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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-08-05 · Heft 32 (5.8.1862) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 32 (5.8.1862)
Date
1862-08-05
Page
Seite 443 (sequence 9)
Language
German
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448 Jeschibot in Ungarn gemacht, glaubten den Talmud gründlich zu verstehen, erkennen es aber jetzt, daß die Bekanntschaft mit dem Arabischen, vorzüglich aber mit dem Chaldäischen, ihr Wissen erst abkläre und ergänze. Namentlich gewinnen sie durch das Studium der chaldäischen Sprache, die der Professor im heurigen Semester mit großem Eifer und tiefem Verständniß tradirt; denn es eröffnen sich ihnen ganz neue Ansichten, und sonst schwierige Probleme, die sie auf dem Wege des Pilpuls vergebens zu lösen sich abmüheten, werden durch die Kenntniß der Sprachen leicht begreiflich. Es wäre, zu wünschen, daß dieses Vorgehen Nachahmung fände; denn das wird jeder Unbefangene eingestehen, daß der aufdie äußerste Spitze getriebene hohle Pilpul den Talmud unverdient in Verruf gebracht hat, und nur ein unbefangenes Studium, das nicht auf Effecthascherei ausgeht, sondern eines, auf Grundlage der Geschichte und der Kenntniß der orientalischen Sprachen kann zum wahren Verständniß des Talmud und zur Reactivirung seines Werthes bei den Gebildeten beitragen. Aus Oesterreich, im Juli, (Privatmitth.) . Nach dem „Statistischen Handbüchlein für die österreichische Monarchie" (Wien 1861) befanden sich in den zur ungarischen Krone gehörenden Ländern bei einer Gesammtzahl von 13,667,868 Einwohnern 412,702 Juden und zwar in Ungarn 393,105, Kroatien und Slavonien 5041, Siebenbürgen 14,.152, Militärgrenze 404. Die Gesammtzahl der israelitischen Schüler auf den ungarischen (magyarischen) Gymnasien betrug im Jahre 1852—53 676, im Jahre 1858—59 aber 1307. Aus Ungarn, im Juli. Oesterr. Bl. berichten: In dem in der Nähe von Kaposvar gelegenen Dorfe Büze durften^ von alten Zeiten her keine Juden wohnen; erst. vor Kurzem fielen diese Schranken und ein Israelit, Namens Boskovitz, pachtete die herrschaftlichen Regalien. Das erregte bei dem Bauernvolke böses Blut- und Mehrere beschlossen, an den „Eindringlingen^ Rache zu nehmen. Am 29. Juni, einem Sonntage; kamen sechs Einwohner des Dorfes in die Schenke und zechten dort. Da es schon gegen Mitternacht war, wollte der Wirth keinen Wein mehr hergeben. Da zerbrachen sie die Stühle und fielen mit den Worten: Schlagt den Juden! über den Wirth her und fingen an, den Armen fürchterlich durchzuprügeln, bis es ihm gelang, durch die geöffnete Thür zu entwischen: Nun stürzten die Rasenden über die im Nebenzimmer schlafende und über den Lärm erwachte Wirthin her, die ein vier Monate altes, Kind an der Brust hatte, und schlugen sie so lange aus die Schläfe, bis fie tobt zusammensank. Auch die Mutter der Ermordeten wurde so mit Schlägen mißhandelt, daß man wenig Hoffnung für ihr Aufkommen hat. Der unglückliche Jude, wollte nach Marczali nach einem Arzt schicken,, aber so viel Geld er auch dem Boten versprach, wollte doch Keiner von den Einwohnern den Gang unternehmen. Nach dem geringen Quantum Wein, das sie consumird hatten, konnten die Uebelthäter nicht einmal betrunken gewesen sein. —. Der „Wanderer" in No. 162 vom 16. Juli berichtet: Kasch au, im Juli. Leider habe. ich über zwei arge Uebergriffe zu berichten , welche sich zwei Beamte, einer vom Comitat und einer von unserer Stadt, zu Schulden kommen ließen. Es wäre übel verstandener Patriotismus, zu schweigen, wo Gerechtigkeit und Wahrheit gebieterisch zum Gegentheile auffordern; zwar werden die mitzutheilenden Fälle unfern Gegnern eine willkommene Waffe sein,: wir fürchten jedoch die Benutzung derselben gegen uns nicht:? In einer größern Ortschaft eines der südlich gelegenen Stuhlbezirke unseres Comitates ließ vor einiger Zeit der gestrenge Herr Eskütt (Stuhlrichter-Gefchworner) einige ungarische Bauernmädchen, weil sie Sonntags Victualien verkauften, arretiren und mit Ruthenstreichen bestrafen. Noch erbaulicher ist aber der zweite Fall, da dem ersten doch wenigstens eine Übertretung Anlaß bot, die erwähnte unpassende und überstrenge Strafe in Anwendung zu bringen. Bor etwa zwei Wochen wurde ein Diebstahl begangen. Die hierüber bei unserer Stadthauptmannschaft eingeleiteten Nachforschungen leiteten auf eine Spur, welche in ein hiesiges israelitisches Kosthaus minderer Gattung leiteten. Der Vice-Stadthauptmann wurde mit gehöriger Assistenz ausgesendet, um ein, ihm näher bezeichntes Individuum arretiren zu lassen. Im Kosthause angekommen, begegnet ihm zuerst Herr W., der Sohn eines vermöglichen Israeliten, welcher eben ausgehen wollte, um einige ihm von seinem Vater aufgetragene.Geschäfte abzumachen. Der junge Mann, der es dm Ankommenden wahrscheinlich ansah, daß sie Jemanden suchen und im Hause unbekannt seien, wollte sich ihnen dienstfertig erzeigen, ging ihnen entgegen und fragte grüßend;? wen sie suchten? „Dich suchen wir, v.... Kerl!" rief, da 32

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