdischen Schülern stark frequentirt ist, als Religionslehrer beschäftigt und hierfür, besonders aus der betr. öffentlichen Kasse besoldet wird. Mittelst Rescripd vom 18. Juli e. sind sämmtliche Magistrate des Posener Departements Seitens der Regierung von Posen, unter Hinweisung auf Art. 14 der Verfassung, nachdrücklichst daran erinnert worden, wie sie-darauf, zu sehen hätten, daß für städt. Elementarschulen, denen auch Juden einverleibt sind, für die Folge nur Christen zu Schulvorstehern gewählt würden, weil Juden die Aufsicht über christliche Kinder, nicht übertragen, werden könnte. — Nichtsdestoweniger ist neulich in der Kreisstadt. Kröben, welche eine Simultanschule hat, von Seiten der Schulpatrone und christlichen Wähler der. jüdische Kaufmann Samuel Läskowicz in den Ortsschulvorstand wiedergewählt worden. : Die große Majorität, welche ihn wieder wählte, war hierbei, wie sie ausdrücklich erklärte, von den beiden Motiven geleitet, daß das langjährige -Schulvorstandsmitglied S. L. um die Hebung und-Förderung des städtischen Schulwesens sich wirkliche Verdienste erworben habe; 2) weil die jüdischen Einwohner des Orts Behufs Erhaltung der Schule gehörig belastet seien und daher dem Grundsätze: „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte" auch Rechnung getragen werden müsse. — Von der „Kreuzzeitung,, wird wie man sich denken kann — die Wiederwahl des S. L. als offene Renitenz gegen die Obrigkeit gegeißelt.. Ein jüdischer Kaufmann C. in Exin war von der dasigen Stadtverordneten-Versammlung zum Schiedsmann gewählt, seine Wahl indeß von der Regierung zu Bromberg nicht bestätigt worden. Herr C., in der Meinung, sein Glauben sei der Grund der ihm wiederfahrenen Zurücksetzung, , wendete sich Beschwerde führend an den Ober-Präsidenten von Posen. Der.ihm von dieser Stelle aus gewordene Bescheid belehrte und beruhigte ihn dahin, daß nicht die Religion, zu der er sich bekenne, sondern vielmehr nur seine völlige Unkenntniß der polnischen Sprache das Hinderniß sei, welches seiner Wahl als Schiedsmann (in einem Orte, wo das polnische Element vorherrschend) im Wege stände. In Gollub (Westpreußen), wo das Stadtverordneten-Collegium zur Hälfte aus Juden besteht, hatten diese Letzter» Einen ihrer Glaubensgenossen, den Rentier Nathan Cohn als Candidaten für den Bürgermeisterposten ausgestellt und schließlich seine Wahl auch durchgesetzt, — ein Sieg, der ihnen um so leichter werden mußte, als ihnen im Wahlkampfe nur die polnische Partei gegenüberstand, da die deutschen Mitglieder des Collegii ihrerseits der Abstimmung sich gänzlich enthalten hatte. Wie man sich aber leicht denken kann, so fehlt es nicht an Protesten,'Petitionen rc., welche die Wahl rückgängig machen wollen. Vor dem Wahltage gab's übrigens in G. schon genug der heftigen Conflicte zwischen den Christen und . den Juden, wobei es die Letzter» ihrerseits — so sonderbar, dies auch klingen mag — sogar, an, öffentlichen Demonstrationen nicht fehlen ließen. — Es muß indeß noch bemerkt wer-

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