Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1862)
- Date
- 1862-09-16
- Page
- Seite 537 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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537 - Eon dem aus Amerika zurückgekehrten I. I. Benj.amin ll. ist der erste Theil seines neuen Reisebuchs: „Drei Jahre in Amerika", 1859—1862. Die östlichen Staaten der Union und San Francisco" unlängst erschienen. Wir kommen demnächst darauf zurück.— Der um die Geschichte der Juden in Deutschland sehr, verdiente Di*. Wieuer in Hannover veröffentlichte in der //Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen" eine lehrreiche Abhandlung unter dem Titel: „Die Juden unter den braunschweigischen Herzögen Julius und Heinrich Julius" mit vielen bisher ungedruckten Urkunden. . K. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Bayern, 27. August. (Privatmitth.) Aus unserem Bayerlande erhalten Sie selten Berichte für Ihr gesch. Blatt. Das rührt daher, weil nur die Reaction agirt. So hat die sogenannte Orthodoxie in Würzburg es durchgesetzt, daß sie ein jüdisches Seminar für Lehrer errichten darf. Welcher Gewinn unter solcher Leitung für das Judenthum daraus entspringt, läßt sich denken. Die Hoffnung bleibt noch, daß das Project am Geldpunkte scheitert, denn da hört auch bei den Orthodoxen die Gemächlichkeit auf. — Die Rabbinate Augsburg und Bamberg .sind noch nicht besetzt; hoffen wir, daß man dort Männer wähle, die den Geist der Zeit verstehen und keine Heuchler sind, damit wieder mehr Licht ausströme und die Finsterniß verschwinde! Das Treiben des Frankfurter Vorstandes haben Sie seiner Zeit gehörig beleuchtet und derb gegeißelt. Desto auffallender ist ein Passus in dessen Ausschreiben: daß für einen Theologen ein bedeutender Wirkungskreis dort sei. Worin besteht dieser? Etwa daß der künftige Rabbiner jeden Sabbath vor leeren Bänken predigen darf und am Jom Kippur auch ohne vorherige Genehmigung des Vorstandes einen Schmerzensschrei ausstoßeri darf über den Verfall der Religion? Hoffentlich wird kern Theologe so charakterlos sein, unter den bekannten Bedingungen - das dortige Rabbinat anzunchmen!^- Durch die neue Ausgabe Ihres Bibelwerks haben Sie einem schon längst gefühlten Bedürfnisse abgeholfen; denn ich selbst kann nun in dessen Besitz gelangen, während ich bisher darauf verzichten mußte. Preußen. Berlin, 1. September. Dieser Tage: ward in Gollub (Westpreußen) von der dortigen Stadtverordneten-Versammlung ein Jude, der Rentner Nathan Cohn, zum Bürgermeister der Stadt gewählt, und zwar mit 6 gegen 2 Stimmen, vier evangelische Stadtverordnete hatten sich der Abstimmung enthalten. Die Wahl unterliegt nach §. 33. der Städte- Ordnung der Bestätigung der Regierung zu Marienwerder. Es ist dies in Preußen wohl der erste Fall von der Wahl eines jüdischen Bürgermeisters. — (In anderen Ländern ist die Wahl eines Juden, zum Bürgermeister keine Neuigkeit. Wie viele Maire's jüdischen Glaubens gab es schon in Frankreich; in London war Salomons bekanntlich Lordmayor: in Laeken (Belgien) war ein Jude lange Zeit Bürgermeister und trug als solcher die Geburt der belgischen Prinzen, die in Schloß Laeken das Licht der - Welt erblickten, in das Civilstandsregister ein. Herr Nathan Cohn ist auch uns von rühmenswerther Seite bekannt. Er ist ein ebenso aufrichtiger und eifriger Jude, wie patriotischer Bürger, seit langer Zeit Vorsteher der israelitischen Gemeinde, ein thätiger Agent des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur. Hoffentlich wird die Regierung die Wahl bestätigen, wodurch dann das interessante Factum sich ergeben würde, daß das Bürgermeisteramt der Stadt und das Vorsteheramt der jüdischen Gemeinde in einer und derselben Hand ruhen würden. Die Red actio n.) Nach näheren Berichten sind die sechs Stadverordneten, welche Hrn. Cohn als Bürgermeister ihre Stimme gaben, jüdischen Glaubens, die zwei katholischen wählten einen Katholiken,, und die vier protestantischen enthielten sich der Abstimmung. Es heißt auch, daß bereits Petitionen gegen die Wahl von christlicher Seite in Umlauf seien. Köln, 1. September. Wie wir seiner Zeit mitgetheilt, wurden neun Einwohner von: hier, Männer und Frauen, wegen der in der Charwoche hier vorgefallenen Judenhetze, oder richtiger gesagt, wegen der damaligen Mißhandlung eines irrthümlich für einen kinderraubenden Juden angesehenen guten Christen, am Zuchtpolizei-Gericht zu Gefängnißstrafen von drei Monaten und beziehungsweise vier Wochen verurtheilt. Das Oeffentliche Ministerium legte hiergegen Bern-