Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1862)
- Date
- 1862-08-12
- Page
- Seite 462 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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462 erhebend war es besonders für den Lehrer,' unter den den verstorbenen- Schulwohlthätern gewidmeten' prachtvollen-Gedenkblättern auch das eines verstorbenen Collegeü zu sehen. — Mit vielem Vergnügen überzeugt sich oft der Herr 'Rabbiner von den Fortschritten der Zöglinge in der Talmud-Thora-Anstalt, sowohl in der Bibel und im Talmud, als auch in den Gymnasialgegenständen, und wirkt durch seinen jedesmaligen Besuch ermunternd auf dieselbe. Erwähnenswerth und kennzeichnend ist es, daß er von den Talmudjüngern, von dem nächsten Schuljahrean wohl strenger, verlangt, daß selbe sich auch über ihre anderweitigen Studien ausweisen. Es ist außer Zweifeh daß er mit der Zeit noch Anstalt zu mancher Verbesserung des Gottesdienstes treffen wird. — Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir noch eines Gegenstandes Erwähnung zu thun, den. unser verehrter Herr Hauptschuldirector und Gymnasialreligionslehrer vr. Eisler bei der letzten monatlichen Conferenz in Anregungbrachte. Die so ganz und gar ungleichen Forderungen, die in den verschiedenen Gemeinden die Lehrer in Betreff des hebräischen Unterrichtes an die Schüler stellen (daß z. B. da oder dort Jesaias oder Sprüche Salomons genommen werden, noch ehe die ersten Propheten oder etwas mehr als die ersten Leferegeln aus der hebräischen Grammatik gelehrt wurden)- verursachen, wenn solche Schüler eine andere Schule oder gar ein Gymnasium besuchen sollen, für den Religionslehrer keine geringe Verlegenheit. Es wäre daher von höchster Nothwendigkeih eine gewisse Gleichmäßigkeit in diesen Unterrichtszweig zu bringen. Dieses zu erzielen, sowie noch< andere Dinge von Wichtigkeit für Schule und Lehrer, wäre die Aufgabe einer erwünschten baldigen Versammlung sämmtlicher Lehrer Mährens, und wieich glaube, dürste auch bald zu diesem Zwecke ein Ausrufan die Lehrerweltvon hier aus ergehen. J. P . . . . Rußland. Warschau, 28. Juli. Die „A. Pr. Z?t läßt sich von hier aus schreiben : „Noch immer werden-denjenigen Hauseigrnthümern, welche an- Jsraebiten, mit denen man sich doch so national verbrüdert Hatte, WohÜüng'en vermiethen, welche nicht, in. den früher von Juden bewohnten Straßen belegen sind-, Drohbriefe zugesandt; bekanntlich Dürfen nach der Gleichstellungder Juden diese jetzt, unbeschräntt auf allen Straßen wohnen, aber weil diese Gleichstellung von der Regierung ausgegangen, bietet dies den Exaltirtert Stoff zu Demonstrationen." (Dies erwiese allerdings mit sehr lauter Stimme, wasfürlei Rechte die-Juden nach dem Siegender polnischen Nationalpartei zu erwarten haben!) Warschau , 26. Juli. Der Banquier Matthias Rosen ist zum Mitgliede des Staatsrathes für 1862 ernannt worden — wiederum ein praktisches Stück Cmancipation, in welchem Rußland westlichen Nachbarn vorangegangen-. Mitau, 24. Juli. (Privatmitth.) - Bei dev gestrigen Anwesenheit Ihrer Majestäten des' Kaisers und der Kaiserin überreichte die hiesige Hebräergemeinde das beifolgende Gedicht in einem prachtvollen Album nebst einer silbernen Schüssel mit dem üblichen Brot und Salz- und wurden diese Zeichen der tiefften Anhänglichkeit und Verehrung von Ihren ' Majestäten mit wohlwollender Huld, entgegengenommen. Von festlich schönen Tagen lenkt die Schritte. Zur alten Herzogsstadt das Hohe Paar^ In frohem Schmucke pranget Schloß und Hütte - Die. Gaffen füllet, buntbewegte Schaar. Wir sehen B e i d e jetzt inunsrer- Mitte, Die zu erschauen längstunsre Sehnsucht war: Sie, die die Wünsche ihres- Volks verstanden. Und lösten es von schwerer Knechtschaft Banden! . Auch wir, des sagenreichen Ostens Sprossen— Verstreuet einst durch unsrer Väter Schuld — Von Völkern andrer Sitte jetzt umschloffen, Bedürfen doppelt Kaiserlicher Huld! Wie manche Thräne ist bei uns geflossen, Eh' daß Europa lernte die Geduld — Bis ganz verstummt der Streit der Religionen Und Lieb' und Weisheit einst aus Erden wohnen! Jüngst hörten unsre Brüder-mit Entzücken 'DaS Kaiferwort, das ihre Fesseln brach; Gelöset ist der Bände* schweres Drücken, Verwischet die jahrhundertalte Schmach! Des Herrschers schönste Krone ist: „Beglücken!'" Gleichwie den Thaü verstreutder-junge Tag: Kein Volk, kE'Ständ mag in dem Reiche weilen, Den seine Segensspenden nicht ereilen: