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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-09 · Heft 37 (9.9.1862) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 37 (9.9.1862)
Date
1862-09-09
Page
Seite 521 (sequence 7)
Language
German
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Lehrensteinsfeld (Württemberg), im August. (Privatmitth.) Am 9. d. M. feierte die hiesige israelitische Gemeinde ein erhebendes Fest. Es wurde-nämlich durch den Oberamtmann Burger aus Weinsberg der neu ernannte Bezirksrabbiner, Herr vr. Engelbert aus Colberg, auf eine ansprechende Weise in seine Stelle eingeführt.. Mit sehr entsprechenden Worten wies der Herr Oberamtmann auf die erst in der neuesten Zeit den Israeliten eingeräumten Rechte hin und hob die bedeutenden Anforderungen hervor, welche aus dieser günstigen Stellung für das geistliche Oberhaupt wie für die gesammte Gemeinde erwachsen. Bei dein Festessen, das dem Herrn Rabbinen zu Ehren veranstaltet wurde und dem sämmtliche Gemeindemitglieder in heiterer Stimmung beiwohnten, wurde dem verehrten Geistlichen unter freundlicher Ansprache des Lehrers ein silberner Pokal verehrt. G. Preußen. Aus der Mark, im August. (Privatmitth.) An der Beitel Heine Ephraim'scheu Lehranstalt zu Berlin werden im nächsten Wintersemester gratis lesen: 1) der Hauptlehrer vr. Leb recht: Einleitung in die talmudischen Bücher, 2 Stunden während; chaldäische Grammatik und Lesestücke aus Targum und Talmud, ebenfalls 2 St. während; 2) vr. Haarbrücker: 2 St. arabische Grammatik, 2 St. arab. Autoren und 1 St. Syrisch; 3) vr. Steinschneider: philosophisch - dogmatische und polemische Literatur der Juden im Mittelalter 2 St. und Stellen aus der. hebräischen religiös-philosophischen Literatur des telalters 1 St. Oesterreichischer Kaiserstaat. Kryniea in Galizien, Mitte August. (Privatmitth.) Der hiesige, durch seine Eisenquellen bekannte Kurort, zeichnet sich wohl vor allen andern Badeorten durch seine haarsträubende Intoleranz gegen Juden aus. Denn während anderwärts dem Badegaste, weß Glaubens er auch sein möge, alle möglichen Bequemlichkeiten bereitet werden, legt man hier dem jüdischen Patienten alle nur erdenkbaren Hindernisse in den Weg. Folgendes möge zur Charakterisirung dieses Verfahrens dienen.— Nicht zufrieden, dery Juden eine besondere Abtheilung Badezellen anzuweisen, die blos aus einigen Zellen bestehen, 521 läßt man es ihnen in diesen an den nothwendigsten Utensilien, als Spiegel, Sessel rc. fehlen, ja unterläßt es sogar, den Fußboden zu waschen, wodurch die Badekammern in einen widerwärtigen und ekelhaften Zustand gerathen. — Zuweilen ist der jüdische Kurgast des Morgens am Genüsse des Gesundbrunnens deshalb gehindert, weil dicht an der Quelle eine Capelle erbaut ist, wo die nichtjüdischen Kurgäste ihr Gebet verrichten. Außerdem wird der Jude bei der Quelle schon durch das Betragen der Brunnenmädchen gekränkt, die Leim Einschenken des Wassers den Nichtjuden, und mag er selbst ein Bauer sein, stets bevorzugen. — Die ärarischen Wohnungen werden höchst selten an einen Juden vermiethet. — Sehr bezeichnend für die Höhe, auf welche hier die Intoleranz gelangt ist, ist auch das Factum, daß der Briefträger, ein einfacher Bauernjunge, die Briefe in zwei Abtheilungen scheidet: die einen für Christen, die andern für Juden. Im Grunde kann man es dem untergeordneten Beamten nicht verargen, da er von den Höhergestellten, dem Brunnenarzte, Inspektor rc., dasselbe Verführen bethätigt sieht. Daß der jüdische Arme in keinerlei Weise berücksichtigt wird und von den 400 für Arme bestimmten unentgeltlichen Bädern einem Juden kein einziges zu Theil wird, obwohl die Juden, die ungefähr den dritten Theil der Gäste bilden, dieselbe Kurtaxe bezahlen, wie die Christen, kann bei solchen Zuständen nicht Wunder nehmen. Wäre das Bad eine Privatanstaltmöchte die Sache nicht so auffallend und empörend sein, so aber ist es Eigenthüm der Regierung, die doch die Gleichstellung der Juden proclamirt hat, und müssen wir daher der schon öfters in den Zeitungen ausgesprochenen Meinung, als ob viele an höchster Stelle getroffene Anordnungen von den Unterbehörden nicht ausgeführt würden, beistimmen. Geben wir der Hoffnung Raum, daß bei Errichtung des neuen Badehauses die hohe Regierung die strengsten Instructionen behufs völliger Gleichstellung an die hiesige Badeverwaltung ergehen lassen werde.— -Was die cultuellen Zustände der hiesigen Israeliten betrifft, so übt leider der heilige Mann zu Neu-Sandez einen viel zu großen Einfluß ans dieselben aus. Das nrd nr eps-ip bn-nu'' bv> wird hier aufs Strengste gehandhabt; sö hat z. B. ein gewisser S. B. vom Badeinspector erwirkt, die Israeliten 'am 9. Ab nicht baden zu lassen,, unter dem Vorwände/ daß dies Pie größte ReligionSentweihung sei, und kostete es einigen kranken Frauen , denen das ununterbrochene Baden anbefohlen

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