Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1862)
- Date
- 1862-09-02
- Page
- Seite 507 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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507 sieben Piöcen dieses kleinen Heftes zeichnen sich durch Innigkeit und Zartheit, sowie durch die melodiöse Verarbeitung aus, und bilden so eine reiche Zugabe für den synagogalen Musikschatz, der außer den herkömmlichen Melodien noch sehr gering ist. — DaS Tal-Gebet. Zwei Predigten, gehalten zu Eibenschütz von Rabb. vr. Joach im O ppenheim. Wien 1862. Der Thau wird in diesen zwei wohlangelegten und gut durchgeführten Predigten als das Symbol der „stets lebensfrischen Jugend Israels^ in der ersten und der UnsterLlichkeitslehre in der zweiten dargestellt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. ' Regensburg, 10. Aug. lPrivatmitth.) Aus Bayern finden sich seither selten Berichte in diesem vielgelesenen und geschätzten Blatte. Freilich, so lange uns unter der früheren exceptionellen Stellung nöch der Schuh drückte, hatten Ihre Berichterstatter mehr Stoff, ein System zu Leklagen , das uns zum Schaden und Anderen nicht zum Vortheile gereichte. Jetzt ist das — Dank sei der Weisheit und Gerechtigkeit unserer allerhöchsten Staatsregierung — ganz anders geworden. Alle Ausnahmsgesetze sind annullirt, alle bürgerlichen, gewerblichen und staatsbürgerlichen Rechte uns eingeräumt, so daß wir einer gesicherteren, gerechteren Lage uns erfreuen, als viele unserer anderen deutschen Glaubensbrüder. Wir haben jetzt in Bayern viele königliche Advocaten, Notare, Aerzte unseres Glaubens. Der Herr Staatsminister hat bei den letzten Kammerdebatten nachdrücklich hervorgehoben, daß bei uns kein Gesetz existire, das den Juden vom Staatsdienst ausschließe,- die Anstellung sei ein Act des Vertrauens Seitens der allerhöchsten Stelle,' das zu verdienen unsere israel. Candidaten umsomehr sich bestreben werden. — Diese verbesserte Lage nach Außen scheint aber nach Innen, d. h. aufs cultuelle und gemeindliche Leben der Landgemeinden ungünstig einzuwirken. Die besseren, bemittelteren Familien ziehen in Städte und überlassen den zurückbleibenden, weniger mit Glücksgütern gesegneteren die Lasten, Besoldungsleistungen und gemeindlichen Verpflichtungen. Große pecuniäre Verluste haben in dieser Uebergangsperiode die israel. Lehrer auf hem Lande zu beklagen. Schreiber Dieses kennt solche, die noch vor 10 Jahren 58 Schulkinder hatten, während heute diese Zahl auf 18 herabgesunken ist. Die Regierung ergänzt zwar die Minimalgehalte der israel. Elementarlehrer — die Religionslehrer entbehren leider auch diesen Genuß — allein das Nebeneinkommen durch Privatunterricht rc. ist beiden zu Verluste gegangen. — Die hiesige altehrwürdige israel. Gemeinde, die vor acht Jahren noch nicht 20 Familien zählte, ist seit zwei Jahren auf deren 50 herangewachsen. Auch hat der hiesige Stadtmagistrat in acht humaner Weise fast allen israel. Bewerbern bereitwilligst Aufnahme und Heimathsrecht gestattet. Die hiesige schöne, erst vor ca. 20 Jahren mit schweren Geldopfern erbaute Synagoge, ein festes stattliches Gebäude, ist für das jetzt größere israel. Publikum in ihren Räumlichkeiten unzugänglich geworden, weil namentlich an den jüdischen Herbstfesten auch viele Reisende, Meß- und Handelsfremde sich hier aufhalten. Diesem Uebel hat die Gemeinde abgeholfen, indem sie die Synagoge thunlichst erweiterte, daß Niemand sagen kann, *)£ — zu enge ist mir diese Stätte der Andacht. Die hiesige israel. Gemeinde hat auch ihre alten Gemeinde-Satzungen redidirt und das neue, sür eine umfangreichere Gemeinde bemessene Statut der hohen Regierung zur Sanction unterbreitet. Hier blühte schon zu den Zeiten Karl des Großen eine schöne jüdische Gemeinde, die aber in den darauf folgenden Jahrhunderten die verschiedenen Schicksalsschläge der deutschen Juden bitter Mitempfinden mußte. In den alten rabbinischen Werken werden oft die 'y.yn genannt. Zur Ehre der hiesigen Stadtbevölkerung sei es nebenbei gesagt, daß der Jude hier sehr geachtet und wohlgelitten ist, und die Vergrößerung der jüdischen Gemeinde gern gesehen wird. Auch in den altbayerschen Städten Straubing, Passau, Cham haben sich einzelne israel. Familien wieder niedergelassen. In Nürnberg wohnen bereits 125 israel. Familien, die eine Synagoge im Kosten-Voranschlage zu 160 Tausend Gulden bauen. Fr. Gailingen, 12. August. (Prkvatmitth.) Gestern feierten wir Hier ein schönes Fest. Unserem greisen Hauptlehrer, Herrn Halle, wurde als Anerkennung seiner fünfzigjährigen treuen Dienstleistung die ihm 36