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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-09 · Heft 37 (9.9.1862) · p. Seite 519

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 37 (9.9.1862)
Date
1862-09-09
Page
Seite 519 (sequence 5)
Language
German
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519 er -Jude sei. Cr richte an den Herrn Minister die Frage, wie er denn einen Juden als Lehrer der Geschichte und gar speciell der Geschichte' des Mittelalters an hiesiger Universität habe anstellen können? Allerdings sei dieser Jude zufällig der beste Kenner der Geschichte des Papstthums und habe das beste Werk über die Regesten der Päpste geschrieben. Es handle sich ihm übrigens in erster Linie nicht sowohl um den vr. I., als darum, ob der Minister das Recht habe, in das Selbstverwaltungsrecht der.Communen einzugreifen. — Der Cultus minister: Er habe einen Juden als Professor der Geschichte nach Berlin berufen dürfen, weil das Gesetz vom 23. Juli 1847, ihn dazu berechtige. Dasselbe unterscheide aber zwischen Lehrer am Gymnasium, Schulen und Universitäten Der Schluß wird beantragt und angenommen.. Es folgen persönliche Bemerkungen: Abg .v. H ennig (Strasburg) wiederholt die von dem Regierungscommissar als unrichtig hezeichneten Aeußerungen, welche er bei der Discussion desselben Gegenstandes im März gethan. Er habe sich wegen dieser Anführungen damals genau unterrichtet und halte sie auch jetzt aufrecht, wenn auch vielleicht der Wortlaut nicht ganz genau so sei. (Der Regierungscommissar. will-antworten, wird jedoch Dom Cultusminister bewogen, davon abzustehen.) — Abg. Berger: Er habe bei seiner Stiftung allerdings geglaubt, daß die Art. 4. und 12. der Verfassungsurkunde maßgebend seien/ sonst hätte er der Lehrer ausdrücklich Erwähnung gethaN. - Er habe sich bei seiner Stiftung auf den allgemein christlichen Standpunkt gestellt,, auf den der Toleranz^ Der Herr Regierungscommissar scheine leider auf einem andern Standpunkte zu stehen.. (Sensation— lebhafter Beifall.) Andere persönliche Bemerkungen folgen Seitens der Abgg. Pauer, Rupp, Virchow, meist Entgegnungen auf Aeußerungen von der Regierungsbank enthaltend und deshalb von der Rechten mit steigender Unruhe und dem Rufe: „Keine persönliche Bemerkungen^' unterbrochen. Den Abg. v. Mallinckrodt unterbricht der Präsident mit derselben Bemerkung, als er zur Abwehr des Vorwurfes der Intoleranz auf sein Votum für das Recht der Juden zur Kreisstandfchaft verweist. — Der Referent befürwortet schließlich nochmals den Commissionsantrag: Das Ministerium habe auch heute seinen früher» Standpunkt gewahrt und werde sich wohl nicht einer andern Ueberzeugung erschließen. Ein'so hartes Wort, wie der frühere Cultusminister in der vorigen Session überden Charakter der Juden geäußert, sei heute zwar nicht gesprochen. Einer ähnlichen Aeußerung des Ministers glaube er aber doch auf das Entschiedenste entgegentreten zu müssen. Derselbe habe zwischen Unterricht und Erziehung unterschieden und gesagt, die christlichen Ellern , könnten doch das Recht in Anspruch nehmen, daß ihre Kinder in allen guten sittlichen Eigenschaften gefördert würden.Er glaube doch, daß durch einen oder zwei jüdische, selbst sittliche Lehrer — und daß sie dies seien, müsse doch aus der erfolgten Anstellung selbst präsumirt werden — dies nicht gehindert werden würde. Er glaube, daß jüdische Lehrer ebenso fähig seien, auch diesen Zweck zu fördern. Er wolle den Minister nur an einen Mann in seinem Departement erinnern, an den Professor Unger in Erfurt, den Stifter der dortigen Realschule, der bei seinem neulichen Jubiläum von den städtischen-Behörden geehrt worden, wie selten Einer. Das Votum des'Hauses werde wohl keinen praktischen Erfolg haben. Aber man möge nicht müde werden in dem Streben für . das Recht, wenn auch der Erfolg in weiter Ferne liege. (Bravo.) In demselben Augenblicke, in welchem das preußische Abgeordnetenhaus, 50 Jahre nach dem Edict von 1812, 12 Jahre nach der Verfassung von 1850, über einen einzelnen Fall berathe, melde die „Senatszeitung" aus Petersburg, daß jüdischen Aerzten und Beamten, welche den Doctorgrad erworben, der unbeschränkte Eintritt in alle Zweige des Staatsdienstes eröffnet sei) die Professoren im Departement des Cultusministeriums steuerfrei seien und Orden erhalten sollten. (Bravo.) — Abg. v. Arnim (Templin) hat einen Antrag auf namentliche Abstimmung gestellt; derselbe erhält nicht ausreichende Unterstützung. Der Commissionsantrag wird hierauf mit großer Majorität angenommen. Nur ein Theil der Katholiken und die Conservativen stimmen dagegen. *) Der volle Sieg Ler Liberalen im Aargair. Endingen, 23. August. Der Donner, der Kanonenschüsse und die durch das Dunkel leuchtenden Freudenfeuer auf den Bergen verkündeten in jüngster Nacht dem liberalen Aargau aber- *) Wir sagen mit Mendelssohn: Besser ist es, das Abgeordnetenhaus und die städtischen Behörden wollen unsere Lehrer anstellen, und das Ministerium weigert sich, als umgekehrt. Die „Magd. Zeitg." sagt in einer Musterung der jetzigen Minister: „Das Mißverhältniß der Kräfte zwischen der Regierung und dem Hause'tritt um so greller hervor, als die politischen Divergenzen noch

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