Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1862)
- Date
- 1862-09-02
- Page
- Seite 508 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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vom Großherzog verliehene silberne Verdienstmedaille in feierlicher Weise überreicht., ./■ Hamburg, im August. (Privatmitth.) Wir können nicht umhin, es zu bestätigen, daßalle amerikanischen Berichte übereinstimmend melden, daß es sowohl im Süden als im Norden keine ärgeren Negerseinde, keine eifrigeren Gegner der Emancipation giebt, als die Juden und die Irländer (Letztere haben schon in Cincinnati u. m. a. blutige Krawalle gegen die farbigen Menschen gestiftet). Wollen diese beiden Stämme, rufen amerikanische Blätter," sich hier für die Fußtritte entschädigen, die sie in Europa erhalten? Beide sind übrigens in der Regel sehr religiöse Leute, und werden auf das Schönste mit den entgegenstehenden Bibelsentenzen fertig, und das unter Beihülfe ihrer Prediger. Einer meiner Bekannten machte neulich die Fahrt von New- Dork hieher in Gesellschaft vieler deutsch-jüdischen Viehhändler und Trödlerdamen, deren Wesen und Gespräch ihn sehr belästigte. Da war auch eine amerikanische Dame von ausgezeichneten Manieren und gebildeter Unterhaltung. Plötzlich" bemerkte eine unserer Glaubensgenossinnen an ihr schwache Zeichen entfernter afrikanischer Abkunst. Sie rief augenblicklich den Kellner, um diese eingedrungene Negerin — die übrigens weißer von Gesichtsfarbe war als sie selbst — aus dem Salon zu weisen. Und obgleich mehrere anwesende Europäer sich gegen die Austreibung setzten, entfernte sich die Dame sofort freiwillig. Und dabei war keine Einzige von diesen Jüdinnen eine eingeborene Amerikanerin, sondern sie alle eingewanderte Oberdeutsche und Böhmerinnen. : _ So lesen wir auch Resolutionen von Sclavenhalter- Versammlungen, wie man die farbige Race zwar mild und gerecht behandeln müsse, ihnen jedoch keine Rechte -einräumen könne u. s. w. , kurz Resolutionen, die fast mit denselben Worten in Europa gegen uns Juden gefaßt sind. — Unser hiesiges Preß-Scharmützel, das übrigens weiter gar keinen Eindruck gemacht Hat, ist auf eine sehr anständige Weise beschlossen worden , indem ein Dr. Bauer hier (getaufter Jude) die schöne Judenemancipationsrede Macaulahs vor dem englischen Unterhause in neuer Uebersetzung herausgab, und der hiesige Professor Aegidi (Lutheraner) ein passendes Vorwort dazu schrieb. Eine sehr üble Folge haben indessen solche Federkriege auf alle Fälle, weil sie die gesammte jüdische Schreibewelt zum ewigen Selbstlobe zwingenwährend, nach dem Vorbilde der alten Prophetendoch ihr nothwendiger Beruf wäre, unsere offenen und geheimen Schäden in die Kur zu nehmen. Daher entsteht der widerlich apologetische Charakter der heutigen jüdischen Geschichtsschreibung, Biographie, Lyrik, Ethnographie und Journalistik, daher selbst der gänzliche Mangel an aufräumender Kritik in unserer eigentlichen Religionslehre! Daher ist die Quelle der inneren Anschauungen verfälscht, und darum kann es nicht ausbleiben, daß der Geist unserer Nachkommen uns entfremdet wird: denn sie müßten ja an der Menschheit verzweifeln, wenn sie es uns fort und fort aufs Wort glaubten, daß wir in allen Landen und durch alle Jahrhunderte nur liebenswürdige, edle, tolerante, großmüthige, grundbrave, lammblütige Tugendseelen gewesen sind, und daß dennoch fast alle übrigen Menschen aus blosem Muthwillen beständig unsere Verfolger und Henker gewesen sind.. Unsere Strenggläubigen sagen freilich: das geschieht wegen der ehemaligen Sünden unserer Vor-Vor-Vor-Väter, und sie stimmen darin, wie in so Manchem, mit den christlichen Dogmatikern ganz überein. Aber erzählet das einmal Euern Kindern und Enkeln und gebet Acht, was sie Euch antworten werden! Aber leider können wir das Selbstlob noch nicht aufgeben, da die Nachbarn uns so mißrathen sind. — In Saratow ist wieder ein schreckliches Momser-Bil: bul (warum nicht den alten technischen Ausdruck zu einer alten Sache anwenden?) durchgeführt worden. Der Pariser Siecle berichtet davon. Die Sache spielt schon seit 1853. Es fällt mir dabei ein, daß Eisenmenger, dieser Judenfeind par excellence von so immenser Gelehrsamkeit, von dieser Beschuldigung kein Wort hat. — Hier ist zum ersten Mal eine jüdische Trauung in den „3 Wochen", dem bisherigen tempus oausum, vollzogen worden. Preußen. Berlin, 23. August. Die „Sternzeitung" enthält folgende Berichtigung: „Mit Beziehung auf eine Bemerkung in Nr/194 der „Vossischen Zeitung" sehen wir uns veranlaßt, darauf aufmerksam zu machen, daß dem Herrn vr. Jaffö bei seiner Berufung an die hiesige Universität nicht das Lehrfach , der Geschichte, sondern das der Paläographie, Diplomatik und Chpp-