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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-09 · Heft 37 (9.9.1862) · p. Seite 520

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 37 (9.9.1862)
Date
1862-09-09
Page
Seite 520 (sequence 6)
Language
German
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Mals einen Sieg. Die wegen des „Juvengesetzes" von der ultramontanen Agitation mit den verwerflichsten Mitteln angefochtene Regierung, wurde, gestern vom neuen Großen Rathe wieder neu gewählt.. Die Abberufung des Großen Rathes zielte hauptsächlich auf Abberufung der Regierung und namentlich des Herrn Keller. Allein dem Großen Rache-wurde der.Kampf über die.Frage: ob die Regierung abberufen werden sollte oder nicht? dadurch erspart, daß diese ihr Mandat in feine Hände zurückgelegt hatte. , Die jüngsten Vorgänge hatten das Gute, daß sie die Liberalen zum Aufpassen , geweckt, damit sie sich jetzt zusammenschaaren und organisiren, um compact und disciplinirt auftreten zu können. Schon in den Vorkämpfen, Mittwoch den 20. d. M., bei Untersuchung der beanstandeten Kreiswahlen zeigte sich, weß Geistes Kind die Majorität unseres neuen Großen Raches sei. .Mit 88 Stimmen gegen 70 wurden die Herren Min, Redacteur der Schweizerzeitung in Luzern, und vr. Iehle von Bremgarten, die einzigen Capacitäten der ultramontanen Partei, wegen Ungesetzlichkeiten der auf sie gefallenen Wahlen aus dem Großen Rache hinausgemustert. Nun ging es zur Constituirung der Behörde. Als da Herr Siegfried hinzukommen, welche die Kluft zu einer völlig unausfüllbaren erweitern; die Debatten über den Jutrosinski'schen Fall geben hierfür den besten Beleg. Herr v. Mühler hat als langjähriger Hülfsarbeiter im Consistorium und im Oberkirchenrathe Kenntnisse über eine Menge von Specialvorschriften und Gesetzen sich angeeignet, aber er war niemals berufen, das Staatsgrundgefetz zu interpretiren oder dasselbe nach seinen großen. Grundsätzen anzuwenden. Wir wundern uns also gar nicht mehrdaß der gegenwärtige Cultusminister mit Hülfe der ihm geläufigen Specialgesetze das Generalgesetz des Landes, die Verfassung, als unzureichend bei Seite zu setzen versucht. Man hört aus Herrn v. Mühler den Zögling der Stahl'schen Schule heraus, in juristischer wie kirchlicher Beziehung. Zur größten Ueberrafchung des Abgeordnetenhauses haben wir plötzlich in Preußen lauter christliche Gymnasien und Confessionsschulen, eine Ansicht; die auch Bethmann - Hollweg theilte, der aber, , wie constatirt werden muß, einige Tage nach der Debatte über die Iutrosinskissche Petition doch vörzog, sein Portefeuille an den Grafen Schwerin abzugeben. Herr v. Mühler bleibt zweifelsohne im Amte, auch seine übrigen College». Nun fragen wir, was aus dem täglich sich steigernden Mißverhältnisse zwischen Regierung und Kammer werden soll, und wir fragen ferner, ob das Ministerium glaubt, es werde nach Vorgängen, wie den bisherigen, die nichts als Niederlagen waren, in der Hauptfrage einen Triumph feiern? Es konnte das Abgeordneten-, haus nicht unpolitischer behandelt werden." von Zofingen mit 90 Stimmen gegen 60 heim ersten Wahlgange aus der Wahlurne hervorgegangen, da fiel den Liberalew ein Stein vom Herzens Als Vicepräsident wurde Herr Waller mit 78 Stimmen gegen 73 gewählt. Siegfried und Waller sind Männer aus der alten Garde der Liberalen. (Letzterer zeichnete sich besonders in den Vierziger Jahren durch persönlichen Müth aus, indem er sein Leben mehrmals für die gute Sache in die Schanze schlug), Männer., die auf; der Höhe der Cultur stehen, ausgezeichnete Redner und energischen Charakters. Beide waren früher lange Jahre in der aargauischen Regierung und sind jetzt Mitglieder des Nationalrathes. „Ihr Name gilt was in der Gemeinde." Erfterer sprach sich, wie wir ftüher berichteten, in dem Programme an seine Wähler entschieden über die! Verwerflichkeit der Agitation gegen die Emancipation der Juden aus. Daß dieses Resultat für uns Juden ein erfreuliches ist, das begreift Jeder, der die Geschichte des Aargaus in den jüngsten Tagen verfolgt hat. War ja die „Judeneinbürgerung" die Handhabe der Agitation und „Rücknahme des Judengesetzes" ihr Losungswort. Daß nun gerade wieder die Männer sogleich aus, der Wahlurne hervorgegangen, die von jeher für unsere Sache gekämpft haben, entschädigt uns für die trüben Tage der jüngsten Zeit. Mit den neuen Wahlen hat das liberale System nicht nur keinen Stoß erhalten, sondern es gehtverjüngt und neu gekräftigt aus dem Kampfe hervor. Nachdem die Sonne der Freiheit auf eine kurze Zeit durch die Nebel des Ultramontanismus verdunkelt war, steigt sie wieder neu gestärkt in ihrer Anmuth hinter den Bergen hervor. — . P. 8. Nur zwei Mitglieder aus der alten Regierung wurden nicht mehr gewählt und zwar nicht aus politischen, sondern Privatgründen; für sie aber wurden ebenfalls tüchtige liberale Kräfte in die Behörde gebracht. Fünf Mitglieder gingen beim ersten Wahlgang aus der Wahlurne hervor. Auch Herr A. Keller ist in den neuen Regierungsrath wieder gewählt, und somit hat die Jesuitenpartei auch ihre letzte Karte vergebens ausgespielt. D r e i f üs. Zeitungsnachrichten. Deutschland. . Hannover, 28. Jüli. (Privatmitth.) Die jüngste Volkszählung hat ergeben, daß in dem Königreich Hannover sich 12,058 Israeliten befinden.

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