Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1862)
- Date
- 1862-08-05
- Page
- Seite 441 (sequence 7)
- Language
- German
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441 merksame Beobachter sie dennoch in der Tageschronik verzeichnen als Das, was sie sind, nämlich einerseits als die Folgen, als die Nachwehen und Zuckungen der Decennien lang niedergehältenen freien Bewegung aller Glieder des Staatsörganismus, und andererseits als die Ausflüsse und Spuren der unter allen Schichten der Bevölkerung weithin verbreiteten zum Wesen und Kerne der Religion gar nicht gehörigen Doctrinen, wodurch Men - schen von Menschen in allen Beziehungen ihres Lebens schroff auseinandergehälten und gegenseitig entfremdet werden. — Der „Izraelita magyar egylet“ in Pesth hielt dieser Tage eine Generalversammlung, bei welcher Gelegenheit der Ausschuß über sein diesjähriges Gebühren der Versammlung folgenden Bericht erstattete. Der Ausschuß habe bei seinem Wirken zwei Zielpunkte vor Augen: die Hebung des israelitischen Schulwesens und die Schaffung einer confessionellen ungarischen Literatur. Die angewendeten Mttel zur allmähligen Erreichung dieser Ziele sind: Prämienvertheilung an sich auszeichnende Kinder, Einführung zweckmäßiger Schulbücher, Zusammenberufung von Lehrerconferenzen, Herausgabe eines israelitischen ungarischen Kalenders und Jahrbuches und schließlich Belohnung an verdienstvolle ungarische Schriftsteller israelitischer Confession. Ueberdies fanden im Schoße des Vereins Gratisvorträge aus der ungarischen Sprache statt, durch welche 237 Personen die Muttersprache sich aneigneten, ferner 24 belletristische und'populärwissenschaftliche Vorträge, und die Bibliothek des Vereins sei 329 Bände stark, welche jedes Mitglied des Vereins benutzen kann und auch benutzte. Die Generalversammlung stattete zum Schluffe dem Ausschüsse ihre Anerkennung und ihren Dank ab und wählte neüerdings zum Präses den verdienstvollen Dr. Rozsai. Deutsch. Raab, 4. Juli. (Privatmitth.) Das radikalste ungarische Blatt, der „Magyar Sajtö“ , plaidirt in seiner letzten Nummer mit warmen Worten für die Gleichstellung der Juden, somit' für deren Wahlrecht bei der Gemeinde - und Comitatsorganisation. Nach dem Buchstaben der Gesetze vom Jahre 1848 sind zwar die Juden nicht wahlberechtigt, allein das beziehe sich blos auf das Wahlrecht zum Landtage, die Feststellung der Principien, nach welchen die Gemeinden und Comitate zu organisiren waren, hieß es damals, bleibe einer spätem Zeit Vorbehalten, und doch sind voriges Jahr Juden in den Gemeinden und Comitaten als Ausschußmitglieder gewählt worden. Nicht der Eifer für das Gesetz, meint der „8asto",auch nicht die Befürchtung, die Juden könnten auf öffentlichen Angelegenheiten einen schädlichen Einfluß nehmen, sondern der persönliche Haß ist es, der Viele zur Ausschließung und somit zur Verkennung der natürlichsten Interessen veranlaßt. Die Strömung und Richtung unserer Zeit, die Billigkeit und das Interesse weisen darauf hin, daß es praktisch Bedürfniß sei, sich mit den Juden aüszugleichen und sich an einander anzuschmiegen. Den ersten Schritt und die unmittelbare Gelegenheit biete hiezu das Gemeindeleben. So weit der „Sajtö“. Wenn auch „eine Schwalbe noch keinen Sommer macht", so hoffen wir dennoch, so die zwischen der Krone und der Nation noch in der Schwebe sich befindenden Differenzen zur beiderseitigen Befriedigung gelöst werden, die öffentliche Meinung im Vereine mit den wahren Patrioten (und wer ist in Ungarn kein Patriot?) wird diesen Kampf, die Rechte der Israeliten betreffend, glücklich durchführen.Wegen der traurigen^ blutigen und beklagenswerthen Semen, deren Schauplatz unlängst die Stadt Belgrad war, haben sich die meisten dortigen israelitischen Bewohner auf österreichisches Gebiet geflüchtet und zwar nach den'Städten Semlin, Werschitz und Panscova. Der Magistrat der letztem Stadt hat sich bei dieser Gelegenheit nicht nur äußerst tolerant, sondern sehr gast- und menschenfreundlich gegen diese unglücklichen Flüchtlinge benommen; 600 israelitische Familien wurden mit Wohnungen, die Armen und Nothleidenben mit den nöthigen Lebensmitteln versehen und die Kranken unter ihnen im städtischen Spirale untergebracht. — Der hiesige Bischof hat aus Anlaß seiner glücklichen Rückkunft aus Rom 200 Fl. ö. W. unter die hiesigen Armen ohne Unterschied der Religion vertheilen lassen. Deutsch. Prag, rat Juli. (Privatmitth.) In der jüngsten Zeit sind in Böhmen und speciell in Prag einige Erscheinungen zu Tage getreten, die allgemein bekannt zu werden verdienen. Zunächst meinen wir Hier die Wahl des Herrn Kuh, Redacteurs des „Tagesboten aus Böhmen", eines sehr perbreiteten politischen Journals, für den böhmischen Landtag. Ueber die Wichtigkeit dieses Actes hier nur einige Notizen. Für den erledigten Wahlbezirk Brüx— Gorkau—Katharinaberg waren nicht weniger als 6*Cän-