Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1862)
- Date
- 1862-09-16
- Page
- Seite 534 (sequence 4)
- Language
- German
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584 da ergiebt sich auch alsbald ein sehr verschiedener Eifer für dieselbe. Wie auf der einen Seite Thätigkeit und Arbeitsamkeit^ zur wahren Luft .und Lust des, Lebens wird, so macht sich auf der anderen auch Trägheit und Müssiggaug heimisch, und bleiben nach beiden Seiten hin die Folgen und Wirkungen nicht aus. Im weitern Verlaufe der Volksgefchichte prägen sich dann diese - Erfahrungen in Kernsprüchen aus, .deren wir in der heiligen Schrift eine reiche Fülle besitzen. Diese realen Erfolge der Arbeit und des Müssigganges werden daher vorzugsweise in den Salomonischen Sprüchen dem Volke ans Herz gelegt und ihm gezeigt, daß Reichthum, Macht und Ehre, Ertrag des Fleißes, Armuth, Dienstbarkeit und Schande das Loos, des Trägen sei. Spr. Sal. 6, 6— 11. : „Geh zur Ameise, Fauler, schau ihre Weg' und werde, weise! Ihr ist kein Vogt, kein Herr: ge rüstet doch im Sommer ihre Nahrung, sammelt zur Ernte ihre Speise. Wie lange liegst du, Fauler? wann stehst du auf von deinem ■, Schlafe?, „ „Ein wenig Schlafen, ein wenig Schlummern, ein wenig Händefalten im Liegen." " Da kömmt wie ein . Räuber deine Armuth, dein Mangel wie ein Schildbewehrter."— IQ, 4. 5.: „Arm wird, wer mit träger Faust arbeitet, die Hand der Fleißigen macht reich. Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Sohn, wer in der Ernte schläft, ein schändlicher." — 12, 11.: „Wer seinen Acker baut, wird satt des Brotes, wer Müssiggängern nachfolgt, ist unverständig." — Das. 24.: „Fleißige Hand herrscht, lässige wird stöhnen müssen." — 20, 4.: „Ob Wintersturms pflügt nicht der Faule, er sucht zur Ernte, und es, ist nichts da." — 24, 30—32.: „An des Trägen Feld ging ich vorüber, an des Unverständigen Weinberg. Und siehe, in Nesseln war er aufgeschossen ganz und gar, es deckten Dornen seine Fläche, und seine Steinmauer war verfallen. Da schaut' ich dies, nahm's mir zu Herzen; ich sah's und nahm mir Warnung daraus." So wichtig und wahr diese Mahnungen und Warnungen der Arbeitsamkeit und der Trägheit im Wirklichen auch sind, und welchen nützlichen Einfluß sie, sobald sie in das Volk eingedrungen waren, auch üben mußten, so sehr müssen sie dennoch beschränkt werden, um Überschätzung des Besitzes und des Reichthums zu die Kinder der Reichen, um bei der Ernte zu helfen, sondern auch die Kinder der Armen freiläßt, um Aehren zu sammeln, so daß die letzteren sich nicht zurückgesetzt fühlen und auch ihre Erntesteude haben. verhindern, Und daß nicht die Arbeit allein um des Ertrages, sondern um. ihrer selbst willen geliebt werde. Hier ist es,, wo vor Allem der sittliche Werth der Arbeit hervorgehoben werden muß, wo immer und immer wieder. vor Habgier und Geiz gewarnt, die Nichtigkeit des Reichthums an sich erwiesen, der Vorzug der Armuth, wenn sie mit Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Unschuld verbunden ist, ins Licht gestellt und die Arbeit überhaupt nur bei vollem sittlichen Inhalt als preiswürdig und ihr Ziel erreichend gelehrt werden muß. Und dies ist es denn auch, was wir in den Salomonischen Sprüchen mit lebendigster Kraft ausgesprochen und nachdrücklich eingeprägt finden. Da heißt es.23, 4. 5.: „Strebe nicht nach Reichthum, aus Vernunft laß ab. Soll auf das dein Auge fliegen, was bald nicht mehr ist? Denn Flügel macht es sich, wie ein Adler fliegt es in die Luft." — 10, 2.: „Nichts helfen Frevel-Schätze, vom Tode rettet Gerechtigkeit." — 11, 4.: „Nichts hilft Reichthum am Tage des Zorngerichts, vom Tode rettet Gerechtigkeit." — 15, 16. 17.: „Besser ist wenig in Gottesfurcht, als großer Schatz und Unruhe dabei. Besser ein Gerichte Gemüse und Liebe daselbst, als Mastochse und Haß dabei." — 16, 8.: „Besser wenig in Gerechtigkeit, als viel Einkommen in Unrecht."— 19, 1.: „Besser ein Armer, der in seiner Unschuld wandelt, als wer falsch an Lippen, denn ein Thor ist er." Vgl. das. 22.— 20, 17.: „Süß ist dem Manne das Brot des Truges, doch nachher füllt es mit Kiesel sich." — 28, 6.: „Besser ein Armer, der in seiner Unschuld wandelt, als wer falsch auf Doppelwegen, und er ist reich." — Das. 8.: „Wer seinen Reichthum mehrt durch Wucher und Uebermaß, für den, der Arme beschenkt, sammelt er." — Das. 16.: „Wer Gewinn haßt, wird lange leben." — Das. 20.: „Ein treuer Mann ist reich an Segen, wer nach Reichthum eilet, bleibt nicht ungestraft." — Das. 22.: „Nach Reichthum stürmet der Mißgünstige, und weiß nicht, daß ihn Armuth trifft." So stellt uns also das heilige Wort die Arbeit, die leibliche und geistige, als die Bestimmung des Menschen, die aus seiner innersten geistigen Natur entspringt, daher als seine Pflicht, in deren Erfüllung er Gott selbst nachstrebt und sich heiligt, dar, zeigt auf ihren realen Erfolg hin und hebt ihren sittlichen Gehalt und Werth aus, indem es aus ihr jede Begierde nach Reichthum entfernt wissen, sie mit Gerechtigkeit und Liebe verbunden haben will und ihr den höchsten Preis zugesteht, wenn sie in Arbeitsfreude, Gerechtigkeit und Gottesfurcht