Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-08-05 · Heft 32 (5.8.1862) · p. Seite 447

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 32 (5.8.1862)
Date
1862-08-05
Page
Seite 447 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226343--20526-3249598
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44* Ben sie sich doch nicht einmal, zu einer gegliederten Corporation vereinigenkönnen, 'wie sie bei uns die kleinste - Gemeinde bildet, deren Vorstand sie der Behörde gegenüber repräsentiren müßte. Weüu der Gouverneur den; Juden irgend etwas sie Betreffendes nntzutheilen hat, so greift er nach Belieben einige der .Reichsten heraus und theilt es ihnen'mit, und dann'wird es in der Synagoge bekannt gemacht. Nicht einmal zu einer gemeinsamen Gabe l sind sie zu vereinigen und die Wohlthätigkeit, diese Zierde jeder jüdischen Genossenschaft, wird nur vereinzelt ausgeübt. Um die Geselligkeit ist es aus dem schon angeführten Dünkel der Reichen natürlich eben so schlecht bestellt. Im vorigen Winter wurden zwar zwei Bälle zu wohlthätigen Zwecken arrangirt, davon wurde der erste von den:■ sich Aristokraten dünkenden Reichsten nicht besucht, weil dazu auch Leute aus dem Mittelstände geladen waren; zu dem zweiten, von welchem nun diese ausgeschlossen waren, kamen sie; dieses zog aber drei Pasquille nach sich, die sich in Gemeinheiten so verboten, daß das dritte auch keine Erwiderung mehr fand, Weil es den Gipfelaller Pöbelhaftigkeit erreicht hatte. Das Schlimmste dabei ist, dqß sie so entblößt von aller Scham und jedem Ehrgefühl sind, den Christen in alte diese Vorgänge Einblicke zu verschaffen und den Haß und die ohnehin so große Verachtung dieser natürlich nur zu verstärken. Von Bildung oder irgend einem Streben danach ist. bis auf die gesellschaftlichen Formen, die. allerdings einen gewiffen Anstrich haben, nichts-in diesen Kreisen zu finden. Die jungen Männer, die alle meist im Anslande gereift sind, haben doch kein besseres Streben; das hat mich zuerst ungemein gewundert; es erklärt sich aber bald, wenn man erfahrt, daß die Meisten den gröbsten Lastern hingegeben sind. Die leidige Nachahmungssucht, durch die man glaubt, die Schranken, die die Christen zwischen sich und den Juden errichtet, zu übersteigen, haben sie leider zuerst den Lastern in die Arme geführt, Trunk, Spiel und Ausschweifungen aller Art sind gang und gäbe. Die jungen Mädchen und Frauen sind meist sehr hübsch und verstehen sich vortheilhaft zu kleiden; sie lernen Französisch, spielen Clavier, das ist ziemlich Alles, was sich von ihnen sagen läßt; hat einmal Eine ein Bischen mehr Verstand, so wendet sie ihn dazu an, ihren Mann oder wer ihr sonst nahe steht, nur um Gotteswillen den jüdischen Verhältnissen und Angelegenheiten ,fern zu halten, damit die. Christen sie nur nicht Mit den .Juden im Zusammenhanges glauben sollen. Daß von hier aus nur 10 Abonnements' auf die Bücher des Instituts zur Förderung der iftaeliti-; scheu Literatur aufgegeben worden sind, schreibe ich nur dem Einflüsse der Frauen zu, bei denen die Cultur zuerst bewirkt hat, daß sie sich schämen, Juden zu sein. Freilich ist dies solchen, in der größten Unwissenheit aufgewachsenen Geschöpfen, die. das Judenthum nur in hohlen, leeren Ceremonien gesehen, welche nicht einmal mit Glaubensinnigkeit und aus tiefer Ueberzeugung vollzogen wurden, wie j das doch in meinem elterlichen Haufe geschah, und eben deshalb so hohl und leer aussehen; fast nicht zu verargen. / - ’ Anzeige«. Offene Stelle. Die Stelle des 1 sten Cantors in G othenburg in Schweden -ist sofort zu besetzen. Gewünscht Wird ein im Mannesalter stehender unverheiratheter Mann, der eine schöne Stimme hat und m u sikalisch e Kenntn i sse besitzt, um Kinder zum Chor heranzübilden, auch völlig in der hebräischen Sprache bewandert ist. — Gehalt ist 700 Thlr. preu ß i s ch C o u r a n t jährlich, und kann durch Privatunterricht, wozu viel Zeit übrig bleibt, erhöht werden. Sich qualificirende Bewerber belieben sofort ihre Gesuche, mit beglaubigten Zeugnissen versehen, an den Vorstand der mosaischen Gemeinde in Gothenburg, Königreich Schweden, per Post einzusenden. Der V o r st an d. Bacanz. Die hiesige Synagogen-Gemeinde sucht zum 1. October er. einen Lehrer, der den höheren Unterricht an der biestgen Gemeindeschule ertheilen soll, auch befähigt sein muß, öffentliche Vortrage in der Synagoge zu halten. Als fester Gehalt sind Dreihundert Thaler festgesetzt und kann sich das Einkommen durch Privatunterricht erheblich vergrößern. O-ualificirte -Bewerber wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse an den Vorsitzenden der Repräsentanten-Versammlung, Herrn S. G Jaeobus, bis zum 15. August er. melden. Schievelbein, den 10. Juli 1862. D er V o r st a n d. Die Stelle eines israel. Religionslehrers .und Vorbeters für die hiesige Filial-Gemetnde Ortendorf, die mit einem guten Gehalt verbunden, soll mit dem lsten Januar k. I. wieder besetzt werden. Resiectanten wollen unter Beifügung ihrer Qualifications-Atteste sich portofrei an uns wenden. Marburg (Mestphalen), im Juli 1862. 1 Der Synagogen - Vorstand. Jacob Mosheim.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.