Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1862)
- Date
- 1862-08-19
- Page
- Seite 473 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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478 gegenwärtigen unfreiwilligen Exile abfassen, oder doch wenigstens zur Ehrenrettung der Unglücklichen und vielfach Verleumdeten von den Consuln deren gezwungene Flucht und zeitweilige Ansiedelung auf österreichischem Boden bezeugen zu lassen, da ein solches Document nicht schwer zu erlangen wäre. Diese Genugthuung find die unglücklichen, schutzlosen Belgrader Juden nicht nur sich selbst, sondern allen ihren Glaubensgenossen, dem gesummten Judenthume und der öffentlichen Meinung schuldig. Literarischer Wochenbericht. Leipzig, 1. August. Die zweite Lieferung des ersten "Bandes der neuen (dritten) Ausgabe des Philippfon'schen Bibelwerkes ist erschienen. Wie wir bereits bereits bemerkt haben, enthalt diese Ausgabe die Uebersetzung und den vollständigen Commentar nebst den Einleitungen, mit Hinweglassung des hebräischen Textes und der 500 Holzschnitte, um dadurch die Anschaffung auch minder Bemittelten zu erleichtern. 'Auch diese Ausgabe, neben welcher , die frühere (mit Hebräisch und Holzschnitten) beständig dem Publikum zum Ankauf erhalten wird, hat sich bereits einer sehr günstigen Aufnahme zu erfreuen. Die zweite Lieferung des dritten Bandes (Jesajas) wird in diesen Tagen fertig. End ingen (Schweiz), 27. Juli. Mit vielem Vergnügen bringe ich ein Werk zur Kenntniß der Leser, welches vor circa einem Jahre in Wilna erschienen und in jenen Gegenden wohl-das erste ist, das in'der Bearbeitung den Anforderungen der neuern Wissenschaft entspricht. Es führt den Titel: Nim rn->p niwvrb D^v^ti öwVm bN*)^ ru mTip •S n 112 iö mio: , rnrnrni if-p^sne , m'Bbn , ■ps pns*1 n'h qDv< Kirju Neemona, Geschichte der Juden in Wilna, namentlich der Gelehrten und Rabbinen, nebst einer großen Anzahl Grabschriften. Von S. I. Finn. Wilna 1860. (VIII, XXIV. 333 S.) Das Werk zerfällt in zwei Theile. In dem ersten (S. 48) wird mit Benutzung heimischer Quellen eine kurze Geschichte der Stadt Wilna bis - auf unsere Zeit geliefert; der andere, bei Weitem bedeutendere Theil beschäftigt mit den durch Wissen und Gelehrsamkeit hervorragenden Rabbinen und den Werken derselben. Napoleon hatte wahrlich nicht Unrecht, wenn er bei seiner ersten Anwesenheit in Wilna sagte: er glaube in Jerusalem zu sein. - Es giebt wohl kaum eine zpeite Stadt in Rußland, in welcher von jeher mehr Geistesanlagen entwickelt und Kenntnisse geschätzt wurden als in Wilna, und es ist kein Wunder, daß aus ihr nicht allein Polen und Rußland, sondern auch Deutschland, Böhmen und Mähren mit Rabbinen lange Zeit versorgt wurden. Unter der Menge der hier Genannten heben wir besonders hervor: R. Menachem Mannes, Moses ben Isaak Lima, Verfasser des Werkes ppiri» r>pbn (starb 1673), Ephraim ben A a r o n, Rabbiner in Ofen und Verfasser des ctidn -i^w (1678), Sabbatai Cohen, der berühmte Verfasser des ■'an®, der als Rabbiner in Holleschau (Mähren) fungirte und mit christlichen Gelehrten in Correspondenz stand (starb 1663), JosuaGeschel nimm ■>*£> (starb 1756) und der im Rufe der Heiligkeit stehende Elias von Wilna, auch wohl schlechtweg der G a o n genannt, dessen sehr zahlreiche Schüler bis in die neueste Zeit reichen. Auch an namhaften jüdischen Aerzten fehlte es in Wilna nicht. Jehuda Hur Witz, der auch eine philosophische Bildung genossen, stand mit Moses Mendelssohn in brieflichem Verkehr, vr. Jacob Lippschitz, der in Halle studirte und promovirte, war von dem berühmten Peter Frank so geschätzt, daß er bei seinem Ab-, gange von Wilna auf die Frage: wer nun das'meiste Vertrauen verdiene? die Antwort gab: Deus et Iuclaeus (Gott und der Jude). Herr Finn, ein geborener Wilnaer, hat sich durch Herausgabe dieses, mit zahlreichen Anmerkungen des Herrn Straschon versehenen Werkes um die jüdische Geschichte und Literatur wesentliche Verdienste erworben. Er hat gut daran gethan, sein Werk durch den — hoffentlich correcten Abdruck der Grabschriften der Wilnaer Rabbiner zu bereichern. Möge Herr Finn bald Gelegenheit finden, sein neues Werk: „Biographie der Gelehrten Litthauens und Polens" der Oeffentlichkeit zu übergeben. Dr. M. Kayserling. Bemerkungen. Zum Leitartikel in No. 23. Es wurde dort gegen Geiger nachgewiesen, daß dtr Talmud die mefsianische Zeit und die der Todtenauferstehung scharf scheidet. Nach einer von Dr. Adler in New-Aork uns gegebenen Notiz findet Geiger's Ansicht. die schlagendste Widerlegung im Ausspruche Rabbi's (Sebachim l18b) r)vin