Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1862)
- Date
- 1862-08-26
- Page
- Seite 487 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226346--20573-3249648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
481 seiner Seite, auf der Seite der Bolksthümlichkeit und gesetzlichen Freiheit zu glauben) sie verbreiten die Ansicht, daß die Lehren des Iudenthums mit denen eines vernunftgemäßen Glaubens eine und dieselben sind, und daß im Jüdenthume ein Schutz gegen den verdummenden Pietismus, ein Damm wider den geistesknechtenden Ultramontanismus zu finden sei. .Können wir selbst mehr zu unserer Ehre und Rechtfertigung thun? wird nicht auch hier der blinde Haß zum Werkzeug der Gerechtigkeit? Mögen daher die Kreuzzeitungsschreiber aller Länder in dieser Weise fortfahren, und sie werden dadurch uns wider ihren Willen zur größten Dankbarkeit verpflichten. Die Gelegenheit wird sich in nächster Zeit weiter dazu bieten. Einige der im Solde der Reaction stehenden Schreiber haben den Plan gefaßt, dem „Kladderadatsch" und seinen Genossen ein Witzblatt gegenüberzustellen. Witz ist nun freilich ein Ding, das sich selbst mit schwerem Gelde nicht beschaffen läßt und wozu die For?e der Reactionäre, Grobheit und Sophismen, nicht ausreicht. Dieser Mangel an Humor zeigt sich schon in der Wahl des Titels: „Der kleine Reactionär." Daß aber auch in den Reihen der Feudalen kein großes Vertrauen auf die Zukunft dieses reactionären Däumlings herrscht, ersieht man aus den wiederholten und langathmigen Programmen, welche unter den Anhängern der Reaction ausgegeben werden, um sie zu Geldbeiträgen für diese neue Schanze der feudalen Festung und deren Armirung zu vermögen. In diesen Programmen werden auch die Figuren aufgestellt, welche zn den humoristischen Katapulten und satyrischen Mörsern, die „der kleine Reactionär" abschießen soll, gebraucht werden mögen. Die ersten Stellen unter diesen nehmen „der Jude, der Reformjude, der jüdische Banquier, der Kreisrichter, der tölpelhafte Philister u. s. w." ein. Zu fürchten haben wir dieses neue Unternehmen wahrlich nicht. Wir sind keine Freunde der Kladderadatsch-Literatur) das eine Verdienst für die Juden hat sie, daß sie den jüdischen Jargon und Volkswitz dem deutschen Volke vertraut gemacht und so nach und nach der Mißachtung entzogen hat, in welcher jene früher standen. Der „kleine Reaktionär" wird das Weitere thun und durch seine Satyreu den „Juden, Reformjuden, jüdischen Banquier" zu Ehren bringen. And nun doch ein Sieg der Liberalen! Endingen (im Aargau), 15. August. Sieg der liberalen Partei verkünden die öffentlichen Blätter vom 13. August. Der liberale Aargau hält nun wieder sein Banner hoch auf dem Nacken der Jesuiterei. Darüber Jubel und Siegesfreude. In der Nacht vom 28. Juli verkündeten die Freudenfeuer und Freudenschüsse den Sieg der Ultramontanen, den Sieg der Intoleranz über die Humanität, der Lüge über die Wahrheit. Aber von kurzer Dauer war dieser Sieg! Die „Botschaft" konnte wohl auf einen kurzen Zeitraum durch alle möglichen Lügen und Verleumdungen mit Hülfe ihrer durch das Geld der Propaganda besoldeten Agenten ihr Netz über den Canton ausbreiten. Es gelang ihr und ihren: Helfershelfern durch Verlästerung der geachtetsten Männer und durch eine ans. Unglaubliche grenzende Judenhetze einen gefahrdrohenden Sturm über den in Frieden gewiegten Aargau herauf zu beschwören. Das Gewitter brach aus am 27. Juli und schien die schönsten Saaten unseres Landes zu verderben. Als aber die aargauischen Culturmänner das Feld recht überschauten, siehe! da war der Schaden bei Weitem nicht so groß, als man fürchtete. Seit jenem Tage sind Vielen die Augen aufgegangen und sie haben den Wolf im Schafspelze erkannt, sie haben eingesehen, daß der Jesuitenagent Schleuniger nicht Volksfreiheit, sondern Pfaffenherrschaft bringen will. Der zweite Prüfungstag, der 12. August, hat die große Mehrzahl des aargauischen Volkes in seinen liberalen Gesinnungen bewährt gefunden. — Die Wahlen in den neuen Großen Rath sind ihrer Mehrzahl nach liberal ausgefallen und nicht nur der reformirte Aargau durchweg, sondern das katholische Frickthal schickt meistens liberale Männer in seine gesetzgebende Behörde. Die alten liberalen Capacitäten sind fast alle gewählt und dazu noch junge Kräfte. Während der liberale Theil fast durchgängig bekannte Namen von gutem Klange, intelligente und bewährte Männer erkoren, haben die ultramontanen Kreise fast alle die frühern Mitglieder des Großen Raches bei Seite gesetzt und „Buremannli" erlesen, von denen man aber zum Voraus versichert war, dass sie „mit Beseitigung des'Judengesetzes einverstanden seien." So ist nun das liberale Regime in unserm Cantone verjüngt und neu gekraftigt aus dem Läuterungsproceß hervorgegangen. Verschiedene Wahlscenen sind interessant und rührend. So z. B. in Aarau, wo Feerherzog und Haberstich die energischen Vertheidiger der Emancipation mit einem an Ein-