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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-08-12 · Heft 33 (12.8.1862) · p. Seite 460

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 33 (12.8.1862)
Date
1862-08-12
Page
Seite 460 (sequence 10)
Language
German
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460 solche jüdische Geistliche gieLt, die jeder Aufklärung Feind, jeden Lichtstrahl der Vernunft durch Scheinreligion zu umnebeln suchen. — Möchte doch auch bald von unfern badischen Juden ein thatkräftiges Handeln geschehen, da die hohe Regierung das -Ihrige durch die Emäncipation gethan. Möchte der mächtige Ruf des Fortschrittes auch in unserm Lande erschallen, der leider von unserer jüdisch e n höhern Behörde mit. aller Kraftanstrengung aufgehalten Wird. Manheim und Bühl sind 'schön'länge vorangegangen, kein Hinderniß konnte ihnen in den Weg gelegt werden; warum kommen wir nicht vorwärts? Druden, 30. Juli. (Privatmitth.) Am 21sten d. wurde die Jahrzeit des sel. vr. Beer an dessen Grabe in öffentlicher Versammlung durch Gebet und durch einen Vortrag des Oberrabbiyers Dr. L andau zur Ehre des Verewigten gefeiert. Oesterreichisch e r K a i se r st a a t. Aus Galizien, am Fasttage des 4. Monates. (Privatmitth.) v':' ' V!"' „O daß sie ewig grünen bliebe, Die schöne Zeit der jungen Liebe!" Mit diesem Verse schlossen wir (Allg. Ztg. d. Jud. 1861 No. 16) in einem Ausluge guter Laune die Aufzählung einer Reihe von „Liebeserklärungen und Zärtlichkeitsäußerungen", welche die überglücklichen Ohren der; Juden Galiziens bei Gelegenheit der Wahlagitationen im April des vorigen Jahres von allen Seiten hörten.' Wir schrieben dieses am Rüsttage des Festes, welches wir zum Andenken der Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft alljährlich feiern. Es sind nun seit jenen glücklichen Tagen fünf Vierteljahre verstrichen. Die begeisterten EaNdidatenreden sind längst verhallt, der Verbrüderungsrausch ist längst verflogen, wir stehen aber noch immer social und rechtlich auf derselben Stufe wie früher, ohne auch nur um E i n e n Schritt vorwärts gekommen zu sein. So hört man aus Krakau von Zeit zu Zeit die alten Klagen über Beschränkung des Wohnrechtes der Juden in gewissen Stadttheilen von Neuem laut werden. In Lemberg spukt-der böse Geist des „ V a t e r l a n d" und des „V.olksfreund" in den mitternächtlichen Räumen der' „Gazetta Narodova" trotz Aufklärung und Verfassung fort. Aus dieser Capitale werden überhaupt schöne Geschichtchen erzählt. Es soll dort öffentliche Locale geben, wo Juden, wenn sie sich blicken lassen, den gröbsten Beleidigungen ausgesetzt sind; ja, wenn sie etwas ansch affen, von dem Dienstpersonal nicht nur nicht beachtetsondern oft beschimpft werden. Und warum? Weil sie sich noch immer von der seit Jahrhunderten liebgewonnenen polnischen Tracht nicht lössagen wollen. Nun würden wir dieses nicht erzählt haben,- da es doch auch in den civilisirten Ländern und Städten zu jeder Zeit Pöbel gegeben hat und geben wird; was soll man aber dazu sagen, wenn Menschen, die im Dienste der Regierung stehen, wenn k. k. Beamte trotz den humanen Intention en Sr. Majestät des Kaisers und der höchsten Autoritäten an der Spitze des Staates, sich Unzukömmlichkeiten zu Schulden kommen lassen, die sich nur bei dem Pöbel, seiner Unwissenheit und niedrigen Stellung wegen , entschuldigen ließen? So meldet ein in Wien erscheinendes Wochenblatt, daß ein Bezirksamt unweit Lemberg die an Juden adressirten officrellen Zuschriften gewöhnlich mit dem Prädicäte „Jude" bezeichnet, und daß Lemberger Magistratsbeamte es nicht unterlassen, den jüdischen Hauseigenthümern aufzutragen: am Frohnleichnamstage Fettster und Thore gesperrt zu halten und sich während der Procession ja nicht blicken zu lassen. Auch das Gespenst des Berbdtes der Haltung christlicher Dienstboten von Seiten der Juden taucht von Zeit zu Zeit von Neuem auf. So berichtet die „Ostdeutsche Post" aus Brody vom 8. Juli : „Ueber Requisition des katholischen Pfarrers oder vielmehr seines Vicars ist der Befehl erneuert worden, der den Juden verbietet, christliche Dienstboten zu halten, und diesen, ihr Brot bei Juden zu essen. Die städtische Polizei übernahm die Execution dieses Actes und sorgte eifrig dafür, wie dies bereits früher zu einer Zeit, die wir abgeschlossen hofften, wiederholt geschah, daß das Dienstverhältnis zwischen Juden und Christen rasch gelöst werde. Hat diese Maßregel, welche lediglich zur Feier der Ankunft des Bischofs bestimmt zu sein scheint, in der hier so zahlreichen Judengemeinde ungeteilte Indignation hervorgerufen, so rief sie eine noch größere Trauer Unter den vielen armen Leuten hervor, die urplötzlich um ihre Existenz gebracht sind; denn hier leben zu wenige Familien christlichen Bekenntnisses, die Jene aufnehmen könnten, welche aus den zahlreichen jüdischen Häusern treten müssen...."

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