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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-09 · Heft 37 (9.9.1862) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 37 (9.9.1862)
Date
1862-09-09
Page
Seite 525 (sequence 11)
Language
German
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5LS Haus anordnete. Esift ,bteö ber erftc Fall, daß das im Gebärhause tym einer/ledigen jüdischen Mutter zur Welt.gebrachte Kind unter, gleichen Bedingungen mit den . Kindern, katholischen -Glaubens untergebracht. wird. Damit das.Kind. aber auch wirklich im Glauben seiner Muttex. erzogen werden. könne, wird die Prager Jud.engeilreinde, wohin die. Mutter. zuständig-istaufgefordert, von.dcr Zeit en, in welcher der.Unterricht desKindes beginnt, die Obsorge für dieErziehung desselben übernehmen zu wollen. Rußland. ., Moskau, 12. August. (Privatnütth.) -Wie bekannt, werden die Juden von den. Russen durchaus nicht gehaßt, nm ist der Jude vom. Hörensagen bei ihnen-schlecht angeschrieben. In Petersburg kenn<man den Juden von einer bessern Seite, während; manhier einen europäischen Juden selten zu sehen bekömmt; man hat es meistentheils mit weißrussischen unp volhynischen Langröcken zu thun; es ist also kein Wunder, daß . aus den Moskauischen Zeitungen immer neue Anfälle auf Juden -hervorgehen. Der letzte Anfall, welchen, der Moskauische Vien (Tag) vor seinem Untergange auf uns machte, ward von dem tüchtigen Rabbiner Herrn H. Barratz aus Dubno gewandt zurückgeschlagen. . . . . Nicht ohne innerlichen Schauer^betrat ich das ehe-, maligeMhettoder hiesigen Juden, das sogenannte Gle- L.owgkoe Podworje, welches mvch -jetzt den Tummelplatz der.Judenschaft bildet: eiy kolossales Gebäude mit schmutzigen Zimmern, und mit noch, schmutzigern Garküchen, dessen. Hof ganz, von jüdischen Frauen und Kindern vollgefüllt ist. Letztere haben ihren Aufenthalt daselbst durch die. gütige - (odervergütigte) Nachsichtder Herren Quartalaufseher. Ich fühle mich ganz wie in der jüdischen Gasse in .Wilna.. — Es wird noch lange dauern, bis der Russe einen Juden achten wird,.wenn-auch -dieserihm seinen Thee und-seine Manufacturwaaren abkauft. . , Man. erwartet hier ein gutes Manifest zum 26. August d. J...... . .; Friedrichstadt in Kurland, 22^ Juli. (Privatmitth.) Seitdem unser allergnädigster Herr und Kaiser Alexander II. den ^glorreichen Thron bestiegen, ist unter Andern: auch für seine, jüdischen. Unterthanen - ein e - glücklichere Zeit eingetreten und der dunkle: Dornenpfad derselben duxch xjnen belebenden >Lichtstrahl erhellt worden. ~ Die Nachricht von der Ankunft des hohen Kaiser^ Paars in unsere. Gegend erfüllte Aller Herzen — auch die. der Juden — mit Wonne, und ein-Jeder wollte es ermöglichen, das vielgeliebte Herrscherpaar zu sehen, welches im ganzen großen Vaterlande Freude und Segen verbreitet. ,; Das Gut Kokenhusen war für uns Friedrichstädter der Ort, - an welchem unsere Wünsche in -dieser Beziehung am 8./20. d. M. zunächst erfüllt werden konnten, indem hier Ihre Majestäten — laut dem vorangehend veröffentlichten Programm — sich 24 Stunden aufhalten sollten. Das genannte Gut liegt in Lievland nach der kurländischen Seite, etwa 3 Meilen von Friedrichstadt und 4 Meilen von Jacobstadt, und der Dünaström bildet die Grenzscheide. — Wir machten uns am frühen Morgen dieses' mit Ungeduld erwarteten denkwürdigen Tages'nach Kokenhusen auf, aber unsere freudige Hoffnung wurde plötzlich in tiefen Schmerz verwandelt, als wir bei unserer Ankunft daselbst erfuhren, daß der Riga-sche Herr Ordnungsrichter, Baronv. Vietinghoff, angeordnet habe, es dürfe kein einziger Jude sich in Kokenhusen zeigen, und zwar — weil den Juden der Aufenthalt in Lievland nicht gestattet ist, — daß bereits sogar, mehrere Verhaftungen von Juden stattgefunden hätten und daß es zumal den Bootsführern untersagt worden, Juden von Kurland über den Dünastrom nach Lievland zu ibefördern. Diese Anordnung fand willige Befolgung, denn wo wird der Jude nicht hintenangesetzt und bedrückt,- zumal wenn man sich auf obrigkeitliche Anordnung stützen kann?! — Hier aber tritt die Frage in den Vordergrund: „War der Herr Baron v. Vietinghoff berechtigt oder etwa - garverpflichtet, die Juden -von der Empfangsbegrüßung des vielgeliebten Herrscherpaars auszuschließen? " Er war es n ich t! nicht nur, wenn er in dem humanen Sinne des hochherzigen Kaisers, sondern auch selbst im Sinne des freilich- -nicht eben so humanen Gesetzes, in Folge dessen den Juden der Aufenthalt in-Lievlandverboten ist, handeln wollte. . Denn - schwerlich wird es dem Gesetzgeber, der dieses Verbot unter dem Einflüsse Gott weiß welcher der damaligen Zeit angemessenen--Motive und Verhältnisse statuirt hatte, in den Sinn gekommen fein; daß die Tragweite dieses Verbotes sich bis auf die gegenwärtige Zeit und auf den -gegenwärtigen Falk ausdehnen sollte ... : Aber der Herr Baron v. Vietinghoff verfolgte wohl bei diesemseinem Verfahren eine ganz andere, freilich eben : näherliegende Tendenz, — nämlich die der Intoleranz 37 **

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