Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1862)
- Date
- 1862-09-23
- Page
- Seite 552 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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hierdurch der Beweis geführt worden, wie sich die Israeliten in die Regionen der Philosophie zu erheben verstehen, und bezeugen, daß es in allen Religionen intelligente Männer giebt, welche den Fortschritt der Menschen verfolgen und fördern." Es thut uns leid, daß der einzige Tadel, der in dieser Kritik Wider uns ausgesprochen wird, darin besteht, als ob wir den Talmud in parteiisch günstigem Lichte betrachtet hätten, während doch die Verirrungen^ desselben durch Eisenmenger aufgedeckt seien, Man sieht hieraus abermals, daß das Gift, welches einmal ausgespritzt worden, aus den Adern der Anschauung und Beurtheilung gar nicht herauszubringen ist. Da der in jeder Hinsicht unparteiisch sich bewahrende Verfasser der Recension im Moniteur „die Originalität und Gründlichkeit" unserer Arbeit hervorhebt, so hätte er doch voraussetzen müssen, daß wir auch den Talmudismus von objectivem Standpunkt behandelt hätten. —- .Angekommen: Jahrbuch für Israeliten 5623. Herausgegeben von Josef Wert he im er und Dr. Leopold Ko mp ert. Neue Folge, neunter Jahrgang. Wien, 1-862. — Der Ehristenspiegel; als Widerlegung der im „Judenspiegel" gegen die Emancipation der Juden aufgestellten Behauptungen) von Baron L. Dirckinck-Holmfeld. Hamburg 1861. Cottbus, 5. September, 1) Psalm 4L, componirt zur Feier der Einweihung des neu erbauten jüdischen Krankenhauses zu Berlin von L. Lewandowski. Berlin, in Commission bei Gaillard. 2) Psalter. Zweistimmige Motetten, Hymnen und Psalmen für Schule und Gotteshaus, componirt von; L. L e wandow sck i. Berlin, Poppelauer..—- Die soeben genannten Compositionen tragen den Stempel eines musikalischen Adelsgepräges auf der Stirn und bekunden einen so feinen Takt, eine scheinbar so angeborene Gewandtheit und Sicherheit in der Handhabung der Form, daß der Componist auf diesem Gebiete als vollkommener Gentleman betrachtet werden muß. — Weniges für die Synagoge Bestimmtes wurde und wird geschrieben, das sich Diesem in Bezug auf wahrhaft noblen Sinn und wahrhaft musikalische Begabung auch nur im Entferntesten an die Seite zu stellen vermöchte. — No. 1 ist ein zartes, tiefempfundenesLied, das an Mendelssohn'sche Feinheit und Grazie erinnert, und das, , im Concertsaale vorgetragen, gewiß nicht verfehlen wird, den besten Eindruck zu machen, das ich aber in der Synagoge nicht hören möchte. Aus welchem Grunde, das möge eine Stelle-beweisen, die ich meinen in No. 20 des.„Jüdischen Volksblattes", abgedruckten Reiseplaudereien entnehme: >. . „Denken wir uns eine Venus von Tizian, eine niederlän^ dische Bauernscene von Ostade, einen Tanzmeister von Wattrau, oder etwas Gemächliches von Meyerheim, welche Bilder im Salon mit Vergnügen betrachtet werden würden, als Bilderschmuck einer Kirche, so würden sie unbedingt den einheitlichen Eindruck stören, den das Gotteshaus auf uns machen soll und nach dem Alles, was wir darin hören und sehen, den frommen Empfindungen, mit denen wir dasselbe betreten, angemessen sein muß." No. 2 sind zweistimmige Gesänge für Schule und Gotteshaus bestimmt, die Texte, außer den Psalmen, von Horwitz, Apolant, Wolf, von denen sich hauptsächlich L a und 1) durch schöne, zUr Composition geeignete Gliederung auszeichnet, wodurch es dem Componisten um so leichter gelang, eine unübertrefflich schöne Steigerung hervorzubringen. Was die einzelnen Ehoralsätze anbetrifft, so gilt für sie mehr oder weniger alles Das, was ich über No. 1? gesagt) dagegen sind der Eingang zu 1 und die fugenartig gehaltenen Sätze von einem classisch würdigen Geiste durchweht. -—Zweistimmig zu componiren ist bekanntlich nicht ganz leicht, wenn man sch nicht-fortdauernd in sogenannten Bettel-Terzen und -Sexten bewegen will. Größtentheils hat nun der Componist in diesen Gesängen den wahren zweistimmigen 'Satz festgehalten, bei dem jede Stimme eine für sich, bestehende sangbare Melodie bildet, nur hat er sich dabei nicht jener Einfachheit befleißigt, wie sie der Zweck der Arbeit, die ja für Schule und Gotteshaus*) bestimmt ist, bedingt. Einestheils begegnet man zu vielen schwierig zu treffenden Intervallen, anderntheils bereitet die zu reiche Figuration, wie z. B. auf S. 13, der Ausführung mit nicht geschulten Sängern allzu große Schwierigkeiten. — Ein großes Verdienst hätte sich der Componist erworben, wenn er einige dieser Compositionen in leichter, dreistimmiger Bearbeitung gegeben hätte. Gerade an leichten dreistimmigen Sätzen, vielleicht für Bariton, Alt und Sopran, haben wir Mangel (Sulzer's sind nicht für ungeschulte Chöre), und sie sind eben so leicht ausführbar wie zweistimmige, da selbst in der kleinsten Gemeinde wenigstens eine zur Mitwirkung im Chor geeignete Männerstimme anfzufinden sein wird.**) , Zuletzt erlaube ich mir noch auf einen Druckfehler *) Doch für das Gotteshaus kleiner^Gemeinden l **) In meiner Gemeinde werden alle Gesänge bei'm