Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1862)
- Date
- 1862-09-23
- Page
- Seite 551 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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551 ders wo diese zu eigener Staatsbildung schon gediehen ist, aber als einzige Unterlage der letzteren nicht anzunehmen. „Unsere besten Völker sind Mischvölker, die Franzosen und Engländer vor Allem, die Deutschen sind es großenteils; ein noch sehr urstämmiges Volk — einige Tatarenmischung abgerechnet — sind die Russen; aber wie tief stehen-sie noch! Die Polen, auch ein in seinem Kern ursprünglicher Volksstamm, leben nur noch als Unterdrückte, und die Juden, das reinste, unvermischteste Volk auf der Erde, haben sogar den Boden verloren, auf dem sie heimisch waren. — Zeichen genug, daß es Höheres giebt, als die Naturverwandtschaft!" Was Varnhagen von Ense besonderL auszeichnet, ist, wie er es versteht, die bedeutendsten Gedanken und Beobachtungen mit den einfachsten, klarsten und ungezwungensten Worten auszusprechen. So finden wir im fünften Bande der Tagebücher S. 244: „Ich ging trotz des Regens aus, sah mir auf dem Gensd'armenmarkte den Volksverkehr an. Ich war wiederum sehr erstaunt über die zunehmende Bildung und Sittigkeit der unteren Classen, ich hörte kein schlechtes Wort, aber manches gute; auch erlauschte ich einigepolitische Aeußerungen, die sich auf die Nationalversammlung und ihre Behandlung der Arbeitersache bezogen, sie waren guten Sinnes, voll geduldigen Vertrauens und nicht übertriebener Erwartungen. Was vernahm ich dagegen in diesen Tagen, theils unmittelbar, theils mittelbar, für rohe, brutale Ausdrücke aus vornehmen Kreisen, unbarmherzige, schändliche Wünsche, gemeine, schlechte Denkart! Wahrlich, die Bildung schwindet oben sichtbar ein, oder vielmehr der Firniß, der sie verstellte, und darunter sind die nichtswürdigsten, rohesten Gesinnungen, die häßlichste Selbstsucht. Nächst den Vornehmen sind die Gelehrten am meisten mit von dieser Art, mancher berühmte und gelehrte Professor zeigt eine Denk- und Sinnesweise, braucht Ausdrücke, die man jetzt von keinem Karrenschieber und Gassenkehrer mehr hört." Wer hat die Wahrheit dieser Worte von 1848 an mehr empfunden, als wir Juden? Die Art und Weise, wie sich die die Ansichten der Aristokraten vertretende und von ihrem.Gelde erhaltene Presse, wie die „Kreuzzeitung", das „preußische Volksblatt", der „Magdeburger Correspondent", das „Nathusius'sche Volksblatt", das „Vaterland" des Herrn Keipp u. s. w., sich über uns aus sprach, Gift und Galle speiete, die gemeinsten Schimpfwörter gebrauchte, die niedrigsten Lügen nicht scheuete, führt genugsam den Beweis. Literarisch er Doch errbencht. Bonn, im September. Eine werthvolle Bereicherung hat jüngst die Spinoza-Literatur durch zwei bei Friedrich Müller in Amsterdam erschienene Schriften des holländischen Professors I. van Bloten zu Deventer erhalten. Die eine ist ein Supplement zu Spinoza's nachgelassenen Schriften, welches außer dem bis dahin nicht veröffentlichten Tractat über Gott und den Menschen und dessen Wohlsein, einen Tractat über den Regenbogen, einige bisher unveröffentlichte Briefe und Nachträge zur Lebensbeschreibung des Philosophen, mit einem Faksimile seiner Handschrift und einer Photographie des im Besitze von Spinoza's Hauswirthe van der Spyck befindlichen Gemäldes Spinoza's enthält. Gleichzeitig gab der Herausgeber eine holländisch geschriebene, seinem LaNdsmanne Jacob Moleschot gewidmete Lebensbeschreibung Spinoza's heraus, die jedenfalls unter allen bisherigem die vollständigste ist. Wir werden auf den Inhalt dieser Schriften zurückkommen. — Von der neuen Ausgabe des Philippson'- schen Bibelwerkes (ohne den hebr. Text und die Jllustr.) sind bereits 4 Lieferungen'des 1. Bandes, die bis in die Mitte des 2. Buches Mosis reichen, und 2 Lieferungen des 3. Bandes, die den ganzen Jesaias enthalten, erschienen. Die Lieferung kostet 12 Sgr. — Dr. L. A. Frankel hat zur elfhundertjährigen Jubelfeier in Teplitz einen schöngedichteten Prolog verfaßt, der im dortigen Schloßtheater aufgeführt und zu wohlthätigen Zwecken veröffentlicht worden. Bonn, 14. September. Wir haben unsere Leser in No. 37 von einer tendenziösen Kritik der französischen Uebersetzung unserer Vorlesungen „über die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthume, Christentums und Islam" in der kevue de rinstruclion publique unterhalten. In diesen Tagen wurden wir von einer Recension derselben Schrift im „Moniteur", bekanntlich dem officiellen Journal der französischen Regierung, in der Nummer vom 9. September überrascht. Diese Kritik von Ernest Menault enthält eine ausführliche Analyse unserer Schrift, und zwar in durchaus belobendster Weisem Sie schließt mit den Worten: „Wir freuen uns, daß