Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1862)
- Date
- 1862-08-26
- Page
- Seite 485 (sequence 3)
- Language
- German
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485 Gehülferi: und. Lehrlinge; jenem anzuwohnen,■ und dieser Mangel-.an Zeit^ bringt weiterhin auch einen Mangel an Bedürfnis hervor, der usie, auch Wenn sie Zeit haben,; den Besuch, unterlassen.macht.; n.. Dasselbe.gilt von den : Speisegesetzen.: Nicht allein, daß das. auf Grund der Speisegesetze in der Thora aufgebaute ausführliche-, vielfach; erweiterte und bis ins kleinste Detail specialisirte talmudisch^rabbinische System lange nicht mehr rigoros., gehalten - wird, so. daß. in den meisten'Gemeinden im Verhältniß zur frühern Zeit nur wenige desfallsige?,Fragen" -noch Vorkommen, so hat ein beträchtlicher Theil der jüdischen Haushaltungen das ganze Speisegesetz aufgegeben- und -eine,noch beträchtlichere Zahl Persönlichkeiten beobachten dasselbe außerhalb des Hauses- und auf Reisen gar nicht mehr. Nicht minder ist-Gleiches über die sogenannten Reinigkeitsgesetze zu sagen. Wenn Anfangs die Rng.esundh.eit, ja Gefährlichkeit, Unreinlichkeit und Unangemessenheit; in. den Einrichtungen der jüdischen Duellbäder' Biele: vom Gebrauche : derselben zurückschreckte, so ließ allmählig die - Gewissenhaftigkeit darin überhaupt nach. .. Dahingegen - hat die Beschneidung ihre - Beobachtung allgemein behauptet-, und wenn auch die Unterlassung derselben hier undda vorgekommen, so sind dies immer nur vereinzelte Falle. -Die-Trauung,- die man der geschmackswidrigen Gebräucheentkleidet. hat, ist selbst in den Ländern,; wo. die Civilehe Landesgesetz ist, überall in ihrer unbedingten Kraft: verblieben.- -Trotzdem aber die übrigen' Theile - des jüdischen Eherechts , namentlich die Chalizah und. die- Förmlichkeiten des Get den Anschauungen und dem. Geschmackder Jetztzeit wenig ent-, ja vielfach wi- ' dersprechen, so. sind die Versuche, sie legaliter zu resoruiiren, nur-literarische Expectorationen geblieben und darin auch : nicht - her - geringste. Fortschritt gemacht. Hier, wo - den Rabbinen noch einigermaßen Macht und ^Autorität verblieben, dagegen -das allgemeine Bedürfniß bei der Vereinzelung! der Fälle noch, nicht zwingend-auf sie eindrängte, haben sie es unterlassen, Hand anzulegen. . Die' Trauer-- gebrauche-Werden im Allgemeinen in beschränkterm Maße' VM: den- Meisten beobachtet, wo dann die Jahrzeit-- be-' sonders,das: Kaddischgebet; noch die nachdrücklichste Bindekraft beweist.: Eine Ceremoniedie, an die alte Lar mir- ^vssi.sich anbehnend, : doch neue Formen anvahm/ die Cönsirmatio.n,. hat sich als ein neues Bedürfniß überall Bahw gebrochen, wobei: nur -zubeachten ist, daß sie durch einensorgsälttg vorbereitenden.Eonfirmandenunterncht und durch Vermeidung jeder:Ueberladung vor der Kategorie der bloßM Schmspiele' hewahrt Ebe. \i- \ Aus diesen, mehr - angedeuteten, als geschilderten Zuständen gingen aber, mancherlei Cönslicte und Fragen hervor, die darum, weil an eine legale Lösung Seitensder Rabbinen oder auch - der befähigtensachverständigen Und einsichtsvollen Laien nicht gegangen wird, auch fort ünd fort ungelöst bleiben. Sehen Wir davon ab, daß im Allgemeinen die Frage: und Klage solcher Männer,' die sich zwischen die Bedingungen des Cultur - und praktischen Lebens und die Forderungen des altjüdischen Gesetzes ge^ stellt sehen, was denn wohl zu halten oder zu erlassen sei, um dem Judenthume doch noch treu anzuhangen und zugleich der Culturentwickelung und dem wirklichen Leben folgen zu können? mit bestimmter Autorität nicht geantwortet werden kann: so entstehen die Fragen : wie es mit unbeschnitlenen Knaben zu halten? wie, wenn mit gemischt ten Ehen? wie, wenn Ehemänner über das Meer gegangen? u. s. w. u. s. w. In jedem einzelnen Falle steht : Der, welchem die Entscheidung zunächst zusteht, rathlos ' da, wenn er nicht willkürlich und eigenmächtig handeln will. Die alten Bestimmungen reichen für die neuen Ver-; hältnisse oder dem jetzigen Geschlechte gegenüber nicht aus/ : oft steht dabeidas Lebensglück unschuldiger Personen ans : dem Spiele, und bas Interesse'der Religion selbst ist aufs - Lebhafteste berührt. - Sehr leicht wird 'man sich' hierbei die Frage aufwer- - fen: wieso es kam, daß, wenn auch die oben geschilderte : allgemeine Stimmung und Richtung ' einer neuen Codification nicht günstig war, in einem ganzen Jahrhundert - sichnicht unternehmende-Männer genug fanden, um eine' priucipielle und formelle Legalisirung der vor -sich gehen-; den Umwandlungen zu beginnen und' auszuführenso daß die wenigen Versuche zu diesem'Zwecke ganz vereinzelt i blieben' und erfolglos vorübergingen? Jetzt, wo die That-? fachen so entschieden vor uns liegen, kann diese Frage : nicht abgewiesen werden, da der Erfolg ein solches Unternehmen gerechtfertigt , hätte. Die Antwort wird wohl j dahin lauten müssen, daß theils eine allgemeine. .Richtung, \ theils die Stellung der Rabbinen die Schuld davon trägt, j Gerade weil die Reformern Judenthume eine Folge der : Entwickelung innerhalb des äußern und' innern Lebens -war und stillschweigend -die -bisher gültige Autorität'und j Praxis beseitigte, wollte man/ bewußt und unbewußt, feine: j Fixiruug des Geschehenden-' di^ darum factisch eine-höchst I schwierige gewesen wäre, weih welchen Standpunkt 'man' dabei auch eingenommen hätte, immer eine große Zahl s von Individuen hinterihm zurück und eine ändere Weit sübtzr ihn hinaus' gewesen'Märe-' so daß die neue Fixirung 35*