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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-16 · Heft 38 (16.9.1862) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 38 (16.9.1862)
Date
1862-09-16
Page
Seite 536 (sequence 6)
Language
German
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selben Quelle > nämlich den Hebräern und ihrem Geiste, aus uder die Klügheitsregeln des allen Testaments' geflossen? Verdanken also nicht -die Germanen das Eine wie das Andere den Juden? Aus diesem einen Satze kann darum Derjenige, welcher, „die deutsche Arbeit" des Herrn Riehl nicht gelesen, erkennen, aus welchem Geiste die beiden Capitel seiner Schrift, von denen wir sprechen, geflossen sind. Wir aber schließen, indem wir Herrn Riehl in die Erinnerung rufen, daß'derselbe Jude Salomön auch gesagt (10, 22.): „Gottes Segen, der macht reich, saures Abmühen fügt dem nichts hinzu"; daß der Jude Jeremias (17, 5 ff.) sagt: „Verdammt der Mann, der auf Menschen vertrauet, der Sterbliches zu seiner Stütze macht und deffen Herz vom Ewigen weicht: Er ist wie ein einsamer Strauch in der Steppe, der nimmer sieht, daß Glück kommt-, in dürrem Wüsteuboden steht, im Salzlande unbewohnt. Gesegnet der Mann, der vertraut auf den Ewigen, und deß Vertrauen der Ewige ist. Er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, zum Strome streckt er seine Wurzeln, der nimmer sieht, daß Gluth kommt, sein Laub bleibt grün, im Jahr der Dürre bangt er nicht, und hört nicht Frucht zu bringen auf." In diesem Geiste; wurde die heilige Schrift Israels die Lehrerin der ganzen Menschheit, und in diesem Vertrauen blieb der israelitische Stamm allen seinen Feinden Und Verächtern gegenüber bestehen! Literarischer Wochenbericht. Aus Württemberg. Der Nestor unserer Buchhändler, der als Antiquar und Alterthumsforscher bekannte I. Heß in Ellwangen, hat in einer von ihm angekauften Bibliothek ein seltenes , noch ungedrucktes Manuscript entdeckt, das nur dreimal vorhanden sein dürfte. Das Werk ist betitelt: 2->nb8 rpa und ist verfaßt von Rabbi Moses ben R. Baruch Almosnino, Rabbiner in Salonichi. Derselbe hat sich als talentvoller Prediger und Verfasser mehrerer theologischen, philosophischen und mathematischen Schriften, die meistens im Druck erschienen, einen berühmten Namen erworben. Das hier angeführte Manuscript wurde jedoch nie gedruckt. Der Verfasser schrieb es in feinem 30. Lebensjahre, Anno 1553. Es enthält eine Übersetzung der Schrift „Sfera del Mondo von Sacro-Bosco" ins Hebräische, mit Commentar und erläuternden astronomischen Zeichnungen. Die Zeichnungen sind sehr fleißig ausgeführt und verdienen als solche schon Beachtung; öer hebräische Commentar ist eine bedeutende Arbeit des Almosnino. Nach de- Roffi existiren von^diesem Werke nur zwei Exemplare, wovon eine de Rossi selbst, das andere die Bodlejanische Bibliothek besaßen. Nach Wolf Bibliotheca helr. tom. III. p. 731. soll auch in Venedig ein Exemplar dieser Schrift existirt haben. Der Schluß des Heß'schen Exemplars lautet: nnü *fta “inia■■ ■■'höbiöi so dürfte es keinem Zweifel unterliegen, daß dieses das von Wolf beschriebene Benetianische Exemplar ist. Die Einleitung beginnt auf der ersten Seite mit den Worten n-iiia nwn hut? und umfaßt 3 Seiten, auf der vierten Seite beginnt die Uebersetzung mit der Aufschrift ipvia i-ipL ►vna •nao tri-rba rva fcnpai. Auf denjenigen Blättern, wo die Uebersetzung und der Commentar nebeneinander stehen, ist die Schrift in zwei Columnen gelheilt, rechts die Ue- Lersetzung, links der Commentar. Das Manuscript in Folio, ist in zierlicher rabbinischer Schrift, wie sie früher in Italien üblich, geschrieben und vollkommen gut erhalten. Es wäre interessant, wenn ein Manuscriptenkundiger, wie der verehrte Herr Dr. Zunz, Cassel, Jellinekrc., sich über dieses seltene Werk äußern würde, das der jetzige Besitzer wahrscheinlich verkaufen wird, wenn es in einen solchen Besitz gelangt, daß die Wissenschaft daraus Nutzen zieht. Alexander Elsaß er. Endingen, im August. (Notizen.) In dem jüngsten Hefte des Jahrbuchs „Unsere Zeit" befindet sich eine treffliche Charakteristik des vor einem Jahre verstorbenen Friedrich Julius Stahl, allen Lesern dieses Blattes als Gegner der Emancipation in Preußen hinlänglich bekannt. Jedermann weiß, daß dieser als Kammerredner, Gelehrter und Diplomat berühmte Mann von Geburt ein Jude war. „Entsprossen dem Volke, deffen Unterdrückung wie eine endlose Thorheit der Völker durch die Jahrhunderte geht", heißt - es zu Ende der treuen Charakteristik, „stellte er sich auf die Seite Derer, welche diese Thorheit mit einem gewissen Fanatismus in unserem Jahrhunderte vertreten, und umgab dieselbe mit der Glorie christlicher Weltanschauung. Wenn irgendwo, so lag in dieser Stellung eine Art weltgeschichtlicher Ironie. Die stolze christlichgermanische Partei, wie sie sich mit Vorliebe nennt,, beugt sich willig unter die Führerschaft eines Abkömmlings jener verachteten Race, die, in Staat und Gesellschaft sonst mit Hohn bekämpft und zurückgewiesen, in diesem Manne ihren Fuß auf den Nacken ihrer Verfolger setzt." —-

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