Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1862)
- Date
- 1862-08-05
- Page
- Seite 445 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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445 reproducirten Artikel, überschrieben: „Die Juden und die Sclaverei", aus welchem wir folgende Stellen herausheben: „Daß die Israeliten in New-Orleans und wohl im: ganzen Süden zu einem großen Theile Secessionisten sind, ist allerdings eine Thatsache, die auf den ersten Blick befremdend erscheint. Wie ist es möglich, so fragt man sich staunend, daß Angehörige eines Stammes, der seit Jahrtausenden gedrückt und verfolgt und geknechtet gewesen, wie wenige, hier in Amerika, wo man ihnen doch volle Freiheit gewährt, sich als Verteidiger des schmählichsten Institutes auf Erden, der Sclaverei, und als Feinde der freiheitlichen Bestrebungen zeigen? Leute, die jeden Morgen und jeden Abend Gott dafür danken, daß er ihre Väter aus der Sclaverei Aegyptens befreit; deren Brüder und Verwandte in gar vielen deutschen und nichtdeutschen Staaten der alten Welt heute noch für ihre eigene Emancipation petitioniren und agitiren müssen, zeigen sich hier als fanatische Apologeten der Negersclaverei! Leute, welche selbst erfahren haben, daß man aus dem europäischen Continente von Seiten der Feudalen und Klerikalen gegen die Emancipation der Juden geltend macht, sie gehörten einer andern Race an, sie würden, wenn emancipirt, den Christen das Brot entziehen, sie seien durch göttliche Fügung zur ewigen Sclavenstellung verurtheilt, sie würden von überall her denjenigen Staat überschwemmen, der sie für vollberechtigte Bürger erkläre u. s. w., solche Leute sind beschränkt und gemein genug, hier die nämlichen Gründe gegen die Emancipation der Neger vorzubringen! Wenn irgend Jemand, so sollte vor Allem der Jude den glühendsten und unversöhnlichsten Haß gegen „das eigeuthümliche Justitut des Südens" in sich nähren, und das Wort: fiaKjustitia, pereat mundus (Gerechtigkeit, und wenn die Welt untergeht!) zu seiner Losung machen. „Wenn man übrigens den Sachverhalt genauer untersucht, so wird es sich bald Herausstellen, daß die angebliche Vorliebe der Juden für die Negersclaverei durchaus nicht so allgemein ist, als man vielfach zu glauben scheint. Hunderte von in südlichen Staaten lebenden Juden haben theils freiwillig, theils gezwungen beim Ausbruch der Rebellion und während derselben ihre dort sich geschaffene Heimath verlassen, weil sie nicht mit dem reißenden Strom schwimmen wollten. . Hunderte von Juden, die heute noch im Süden leben, tragen ein anderes, nicht minder schweres Märtyrerthum, das Märlyrerthmn des Schweigens,-und im Herzen sehnen sie sich ungeduldig der Zeit entgegen, wo die elende Rebellion der Aristokraten des Südens.mit zertretenem Kopse am Boden liegen wird. Hunderte von im Norden lebenden Juden sind offen und mit Herz und Seele der Anti-Sclavereibewegung ergeben, wenden mit dem braven, für eine hohe Idee lebenden William Lloyd Garrison das Wort ihres Propheten an, indem sie „ttte Union 38 it was, and the Constitution as it is“ als „Bund mit dem Tode und Vertrag mit der Hölle"'bezeichnen, und wirken mit Wort und That dafür, daß die Unabhängigkeits-Erklärung in allen Theilen eine Wahrheit werde. Ja sogar in den Grenzstaaten.sind es Juden, welche in den Emancipationsbestrebungen eine prominente Rolle spielen, und wir nennen beispielsweise die Herren Bernays von St. Louis,, bis vor etwa einem Jahre Redacteur des „Anzeiger des Westens", M. Friede und I. Busch daselbst, republikanische Mitglieder der Missouri-Gesetzgebung, resp. Staats-Convention, L. Dembitz von Louisville, der als Delegat der Chicago-Convention beiwohnte, die Präsident Lincoln nominirte u. s. w. „Dennoch steht die Thatsache fest, daß auch viele Juden mit der Sclaverei und der südlichen Rebellion sympathisiren. Worin hat das seine Ursachen? ' „Wir wollen davon absehen, daß gar viele der von Europa herübergekommenen Juden zu jener großen Classe von denkunfähigen und denkfaulen Menschen gehören, die mit den Bourbonen Das gemein haben, daß sie nichts gelernt und nichts vergessen haben. Solche Menschen werden eben unwillkürlich von der Strömung mit fortgerissen, in deren Mitte sie sich gerade befinden; und es giebt bekanntlich eine Macht, gegen welche die Götter selbst vergebens kämpfen. Andere können sich nicht zu einem höheren sittlichen Standpunkt der Betrachtung erheben, und glauben die materielle Wohlfahrt, des Landes und ihres eigenen lieben Jchs gefährdet, wenn diese „verdammte Agitation der Sclavenfrage" so sortdauert. Das sind die Fanatiker der Rühe, und in ihren Augen giebt es kein schimpflicheres Wort als Agitator und Abolitionist." ' „Es haben sich auch einige jüdische Stimmen öffentlich zu Gunsten der Sclaverei > vernehmen lassen, und auch sie haben wohl dazu beigetragen, die Ansichten mancher Juden zu vergiften. Konnten doch vor einem Jahre die Zeitungen in Richmond, Charleston, New-Orleans u. s. w. Artikel bringen mit der Überschrift: „The Jews 31**