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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-08-12 · Heft 33 (12.8.1862) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 33 (12.8.1862)
Date
1862-08-12
Page
Seite 458 (sequence 8)
Language
German
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458 1847 ausgesprochene Verbot des Besuches solcher Schulen durch nichtjüdische Kind er aufgehoben wird. - Die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der unter 1 bis 5 aufgestellten Punkte ergeben sich aus dem früher Angeführten, sowie aus der Sache selbst. Die Bestimmung unter No. 6 dagegen ist eine Forderung der Gerechtig- ' feit. Wenn jüdische Kinder 'christliche Schulen besuchen dürfen, so läßt sich nicht aLsehen, weshalb nicht auch christlichen Kindern der Besuch jüdischer Schulen gestattet sein soll. Wenn von dem Gerechtigkeitssinne unserer hohen Gesetzgeber nur zu erwarten steht, daß sie den hochwichtigen Gegenstand einer genauen Prüfung unterwerfen und berücksichtigen werden, so gewinnt dadurch die- Aussicht auf baldige Abstellung der das jüdische. Elementarschulwesen drückenden Mängel und Uebelstände um so mehr an Gewißheit, als von vielen andern Staaten Deutschlands, wie Hannover, .Württemberg, Bayern, Oldenburg/;Baden rc., mit gutem Beispiele vorangegangen, ist und diese den Wünschen der jüdischen Schulen durch Gleichstellung derselben mit den christlichen Schulen gerecht geworden sind. Möge unser theures Vaterland diesen Act der Humanität und Gerechtigkeit seinen israelitischen Bewohnern nicht länger vorenthalten. Alsbach, Lehrer in Camen. - Treu, Lehrer in Münster. Steinweg, Lehrer in Hamm. - (Folgt die Petition als Begleitschreiben.) Literarischer Wochenbericht. Leipzig, im Juli. Der Unparteilichkeit wegen lassen wir hier über eine der Jnstitutsschriften eine Rccension aus dem, in seinen Kritiken scharf eingehenden Blatte, dem „Literarischen Centralblatt für Deutschland" No. 26 vom 28. Juni folgen: Kayserling, vr. M., Moses Mendelssohn.' Sein Leben und seine Werke. Nebst einem Anhänge ungedruckter Briefe von und an Mendelssohn. — Wie es Mendelssohn im Leben ergangen, so erging und ergeht es ihm auch nach seinem Tode. Wurde er von Straßenbuben, die ihn nicht weiter kannten, blos weil er ein Jude war, mit Steinen geworfen, so sagten dagegen gebildete Personen zu einander, wenn er vorüberging: „Da istder berühmte Mendelssohn!" So erzählt uns der Verfasser des vorliegenden trefflichen Buches (S. 249, 269), und damit ist uns Mendelssohn's Stellung im Leben Und der Literatur kurz angegeben. Gemeine Naturen (und darunter der trotz Röpe-scher Vertheidigung übelberüchtigte „perfide" Hauptpastor.Götze) konntenes ihm nimmer verzeihen, daß er, der einem: so verhaßten, verachteten Glauben anhing, als Philosoph und mehr noch als Mensch sie so hoch überragte; sie fielen über ihn her mit wüthenden Bissen und hätten Jene, vermochten sie es, sein Ansehen für immer vernichtet; edlere Geister hingegen, deren Andenken schon deshalb ewig gefeiert zu werden verdient, zeigten sich erhaben über jede Beschränktheit und drückten rückh altslos ihre Bewunderung aus; ein Kant thut den ihn selbst am meisten ehrenden Ausspruch: „Es giebt nur Einen Mendelssohn!" — Jene Angriffe nun dauern in einer oder der anderen Gestalt und oft mit derselben Perfidie: noch immer fort, denn das Motiv besteht vor wie. nach in alter Stärke; und um. dieselben schlagend zurückzuweisen, sowie überhaupt. um Mendelssohn die Stelle zu vindiciren, die ihm in Deutschlands Ehrentempel gebührt, hat Dr. Kayserling es unternommen, ein treues und vollständiges Bild von dem Leben und Wirken des jüdischen Weisen zu schaffen und diesen seinen Zweck in vollkommen dankenswerther Weise erreichte. Die ächt sokratische Gestalt Mendelssohn's tritt uns klar und deutlich entgegen und bringt einen ungemein wohlthuenden Eindruck hervor^ Der Leser, wenn er anders Gefühl für sittliche Größe besitzt und frei ist. von religiösen Borurtheilen, wird durch das Buch bis ans Ende gefesselt, und fühlt sich, wenn er es aus den Händen legt, ein besserer Mensch. Indem nun aber der gelehrte Verfasser zur Erreichung seines Hauptzweckes alle irgend zugänglichen und darunter bisher unbekannte Quellen benutzte, bot sich ihm zugleich auch Veranlassung, auf mannigfache andere mit Jenem in näherer oder fernerer Beziehung stehende Personen und Verhältnisse Streiflichter fallen zu lassen, welche zur Charakterisirung derselben sehr anziehende Beiträge gewähren. Erfreut uns z. B. einerseits der bereits angedeutete aufgeklärte Geist einer großen Zahl edler Männer, unter denen auch Fürsten sich finden, wie der Erbprinz von Braunschweig und der berühmte Graf von Lippe-Schaumburg, so darf man andererseits des großen Friedrich (wie Prescotte sie nennt) „westgothische Gesetzgebung" in Betreff der Juden nicht minder beklagen, als die durch ihn verweigerte Bestätigung der Wahl Mendelssohn's zum Mitglied der Berliner Akademie Me Achtung hingegen gebührt dieser

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