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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-16 · Heft 38 (16.9.1862) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 38 (16.9.1862)
Date
1862-09-16
Page
Seite 532 (sequence 2)
Language
German
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r>f 53S Allerthums eine Unzahl von geknechteten Menschen, welche für die eigentlichen „Bürger" arbeiten mußten. Da, wo, diese nichts ausreichten, .wo., an^-sich, freie Menschen.'die Arbeiten .der^ ^assdwerke, "des Landhaus und der Viehzucht übernahmen, bildeten diese die niedrigste und verachtetste Kaste, welche nicht blos dem schwersten Joche unterworfen, sondern mit der äußersten Verachtung und Mißhandlung gebrandWrktvwar^wahrend-rdieHWster und Krieger die Herren und die Inhaber der unverletzlichsten Ehre und Würde waren. Ueber solche Zustände konnten sich selbst die größten Denker der Griechen und der Römer, selbst ein Plato und Aristoteles nicht erheben. Diesem gegenüber bildete auch hierin die israelitische Welt, die Gesetzgebung des aus Aegypten gekommenen Moses einen vollständigen Gegensatz, und zwar, nicht etwa aus einem nationalen, sondern aus allgemein menschlichem Gesichtspunkte. Die Arbeit wird in unserer heil. Schrift zuerst als die Bestimmung des Menschen aufgestellt, woraus wiederum die Pflicht' der Arbeit hervorgeht; alsdann wird ihr materieller Vortheil und-ebenso ihre sittliche Wirkung vielfach in Betracht gezogen. Gleich nach der Schöpfung der Erde und des Menschenführt uns die heil. Schrift in einem großartigen. Gemälde die erste Entwickelungsgeschichte des Menschen vor; sie zeigt uns zuerst die -geistige Entwickelung , wie der Mensch zur ersten Sünde kam, hierin zur Erkenntniß des sittlich Güten-und Bösen gelangte, wodurch er überhaupt ein sittliches Wesen ward, das nur in dem Gegensätze von Gutem und Bösem begriffen werden kann. Hieran schließt sie den Ausspruch über die Bestimmung des Menschen zur Arbeit (1. Mos. 3, 17—19.): „Und zu Adaur sprachen : Weil du gehört hast aus die Stimme deines Weibes, und/- gegessen von dem Baume, von dem ich dir gebot, indem ich sprach: iß nicht davon, so sei verflucht der Erdboden deinethalben, mit Beschwerde sollst du von ihm essen alle Tage deines Lebens; und Dorn und Distel soll er dir sprießen lassen, und du sollst verzehren das Kraut des Feldes. Im Schweiße deines Angesichts sollst du Brot verzehren, bis du rückkehrst zum Erdreiche, denn von dem wardst du genommen, denn Staub bist du und zu Staube wirst du rückkehren." Um diese Verse richtig zu verstehen, muß man sich die ihnen zu Grunde liegende Frage vergegenwärtigen: Warum, während die Erde den Thieren Alles, was diese zu ihrer Nahrung bedürfen, frei und von selbst hervorbringt, für die dem Menschen nothwendigen Erzeugnisse erst von diesem bearbeitet werden müsse, ja diese Arbeit noch vielfach erschwere, indem sie durch das Anfschi.eßen von Unkraut,. Dornen Md Disteln wie denüMenHenHemeßbaren Gewächse .gefährdetl und. zu verdrängen sucht?-: Dieser Zustand der Erde wird als durch einen Gottesfluch .hervorgebracht angesehen, da er als eine Abweichung von der ursprünglichen Beschaffenheit der Erde erschien. Die- »ser Zustandder'IErde ist ^qber nun. die. nothwendige Unterlage für' die Bestimmung der Menschen auf Erden zur Arbeit.*) Wird aber hiermit vorzugsweise die leibliche Arbeit gemeint, so ist doch nicht damit verstanden, als ob diese'ausschließlich die Bestimmung des Menschen ausfülle. Im Gegentheil geht die Nothwendigkeit der körperlichen Arbeit erst als. eine Folge aus der geistigen Entwickelung hervor, und gleich darauf (V. 22) heißt es: „Gott sprach: Siehe, der Mensch ist worden wie Einer von uns, erkennend Gutes und Böses." Die körperliche Arbeit des Menschen beruht also auf geistiger Unterlage, wird von ihr getragen und durchdrungen. Dies ist denn auch das einzig richtige Verhältniß, denn sowohl erhält die leibliche Arbeit ihren Zweck und ihre Einrichtung vom Geiste, als auch wiederum dieser sich an jener entwickelt und sich an ihr stählt.**) Aus dieser Bestimmung fließt denn auch die Pflicht *) Man bemerke wohl, daß nicht der Mensch, sondern die Erde „geflucht", d. h. zu einer niedriger» Stufe und Beschaffenheit verurtheilt wird. **) Sehr richtig ist die Bemerkung, welche Riehl a. a. O. (S. 17Ö) macht: „Man kann nicht Llos den sittlichen, sondern auch den ökonomischen Bildungsgrad der Leute in ihrer Vorstellung vom Himmel ermessen. Der grobe Volksglaube mag sich die himmlische Seligkeit noch als ein unendliches Äusruhen und arbeitsloses Genießen ausmalen; allein schon im Mittelalter saßt Dante in seinem Himmel das selige Leben als auf erkennend Schauen gegründet (28. Gesang des Paradieses). Erkennen aber ist Geistesarbeit und zwar in ihrer höchsten Kraft. Darum denkt sich der wahrhaft Gebildete den Himmel als die fort und fort sich steigernde Arbeit der Erkenntniß und findet in der Ruhe zunächst die Last des Leibes, die uns niederzieht; in der Seligkeit der Arbeit. dagegen den Vorschmack des Himmels auf Erden. Erst dann wird man sagen können, ein Volk sei sittlich und ökonomisch durch und durch gebildet, wenn auch der geringste Mann sich .seinen Himmel nicht mehr als den ewigen Feierabend, sondern als den ewigen, seligen Arbeitstag träumt." — Richtig. Wer aber dieser Ansicht näher steht, das alte oder das neue Testament, wird jeder Sachverständige leicht entscheiden. Bei aller Voraussetzung des/Unsterblichkeitsgedankens (s. unsere „Israeli-

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