Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1862)
- Date
- 1862-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Jahrgang. Allgemeine OK JW 38. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Phrlippson in Bonn. Leipzig, den 16. September 1862. Diese Zeituug erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in l1/» bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22>/r Ngr. Inserate werden mit llJz Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr-, für '/2 Bogen 3 Thlr., für l/i Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpe« dition für beide Letztere hat sich das Köntgl. Sachs. Haupt «Zeitung»-Bureau hier unterzogen. I n h a l t. Leitende Artikel: Die Arbeit nach der heiligen Schrift. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Bayern. Preußen: Berlin, Köln, Berlin, Posen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg. S chweiz: Aargau. Rußland: Mitair, Warschau, Warschau, Petersburg. Türkei: Konstantinopel. Italien: Velletri. Frankreich: Paris. Leitende Artikel. Bonn, 8. September. Me Arbeit nach Ser heiligen Schrift. Es ist Niemandem mehr zweifelhaft, daß Scharfblick, Geistesfrische und Gelehrsamkeit durchaus noch nicht vor Vorurtheilen und offenbarer Verblendung schützen, ebenso wenig wie Sanftmuth, Gutmütigkeit, ja selbst ein liebevolles Herz vor ungerechter Abneigung und gehässigem Benehmen gegen bestimmte Gegenstände bewahren. Wenn irgend Jemand diesen Erfahrungssatz immer im Bewußtsein behalten muß, so ist es der Jude. Es wird ihm dies zu einer unabweislichen Pflicht, damit er bei den sieten Unbillen, die er erfährt, sich nicht ebenfalls zur Ungerechtigkeit hinreißen lasse, über seine Gegner ganz und gar den Stab breche und ihre guten Seiten und Vorzüge verkenne. Derselbe Erfahrungssatz muß ihn aber auch trösten, wenn er sonst bedeutende und seine Achtung in Anspruch nehmende Männer in Bezug auf ihn, den Juden, seine Religion und feine religiösen Schriften in den schnödesten Jrrthum, oft sogar in absichtliche Verblendung verfallen sieht. Diese. Gedanken kamen uns jüngst wieder, als wir die zweite Auflage von: „Die den tsch e Arbeit von W. H. Riehl, Stuttgart 1862" erhielten, und darin außer vielen Angriffen auf die Juden die zwei Capitel (S. 1.77): „Arheitssprüche des alten Testaments" und „Neutestamentliche. Arbeitsmoral" lasen. Der. Verfasser beschreitet in diesen Capiteln den bereits ausgetretenen Pfad, das neue Testament als eine höhere Entwickelung gegen das alte Testament anzusehen, und nunmehr in christlichem Eifer die Lehren und Gesetze des letzteren zu verunstalten und zu verstümmeln, dagegen die Vorschriften des elfteren als höchstes Ideal zu erklären und ihm Dinge unterzuschieben, die gar nicht darin aufzufinden. Dies veranlaßt uns, über denselben Gegenstand uns selbstständig zu verbreiten, indem wir es verziehen, den polemischen Theil nachzusenden, um so mehr, da dieser aus der vorhergegangenen Darstellung das nachdrücklichste Gewicht erhalten wird. Versetzen wir uns zuerst auf den geschichtlichen Standpunkt. Das gesummte Alterthum haßte und verachtete die Arbeit, soweit diese tncht eine politische und geistige ist. Ueberall lud man die Arbeit auf die Schultern von Sclaven, wie Sparta seine Heloten, so hatten alle Völker deS