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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-08-19 · Heft 34 (19.8.1862) · p. Seite 471

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 34 (19.8.1862)
Date
1862-08-19
Page
Seite 471 (sequence 5)
Language
German
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471 gung der hebräischen Sprache bis auf zwei, drei Sprüche, der vollständigen und freien Umarbeitung der Gebete, der Unterbrechung des Gottesdienstes am Versöhnungstage rc., ist bekannt, hat aber keinerlei Nachfolge erhalten. Wir haben hiermit die eigentlichen Streitpunkte fixirt, um welche es sich gegenwärtig im öffentlichen Cultus der Juden handelt, haben aber auch gezeigt, wie selbst auf dem Gebiete des öffentlichen Cultus die jüdische Gesammtniaffe eine sehr bedeutende Reform vorgenommen hat, die sie bereits auf einen von der Vergangenheit sehr verschiedenen Boden factisch gestellt hat. (Forts, folgt.) Die Belgrader Zuden. Belgrad, 5. August. Wir erhalten folgende Correspondenz: Die Lage der durch die gewaltige Explosion des Nationalhasses der Serben gegen ihre einstigen Bedrücker aus ihrer Heimath gewaltsam hinausgestoßenen Belgrader Juden hat sich nicht geändert, da eine Rückkehr nach Belgrad, wo Alles jetzt unter Waffen steht, nicht möglich ist und die Conferenzen in Konstantinopel schwerlich ein günstiges Resultat haben werden. Wir lassen darum zur bessern Orientirung der Leser über die traurigen Zustände einige Uriheile der größer» Wiener Blätter über die hiesigen Verhältnisse folgen, und zwar räumen wir mit Vorbedacht auch der gegnerischen Seite hier einen Platz ein, damit der Leser selbst ein unparteiisches Urtheil zu fällen'im Stande sein möge. — Die „Ostdeutsche Post" läßt sich von hier schreiben: „Durch den Coup vom 15. Juni haben die Serben — um mich eines bekannten Sprichwortes zu bedienen — drei Fliegen mit Einem Schlage getroffen. Sie haben die Türken aus der Stadt Belgrad, die Juden und die „Schwaba's" aus dem Lande vertrieben, und obwohl die Letzteren im Vorgefühle des Looses, welches ihnen von den serbischen Vorfechtern der christlichen Civilisation bevorgestandeu wäre, freiwillig die Stätte ihres Erwerbes verlassen haben, so ist doch der Triumph, die Deutschen, oder besser gesagt, die Oesterreicher, so wohlfeilen Kaufes los geworden zu sein, fast größer, als jener über die Vertreibung der Türken. In der That ist es aber ein eigenthümlicher Triumph für ein armes, industrie- und gewerbloses Land, sich mit einem Male aller Jener entledigt zu haben, die bis jetzt einzig und allein arbeiteten und dem Handel und Gewerbe in diesem Lande oblagen, obwohl es übrigens, für den Augenblick wenigstens, ein gutes Geschäft mit dieser Judenschaft und Schwabenhetze ist, denn die Ausplünderung der Judenstadt hat,, wenn auch nicht gerade im baaren Gelde, aber doch in Maaren und Sachen einen hübschen Profits abgeworfen und mancher serbische Freiheitskämpfer wird sich in jener Nacht mit „jüdischem Vermögen" bereichert haben, ohne eben sein christliches Gewissen sehr belastet davon zu fühlen. Auch sind die Millionen an Maaren und Baarem, welches die österreichische Industrie dem serbischen Handel creditirt hat, kein schlechter Gewinn, um so mehr, wenn man den Schwaben, den „dummen Kerl", noch oben hinauf für sein gutmüthiges Vertrauen auslachen kann. Kurz, unsere civilisirten Serben haben wenigstens so viel gelernt, wie Figura zeigt, daß sie das „utile" mit dem „clulee" zu vereinigen wissen. Wenn aber irgendwo das alte Sprichwort gilt, daß, „wer heute lacht, morgen weinen wird", so ist dies gewiß für Serbien in vollem Umfange richtig, und wenn man in Serbien glaubt, daß nun nach Vertreibung der Türken, der Juden und der Schwaben die goldene Aera anbrechen werde, so wird man sich dort, selbst für den unwahrscheinlichen Fall, bitter enttäuscht finden, wenn der gegenwärtige Zustand in Serbien sich einige Zeit consolidiren sollte. In diesem Falle prophezeien wir unseren ehrenwerthen Nachbarn, daß sie nach einem Jahre keinen Gulden baares Geld mehr besitzen, und daß ihnen, um sich und ihre Blößen decken zu können, nichts übrig blejben wird, als entweder sich in „französische Redensarten" zu kleiden oder in die Häute der Thiere des Waldes u. s. w. u. s. w. Die serbische Regierung bereitet sich offenbar auf einen Kampf gegen die Türken vor; auf einen Kampf auf Leben und Tod. Dahin deuten alle Maßregeln: das Ausräumen der Stadt Belgrad und. sogar der Kirchen von ihren Glocken und Geräthen, der Zusammenruf einer so großen, weit über die natürlichen Kräfte des Landes hinausgehenden Masse bewaffneten Volkes und endlich das Aufsiellen von Forderungen, deren Gewährung unmöglich ist." Ihn dem audiatus et altera pars gerecht zu werden, müssen wir die serbischen Parteiblätter auch vernehmen, obwohl die Feder sich sträubt, all die bitteren Gehässigkeiten und offenbaren Lügen nachzuschreiben. So brachte der „Wanderer" eine Correspondenz von hier, die ungemein aufreizend war, und worin offen die Absicht lag, den jetzt stärker als je wieder erwachten Haß der Serben gegen die Juden noch mehr anzuschüren. „Unsere jüngsten Ereignisse", heißt es dort, „haben in einigen Serbien nicht freundlich gesinnten Journalen eine sowohl

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