Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1862)
- Date
- 1862-08-05
- Page
- Seite 442 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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442 didaten aufgetreten, von denen die-.meisten auf mehrere Stimmen zu rechnen - berechtigt waren. Trotz der Freunde,, die den Her^n Kuh empfohlen hatten, mußte die Wahl desselben um so zweifelhafter erscheinen, als bei den - 40,000 Einwohnern des Bezirkes, unter denen äußerst, wenige Juden Vorkommen, das religiöse Borurtheil noch keineswegs ausgestorben ist. An Einflüsterungen Hat es nicht gefehlt; um so ehrenvoller ist das Resultat, denn von 66 Wahlmännern gaben 57 ihre Stimmen dem. Herrn Kuh. Diese Wahl hat in ganz Böhmen bei allen Vorurtheilslosen einen sehr guten Eindruck gemacht; insbesondere können wir Juden uns freuen, -da nunmehr 4 unserer Glaubensbrüder im böhmischen Landtage fitzen. . Das von der Generalversammlung der böhmischen Landesjudenschaft ernannte 32er Comite hat aus seiner Mitte ein engeres Comite gewählt, welches auf Grundlage der auch in dieser Ztg. veröffentlichten 12 Punkte eine specificirte Cultus- und Synagogenordnung ausarbeitet. Dieses setzt seine Arbeiten sehr eifrig fort und dürfte dieselben bald beendigt haben. Es herrscht unter den einzelnen Mitgliedern ein freundliches Entgegenkommen, und das alte Nebel, der Unterschied nämlich in der Stellung zwischen den Landjuden und Prager Juden, wird in der neuen Ordnung gänzlich ausgemerzt sein. Ein wichtiger Punkt, ob an der Spitze einer Cultusgemeinde ein Rabbiner stehen müsse, oder ob ein Religionslehrer genüge, wurde zu Gunsten des Ersteren entschieden. — Ueber die Verwendung des Vermögens der Landesjudenschaft konnte bisher noch nicht entschieden werden, weil die Angelegenheit noch bei den Behörden anhängig isti Die bisherigen Verwalter hatten nämlich den größten Theildes Vermögens zur Gründung eines Waisenhauses bestimmt und die Behörden hatten diesem Plane ihre Zustimmung nicht versagt. Das ComitS wandte sich nun in einem Bittgesuche an die Stätthälterei, daß die Angelegenheit in suspenso bleibe, bis eine General-Versammlung einberusen sein werde. Dieser sollen die Verwalter Rechnung ablegen, zugleich ihr Amt niederlegen und das Plenum selbst möge dann über die Verwendung des Geldes sich entscheiden. Leistet, wie vorauszusehen ist, die Behörde diesem Ansuchen Gehör, so dürste das Plenum für die Errichtung eines Rabbiner- und Lehrer-Seminars sich entscheiden, denn dieses ist in der That ein längst gefühltes Bedürfniß, und dürfte unter gehöriger Leitung die heilsamsten Früchte für das Länd.tragen. Was nun speciell Prag betrifft, so ist zunächst zu bemerken, daß hier der Fortschritt zum Bessern immer mehr zu Tage tritt. Außer dem Tempel, in welchem schon seit 26 Jahren ein geregelter Gottesdienst mit Predigt, .Chor und Orgel eingeführt ist, bestehen hier noch 9 große und mehrere, kleinere Synagogen. Die Besucher einiger großen Synagogen haben schon längst das Bedürfniß nach einem geregelten Gottesdienste gefühlt. Nachdem die sogenannte Neusynagoge schon vor einigen Jahren durch Einführung von Predigt und Chor diesem Bedürfnisse Rechnung getragen, kömmt nun dieselbe Idee in der Meiselsynagoge in großartigem Maßstabe zum Durchbruche. Es wird dieselbe im Herbste entsprechend umgebaut werden; die nöthige Summe hierzu ist bereits gesichert, ein Concurs für einen Prediger, sowie, für einen Cantor, Beide mit gutem Gehalte, ist schon ausgeschrieben. Man muß wahrlich das Streben der Synagogenmitglieder öffentlich anerkennen, daß sie trotz des schlechten Geschäftsganges, der vielen Beiträge für Staat, Stadt und Cultusgemeinde, sich so opferwillig erweisen. Daß aber ein Streben nach geregeltem Gottesdienste hier immer mehr hervortritt, hat man den Leitern des hiesigen Tempels zu verdanken. Diese Männer haben stets zwischen dem alten Schlendrian und der zügellosen Reformsucht, die überall tabula rasa machen möchte, die rechte Mitte einzuhalten gewußt und haben auf diese Weise die aufrichtigen Orthodoxen und die religiösen. Reformer mit sich versöhnt und zur Nachahmung durch ihr Beispiel angespornt. Dieses Princip fand auch seinen Verkünder in dem jedesmaligen Prediger,'besonders in Herrn Prof. I)r. Kämpf, der. mit unermüdetem Eifer wirkt und durch sein beredtes.Wort die Herzen Aller für wahres Judenthum zu erwärmen weiß. Ihm hauptsächlich ist es zu danken, daß ein besserer Geist sich hier Bahn gebrochen und daß die gemäßigte Reform immer mehr Boden gewinnt. Neben der erfolgreichen Thätigkeit auf der Kanzel und den Verdiensten des Herrn Dr. Kämpf als Schriftsteller, die seinen Namen in weiten Kreisen bekannt machten, müssen wir seine Wirksamkeit als Professor der hiesigen Universität hiermit öffentlich anerkennen. Der Herr Professor hat selbst unter Gesenius sehr gründliche Studien in den orientalischen Sprachen gemacht, und tradirt nun dieselben einem Kreise von Jüngern^ die an der hiesigen Universität ihre Ausbildung vollenden, um dann als Rabbiner im Leben zu wirken. Diese Herren haben langjährige Studien auf großen