Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1862)
- Date
- 1862-09-16
- Page
- Seite 540 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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540 rn ü l l or i erstattete Namens der Commission.; Bericht über die Frage, wie das von einer verfassungsmäßigen Anzahl ' stimmfähiger Bürger gestellte Begehren um gänzliche Abänderung des Judeneinbürgerungsgesetzes weiter zu behandeln sei. Die Commission stellt einmüthig folgende Anträge: - -- „Der Regierungsrath wird eingeläden, bis zur nächsten Wiederversammlung des Großen Rathes im November entweder s) Anträge für Abänderung des Gesetzes über Organisation der israelitischen Gemeinden dem Großen Rathe vorzulegen, oder aber - t>) Nach Mitgabe des §. 48. der Verfassung das Begehren für Abänderung des Gesetzes dem Volke in den' Gemeinden zur Abstimmung zu unterbreiten. Für den Fall, daß der Regierungsrath sich für die letzere Alternative aüssprechen würde, werde demselben von dem Großen Rache die Ermächtigung ertheilt, ein bezügliches Decret zu erlassen und die benöthigten Abstimmungsanordnungen zu treffen. Für diesen Fall und falls sich die Mehrheit der stimmfähigen Bürger für Abänderung des Gesetzes aussprechen sollte, habe der Regierungsräch gleichzeitzg mit Vorlage der bezüglichen Abstimmungsprotocolle entsprechende Abänderungsanträge dem Gr. Rache vorzulegen." Der Antrag der Commission wird zum Beschluß erhoben. Rußland. , Mitau, im August. (Privatmitth.) Bei der Anwesenheit Ihrer kaiserlichen Majestäten Hieselbst am 10. Juli. d. I. wurde Höchstdenselben von der Mitau'schen Ebräergemeinde während der Cour im Schlosse durch eine Deputation, bestehend aus den Herren: Rabbiner Pucher, Beamten Wagenheim, dim. Steuerältesten Rappenheim, Kronslehrer und Translateur R. I. Wunderbar, Kaüfleuten S. Friedlieb , I. H. Marcus, Sala Löwensohn, Banquier Stern Und Steuerältesten Michelsohn, Jsaacsohn und Wulfsohn, Brot und Salz nebst *) Die kunstvoll gearbeitete silberne Schüssel, auf welcher sich das Brot befand, sowie auch das Salzgefäß, gingen aus dem Atelier des hiesigen Goldarbeiters Danneberg hervor, und die an denselben ciselirten Gemälde (die Scene aus der Bibel 1. B. Mos. .18, 1 ff., nämlich des Patriarchen Abrahams Bewirthung der Engel darstellend) sind vom Kunstmaler Döhringer aus Dresden angefertigt worden. einem Album überreicht, welche Se. Majestät nicht nur wohlwollend anzunehmen geruhte, sondern den erwähnten Rabbiner auch in huldvoller Herablassung einer gnädigen Ansprache würdigte.— Ebenso haben die Repräsentanten der Libau'schen Ebräergemeinde das Glück gehabt, Ihren Majestäten bei Höchstderen dortiger Anwesenheit Brot Und Salz zu überreichen. Auch hat Seine kaiserliche Hoheit der Großfürst Thronfolger geruht, am Sonnabend den 28. Juli mit Ihren kaiserlichen Hoheiten dem Großfürsten Wladimir Alexandrowitsch, den Prinzessinnen Maria und Eugenia und den Prinzen Sergei und Georg von Leuchtenberg in Begleitung Hochderen Gefolges die dortige Synagoge mit Höchstihrem Besuche zu beehren und dem Gottesdienste beizuwohnen, bei welcher Gelegenheit der erwähnte Mitau'sche Rabbiner eine entsprechende Predigt hielt. — In Riga haben der dortige Rabbiner, vr. Neumann, und das Haupt der Gemeinde, S. Bloch, die Ehre gehabt, Ihre Majestäten mittelst Überreichung eines Albums zu bewillkommnen, wobei sowohl der Kaiser als die Kaiserin den erwähnten vr. Neumann einer huldvollen Ansprache würdigte. Warschau, Freitag, den 29. August. Der Rabbiner Meisels, der Prediger Iastrow und der Lehrer Kram stück sind amnestirt, die Rückkehr nach Warschau ist ihnen gestattet worden. Nach dem „Dziennik" sind mehrere Theilnehmer an geheimen Umtrieben entdeckt worden. Warschau, 2. September. Es ist die Declaration des Juden - Emancipations - Gesetzes erschienen, wonach von jetzt ab Israeliten zu Mitgliedern und Ober-Meistern der Handwerker-Innungen, so wie zu Kaufmanns- Aeltesten, Börsenvorstehern und Bankräthen, hier uneigentlich Commerzienräthe genannt, da die Wahl nur auf drei Jahre gilt — gewählt werden können. Petersburg, 20. August. In Saratow wurden 63 Juden unter der Anklage, Christenblut bei religiösen Ceremonien vergossen zu haben, im Jahr 1853 vor Gericht gestellt;«Kaiser Nikolaus setzte eine Untersuchungs-Commission nieder, welche den Tod zweier in der Wolga ertrunkenen Kinder den Juden zur Last legte; diese wurden gefoltert, Viele starben unter den Qualen, Andere erkauften sich Befreiung durch Uebertritt zur griechischen Kirche; das Militärgericht sprach die Juden frei, der Minister cassirte aber das Urtheil und die Sache kam an den Senat von Moskau, der