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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-08-12 · Heft 33 (12.8.1862) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 33 (12.8.1862)
Date
1862-08-12
Page
Seite 461 (sequence 11)
Language
German
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4SI , , Dex,.,,H exy h erg e r Z ei tu n g " wird, aus dem.galizischeuBadeorte Jwanitz geschrieben: daß die dort weilenden Israeliten in einem eigenen Gebäude außerhalb des Badeortes wohnen müssen und daß sie die öffentlichen Promenaden nicht benützen dürfen. —. Leider sind diese anachronistischen Vorkommenheiten die natürlichen Consequenzen der noch immer nur halb freisinnigen, aber halb mittelalterlichen Gesetze betreffs der Juden dieses Landes. So lange der Jude noch gesetzlich von n a türlichen Rechten ausgeschlossen bleibt, wird ihn der untergeordnete Beamte und das Volk in Galizien — einem Lande, dem man doch sicherlich „Ueberwucherung von Intelligenz" nicht vorwerfen Wird — nicht als gleichberechtigt und ebenbürtig betrachten. Sollm aber diese und ähnliche lieblose Erscheinungen, die bis jetzt nur sporadisch zum Vorschein kommen, nicht größere Dimensionen annehmen,: dürsten sie sehr geeignet sein, an maßgebender Stelle die Ueberzeugung zur Reife zu bringen, wie sehr es an der Zeit sei, die Beschränkung der Besitzfähigkeit der galizischeu Israeliten aufzuheben, zumal nachdem selbst die russische Regierung — das einstmalige europäische China — auf so hochherzige Weise die Initiative ergriffen und nun als nachahmenswertes Muster dasteht. Keinen erniedrigenden gelben Lappen mehr, am allerwenigsten in den Gesetzesbüchern des sich soeben verfassungsmäßig regenerirenden österreichischen Staates!— Ihr in No. 25 der A. Z. d. I. angeregtes Projekt der Gründung eines Vereins zur Bekämpfung der Blutbeschüldigung hat in den dem Schreiber Dieses zugänglichen Kreisen allgemeinen Beifall gefunden, und würden sich gewiß hier viele Mitglieder anschließen, wäre es uns gesetzlich gestattet, einem ausländischen Vereine beizutreten. Uns würde es um so mehr freuen, wenn dieses Ihr Vorhaben zur Ausführung käme, weil wir es wärest, die schon vor Jahren bei Gelegenheit eines ähnlichen Vorfalles auf die Zeitgemäßheit der Herausgabe eines, populären Merkes über , dieses Thema aufmerksam machten (A. Z. d. I. No. 30. S.^434 Jahrg. 1859), nur glaubten wir. dam als, daß das Institut zur Förderung der israel..Literatur die Angelegenheit in die Hand nehmen möchte.— Der Inhalt der Korrespondenz aus Lemberg in No. 16 d. Bl. über die Zustände der jüdischen Normalschule daselbst hat Diejenigen, die sich für den Fortschritt chnterissiren, sehr schmerzlich berührt, und gestehen wir es offen — vermochte die Widerlegung im Beiblatte zu No. 24 durchaus nicht den betrübenden Eindruck zu verwischen. Die schlagendste Widerlegung wäre ein statistischer Nachweis gewesen^ „daß die Zahl der Schüler von Jahr zu Jahr zunimmt"; diesen aber hat Herr L. R. heranzubringen unterlassen. Auch mußte es auffallen, daß die Widerlegung die harte, in den galizischen Verhältnissen nur zu sehr gegründete Anklage (S. 201, Sp. 2, Z. 10—12 von unten) ganz unberührt ließ, und dennoch war es eine Ehrensache, sie zurückzuweisen! Könnte nicht ein unparteiischer Beurtheiler in der Ferne leicht veranlaßt werden, in diesem Schweigen ein stummes Eingeständniß zu erblicken?*) Nikolöburg, 8. Juli. (Privatmitth.) Es ist mir eine angenehme Pflicht, Ihnen versichern zu können, daß Ihre im vorigen Jahrgange No. 30 ausgesprochene Befürchtung, daß von den neuorthodoxen Rabbinen nicht viel des Guten zu erwarten sei,,: in Betreff der Person unseres Herrn Rabbiners vr. Feuchtwanger, eine Befürchtung,, die mancher Besserdenkende damals mit Ihnen theilte, eine ungegründete war, und daß diese Acquisition für unsere Gemeinde eine höchst glückliche war. Herr Rabbiner. Feuchtwanger huldigt dem gemäßigten Fortschritte und tritt, mit Wort und That für denselben ein. Wer unserem, Gottesdienste noch vor einem Jahre beigewohnt hat und jetzt die Synagoge besucht, muß hievon Zeugniß geben. Wohl war der erste Impuls zu dem nun eingeführten Choralgesange schon in dem Betlocale der. Hauptschule gelegt und die Einführung durch den längst bestehenden Musik- und Gesangunterricht erleichtert; nichts desto weniger gehörten Muth und Ueberzeugungstreue. dazu, jener Partei, die sogar das Mizwoth-Citiren.für.unantastbar hält, entgegenzutreten. Hoch erfreut waren wir, als wir neulich den Herrn Rabbinen bei Gelegenheit der Seelenfeier (Jahrzeit) eines verstorbenen Schulwohlthäters in dem erwähnten Schul-Betlocale sahen. Der Gottesdienst begann mit einem deutschenvon der ganzen Schuljugend angestimmten Liede, was bei den hiesigen Verhältnissen viel sagen Willi Erfreulich, und *) Wir haben über diesen Gegenstand noch mehrere Correspondenzen aus Lemberg erhalten, die" aber thatsächlich keine weiteren Aüfklärungen brachten- und deshalb nicht von uns gegeben werden konnten. Die Redaction. ' 33 **

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